Bischof Irenei warnt vor geistlichem Vergleich mit anderen
ROKA-Hierarch spricht über die Gefahren, das eigene Leben ständig am Leben anderer zu messen – und ruft dazu auf, den persönlichen Weg mit Gott in den Blick zu nehmen.
Bischof Irenei von London und Westeuropa von der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland (ROKA) hat in einer neuen geistlichen Betrachtung über die Gefahren des Vergleichs mit anderen Menschen und die Bedeutung des persönlichen geistlichen Weges gesprochen. Das Video wurde am 16. September 2026 in englischer Sprache auf dem YouTube-Kanal „Patristic Nectar“ veröffentlicht.
Der Bischof bezeichnete den Vergleich mit anderen als eine „sehr gefährliche geistliche Falle“. Geistliche Väter rieten dazu, das eigene Leben in der Gegenwart Gottes zu betrachten, statt den eigenen Zustand ständig mit dem anderer Menschen zu vergleichen. Wer seine Aufmerksamkeit zu sehr darauf richte, was andere tun, laufe Gefahr, über deren Leben zu urteilen und dabei die eigenen geistlichen Schwächen zu übersehen. Bischof Irenei verwies in diesem Zusammenhang auf das Evangelium vom Splitter im Auge des Bruders und dem Balken im eigenen Auge.
Besonders deutlich werde dies in familiären und persönlichen Lebensbereichen. Menschen verglichen etwa ihre Ehe, die Erziehung ihrer Kinder oder ihre Fähigkeit zur Vergebung mit dem, was sie bei anderen wahrnähmen. Dies könne zu Entmutigung und einem lähmenden Gefühl eigener Unzulänglichkeit führen. Zugleich bestehe die Gefahr, andere aufgrund ihres vermeintlich vorbildlichen Lebens zu idealisieren, obwohl man deren innere Kämpfe und Schwierigkeiten nicht kenne.
Als Gegenmittel riet Bischof Irenei dazu, den Blick auf das eigene Leben und die eigene Beziehung zu Gott zu richten. Jeder Mensch habe von Gott eigene Stärken, Talente, Schwächen und Herausforderungen erhalten. Entscheidend sei daher nicht, wie der eigene geistliche Weg im Vergleich zu anderen aussehe, sondern wie man mit den eigenen Schwierigkeiten umgehe und auf die von Gott geschenkte Gnade antworte. Gott habe zu jedem Menschen eine einzigartige Beziehung, die durch keinen Vergleich mit einem anderen ersetzt werden könne.
Die eigenen Schwächen sollten nach den Worten des Bischofs nicht zur Verzweiflung führen, sondern erkannt werden, damit an ihnen gearbeitet werden könne. Die Kirche helfe dabei, geistliche „Krankheiten“ zu erkennen und die entsprechende „Medizin“ zu finden. Bischof Irenei rief dazu auf, Gottes Hilfe zu suchen, sich von der Kirche leiten zu lassen und ihren Rat sowie das Gesetz Gottes demütig und gehorsam anzunehmen, damit das Kranke geheilt und das Zerbrochene wiederhergestellt werden könne.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Erzpriester Martinos Petzolt sich in einem Vortrag in Mönchengladbach mit dem Umgang mit Zweifeln und der Bedeutung des gemeinsamen Glaubens beschäftigte.