Predigt in Zürich: Fasten als gemeinsamer Weg zur Heilung des Menschen
Priester Daniel Schärer betonte kirchliche Gemeinschaft, Askese und Ausrichtung des Lebens auf Gott
In einer Predigt am 8. März 2026, dem zweiten Sonntag der Großen Fastenzeit, hat Priester Daniel Schärer in der russisch-orthodoxen Auferstehungskirche Zürich, Schweiz, die geistliche Bedeutung des Evangeliums von der Heilung des Gelähmten sowie die Lehre des heiligen Gregor Palamas für den Weg der Fastenzeit erläutert. Die Gemeinde übertrug die Heilige Liturgie auf ihrem Facebook-Kanal (Predigt ca. ab Minute 53).
Ausgehend vom Evangelium über die Heilung des Gelähmten (Mk 2,1-12) betonte Priester Daniel Schärer, dass sich viele Gläubige in der Fastenzeit selbst wie gelähmt erlebten: Es falle schwer, das Gute zu tun und sich von Bindungen an die Welt zu lösen. Gerade deshalb erinnere die Fastenzeit daran, dass der geistliche Weg ein gemeinsamer Weg der Kirche sei.
Die Heilung des Gelähmten geschehe im Evangelium aufgrund des Glaubens seiner Freunde, die ihn zu Christus tragen. Darin liege ein Hinweis auf die Bedeutung der kirchlichen Gemeinschaft: Fasten und geistlicher Kampf seien keine rein privaten Übungen, sondern lebten von gegenseitiger Unterstützung im Gebet und in der Versammlung der Gläubigen.
Mit Blick auf den zweiten Fastensonntag verwies der Priester auch auf die Theologie des heiligen Gregor Palamas. Die vier Freunde des Gelähmten deutete er allegorisch als Kräfte der menschlichen Seele, die auf Gott ausgerichtet werden müssten. In der hesychastischen Tradition gehe es darum, alle inneren Regungen auf Christus hin zu ordnen, damit der Mensch am göttlichen Licht teilhaben könne.
Abschließend hob Schärer hervor, dass Askese und Nächstenliebe untrennbar zusammengehörten. Das Fasten helfe, Hindernisse zwischen Mensch und Gott abzubauen; zugleich führe die innere Heilung auch zu einer erneuerten Beziehung zu den Mitmenschen. Die Gläubigen seien deshalb aufgerufen, einander auf dem Weg durch die Fastenzeit mit Geduld und Unterstützung zu begleiten.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Bischof Johannes von Branitsa, erster Vikar des Metropoliten von Sofia, vor den geistlichen Folgen der digitalen Welt warnte und zur Rückkehr zu Gebet und innerer Sammlung aufrief.