„Zweifel können eine Führung Gottes hin zu tieferem Glauben sein“
Vortrag in Mönchengladbach von Erzpriester Martinos Petzolt beschäftigte sich mit dem Umgang mit Zweifeln und der Bedeutung des gemeinsamen Glaubens.
Der Verein „Orthodoxe Einheit“ hat am 15. September 2026 ein Video mit dem griechisch-orthodoxen Erzpriester Martinos Petzolt aus Würzburg auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht. Der Geistliche sprach am 6. September in der orthodoxen Kirchengemeinde Heiliger Nikolaos in Mönchengladbach zum Thema „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“. Im Mittelpunkt standen Glaubenszweifel, ihre möglichen Ursachen und die Frage, wie sie zu einer Vertiefung des Glaubens beitragen können.
Erzpriester Martinos Petzolt unterschied zunächst zwischen einem kindlich-naiven oder von Angst geprägten Gottesbild und einem gereiften Glauben. Zweifel an einem solchen vereinfachten Gottesbild seien ein „gesunder Prozess“, durch den der Mensch kritisch werde und zu einem gefestigteren Glauben finden könne. Zugleich warnte er davor, Zweifel ausschließlich mit sich selbst auszumachen. Der Glaube sei keine rein individuelle Angelegenheit, sondern werde in der Gemeinschaft der Kirche gelebt und durch die Glaubenserfahrungen anderer Menschen mitgetragen. Auch Zweifel sollten deshalb geteilt und im Austausch mit anderen bearbeitet werden.
Als weitere Perspektive bezeichnete der Erzpriester Glaubenszweifel als mögliche „Pädagogik Gottes“. Zeiten, in denen der Mensch Gottes Gegenwart nicht unmittelbar erfahre, könnten ihn zu einem tieferen Glauben führen, der nicht allein von Gefühlen oder besonderen religiösen Erfahrungen abhänge. Anhand neutestamentlicher Beispiele wie Petrus, Thomas und des Vaters, der zu Jesus sagt „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“, betonte der Geistliche, dass Christus den Zweifelnden nicht zurückweise, sondern ihm entgegenkomme und ihn rette.
Erzpriester Martinos Petzolt hob schließlich hervor, dass es im christlichen Glauben nicht um naturwissenschaftlich beweisbare Aussagen gehe, sondern um eine persönliche Beziehung zum dreieinen Gott. Je mehr der Mensch über die Lehre Christi und die Überlieferung der Kirche erfahre, desto klarer könne sein Gottesbild werden. Zweifel könnten dadurch kleiner werden und letztlich sogar dazu beitragen, die persönliche Beziehung zu Christus zu vertiefen.
Die UOJ berichtete zuvor, dass der serbisch-orthodoxe Metropolit Grigorije die Göttliche Liturgie in Friedrichshafen feierte und die Gemeinde eine Gottesmutter-Ikone vom heiligen Berg Athos begrüßte.