Vortrag über „Die Leiter zum Paradies“ des Heiligen Johannes Klimakos
Erzpriester Martinos Petzolt aus Würzburg erläutert spirituelle Bedeutung eines zentralen Werkes der orthodoxen Fastenzeit
Am 1. März 2026 hielt Erzpriester Martinos Petzolt aus Würzburg in der griechisch-orthodoxen Kirchengemeinde des heiligen Nikolaus in Mönchengladbach eine geistliche Ansprache über das Werk „Die Leiter zum Paradies“ des heiligen Johannes Klimakos. Der Verein „Orthodoxe Einheit“ veröffentlichte den Vortrag als Video auf seinem YouTube-Kanal.
Zu Beginn seines Vortrags gab Erzpriester Martinos Petzolt anhand von Bildern vom Berg Sinai einen Einblick in den historischen und geistlichen Kontext des Werkes. Die „Leiter zum Paradies“ entstand im 7. Jahrhundert im Sinai-Kloster und wurde von Johannes Klimakos auf Bitte eines anderen Abtes als geistliche Anleitung für Mönche verfasst. Das Werk (erhältlich im orthodoxen Verlag Hagia Sophia) beschreibt in 30 Kapiteln den Weg des geistlichen Wachstums.
Der Referent erklärte, dass die „Leiter“ nicht als linearer Aufstieg verstanden werden dürfe. Vielmehr gleiche der geistliche Weg einer kreisenden Bewegung, die immer tiefer zum Mittelpunkt – zur Begegnung mit Gott – führe. Immer wieder kehre der Mensch zu denselben inneren Problemen zurück, insbesondere zu seinen Leidenschaften und zum Egoismus, die ihn von der Liebe zu Gott und den Mitmenschen abhalten.
Der Heilige Johannes Klimakos beschreibe diesen inneren Kampf nicht theoretisch, sondern auf Grundlage konkreter Erfahrungen aus dem monastischen Leben. Seine Beobachtungen legten die verborgenen Bewegungen der menschlichen Seele offen und könnten dem Leser helfen, eigene Schwächen zu erkennen. In diesem Sinn könne das Buch als eine Art „geistliches Therapiebuch“ verstanden werden, das zur Selbstprüfung und zur Heilung der Seele anleitet.
Der Geistliche betonte, dass der Weg zur Heilung nach orthodoxem Verständnis vor allem im Kampf gegen die eigenen Leidenschaften bestehe. Die Kirche selbst sei dabei wie ein geistliches Krankenhaus: Durch Gebet, Beichte, Krankensalbung und Eucharistie werde der Mensch schrittweise erneuert. Ziel dieses Weges sei die Vereinigung mit Christus, in der Glaube, Hoffnung und Liebe vollendet werden – gerade jetzt in der Großen Fastenzeit.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Patriarch Daniil in der Großen Fastenzeit zu Umkehr, Demut und Teilnahme am kirchlichen Leben aufrief.