Archimandrit Gabriel: Bartholomäus wird vor der Geschichte nicht bestehen
Der Mönch spricht im UOJ-Interview über den Druck auf den Ökumenischen Patriarchen und das „Gericht der Geschichte“.
Der orthodoxe Schima-Archimandrit Gabriel (Bunge) hat sich in einem Interview mit der Union Orthodoxer Journalisten (UOJ) zur Kirchenspaltung in der Ukraine und zur Rolle des Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus geäußert. Nach Darstellung des russisch-orthodoxen Geistlichen im schweizerischen Tessin habe Patriarch Bartholomäus die Spaltung nicht aus eigenem Antrieb herbeigeführt, sondern sei insbesondere durch starken Druck aus den USA dazu bewegt worden, wie er in dem am 17. September 2026 veröffentlichten Gespräch sagte.
Schima-Archimandrit Gabriel erinnert daran, dass die kanonische Ukrainisch-Orthodoxe Kirche lange Zeit von allen orthodoxen Kirchen als die einzige kanonische Kirche in der Ukraine anerkannt worden sei. Dies habe auch für Patriarch Bartholomäus gegolten. Auf die Frage, warum sich dessen Haltung geändert habe, sagte der Archimandrit: „Wir wissen doch, dass Patriarch Bartholomäus nicht freiwillig gehandelt hat.“ Anschließend beruft er sich auf eine „zuverlässige Quelle“, wonach Patriarch Bartholomäus gegenüber einem griechischen Botschafter erklärt habe, dass er ohne einen „derart starken Druck“ der Amerikaner die entsprechenden Schritte niemals unternommen und „die Kirche nicht gespalten“ hätte.
Nach Archimandrit Gabriels Darstellung stand die kirchliche Entwicklung zudem im Zusammenhang mit dem politischen Ziel, Russland zu schwächen. Er kritisierte, dass Kirchenoberhäupter dem politischen Druck nicht widerstanden hätten. Besonders schwer wiege die Verantwortung für eine Kirchenspaltung: Ein Bischof oder Patriarch könne diese nach den Worten der Heiligen Väter „nicht einmal mit seinem eigenen Blut abwaschen“. Archimandrit Gabriel ist überzeugt, dass die Verantwortlichen „vor dem Gericht der Geschichte“ nicht bestehen werden. Zugleich betonte er, dass nicht er über sie richte: „Christus allein richtet alle.“
Die UOJ berichtete zuvor, dass Erzpriester Martinos Petzolt sich in einem Vortrag in Mönchengladbach mit dem Umgang mit Zweifeln und der Bedeutung des gemeinsamen Glaubens beschäftigte.