„Frauen verstehen nicht, worauf sie sich einlassen“ – Autorin Birgit Kelle (+VIDEO)

01. April, 14:37 Uhr
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„Frauen verstehen nicht, worauf sie sich einlassen“ – Autorin Birgit Kelle. Illustration: UOJ „Frauen verstehen nicht, worauf sie sich einlassen“ – Autorin Birgit Kelle. Illustration: UOJ

Exklusiv UOJ: Autorin von „Ich kauf mir ein Kind“ warnt vor dem globalen Geschäft mit Kindern und den Risiken für ukrainische Frauen in Europa.

Auf dem internationalen Kongress „Kinder und Kommerz“ in Berlin, bei dem ethische, rechtliche und soziale Folgen der Leihmutterschaft diskutiert wurden, wurden alarmierende Einschätzungen zur aktuellen Entwicklung dieser Branche geäußert.

Zu den Teilnehmerinnen gehörte die deutsche Publizistin und Journalistin Birgit Kelle, Autorin des Buches „Ich kauf mir ein Kind: Das unwürdige Geschäft mit der Leihmutterschaft“, in dem sie den globalen Markt der Leihmutterschaft analysiert und seine kommerzielle Dimension kritisch beleuchtet.

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Frau Birgit Kelle, deutsche Buchautorin (die bekanntesten Werke „Gendergaga“ und „Ich kauf mir ein Kind“), ist zudem als Publizistin tätig. Sie schrieb für „The European. das Debatten-Portal“, „Die Welt“, „Focus“, „Bayernkurier“, „Die Weltwoche“ sowie für überwiegend konservative Medien wie das Online-Portal kath.net, „Die Freie Welt“, „Die Tagespost“ und die „Katholische Sonntagszeitung für Deutschland“. Außerdem tritt Frau Kelle regelmäßig bei Symposien, Kongressen und Veranstaltungen als Rednerin und Expertin auf.

In ihrer Arbeit weist sie insbesondere auf Länder Osteuropas, darunter auch die Ukraine, hin, die zu wichtigen Zentren dieser Industrie geworden sind. Vor dem Hintergrund von Krieg und Migration geraten immer mehr Frauen in eine wirtschaftlich schwierige Lage – und werden damit zu potenziellen Zielgruppen für solche Programme.

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Im Interview mit der UOJ erklärt Birgit Kelle, warum Leihmutterschaft ihrer Ansicht nach längst über eine private medizinische Dienstleistung hinausgeht und Teil eines globalen Marktes geworden ist, der sich weitgehend der staatlichen Kontrolle entzieht.

UOJ: Zur Zeit haben wir sehr viele geflüchtete ukrainische Frauen in Deutschland, die in bedrängten finanziellen Verhältnissen leben. Besteht ein Risiko für sie und zu Zielobjekten der Leihmutterschaft Agenturen zu werden?

Birgit Kelle:
Ukrainische Frauen, die in schwierigen Situationen leben, haben oft nur sehr wenige Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Viele verfügen über keine ausreichende Ausbildung und wissen nicht, wie sie ihren Lebensunterhalt sichern können.

Wenn man einer solchen Frau 5.000 bis 6.000 Euro anbietet, ist das für sie sehr viel Geld. Aus westlicher Perspektive ist es hingegen sehr günstig.

Gerade in Ländern, in denen Armut, Korruption und fehlende staatliche Kontrolle zusammentreffen, entstehen solche Märkte besonders leicht. Dort gibt es viele Frauen in verzweifelten Lebenslagen, die kaum Alternativen haben.

Das Hauptproblem ist: Viele Frauen verstehen nicht, worauf sie sich einlassen. Und wenn sie einmal Teil dieses Systems sind, kommen sie oft nicht mehr heraus.

UOJ: Warum wird darüber so wenig gesprochen?

Birgit Kelle:
Es handelt sich um ein sehr diskretes Geschäft, in dem sehr viel Geld verdient wird.

Diejenigen, die davon profitieren, haben kein Interesse daran, dass umfassend darüber gesprochen wird. Deshalb werden sowohl gesundheitliche Risiken als auch ethische Fragen bewusst aus der öffentlichen Diskussion herausgehalten.

In der Öffentlichkeit sprechen wir meist über den Kinderwunsch von Erwachsenen, nicht aber über die Probleme und Folgen.


UOJ: Warum sprechen betroffene Frauen nicht offen darüber?

Birgit Kelle:
Die Frauen unterschreiben in der Regel Verträge, die ihnen verbieten, über ihre Tätigkeit zu sprechen.

Sie bleiben anonym und können sich nicht öffentlich äußern, weil sie sonst rechtliche Konsequenzen befürchten müssen. Dafür fehlen ihnen oft die finanziellen Mittel.

Viele Frauen, die gesundheitliche oder psychische Folgen erleiden oder Schwierigkeiten haben, die Abgabe ihres Kindes zu verarbeiten, bleiben deshalb im Verborgenen.

Deshalb erfährt die Öffentlichkeit nur sehr wenig über die tatsächlichen negativen Auswirkungen.


UOJ: Welche Folgen hat das für die Kinder?

Birgit Kelle:
Viele Kinder sind noch sehr jung und wissen nicht einmal, dass sie durch Leihmutterschaft geboren wurden.

Sie können mögliche psychische oder gesundheitliche Probleme nicht damit in Verbindung bringen, weil ihnen dieses Wissen fehlt.


UOJ: Gibt es auch kriminelle Aspekte?

Birgit Kelle:
Ja, es gibt Hinweise darauf, dass auch organisierte Kriminalität in diesen Markt involviert ist.

Wir wissen von Fällen, in denen sogar pädokriminelle Täter Kinder „bestellt“ haben.

Das zeigt, wie problematisch und gefährlich dieses System ist. Da viele Prozesse außerhalb staatlicher Kontrolle stattfinden, ist es schwer, solche Strukturen aufzudecken.


UOJ: Warum ist es so schwer, diesen Markt zu kontrollieren?

Birgit Kelle:
Weil es sich um einen globalen Markt handelt, der sich über mehrere Länder erstreckt.

Ein Teil des Prozesses findet in einem Land statt, ein anderer in einem anderen. Leihmutter, Eizellspenderin, Auftraggeber und Agentur können alle aus verschiedenen Ländern stammen.

Dadurch sind viele unterschiedliche Rechtssysteme beteiligt, und die Zuständigkeiten der Behörden enden oft an nationalen Grenzen.

Das macht effektive Ermittlungen extrem schwierig.


UOJ: Was müsste sich ändern?

Birgit Kelle:
Wir brauchen ein sogenanntes Universalverbot.

Das bedeutet: Leihmutterschaft müsste für Staatsbürger eines Landes auch im Ausland verboten sein.

Derzeit ist es möglich, ins Ausland zu reisen, dort ein Kind zu bekommen und anschließend problemlos zurückzukehren.

Ein solches Verbot würde die Strafverfolgung erleichtern und hätte eine starke abschreckende Wirkung.


UOJ: Wie schätzen Sie die Chancen für solche Maßnahmen ein?

Birgit Kelle:
Das ist schwierig zu sagen – ich würde es etwa 50 zu 50 einschätzen.

Der Druck von Lobbygruppen, Wissenschaft und wirtschaftlichen Interessen ist sehr groß. In diesem Bereich geht es um sehr viel Geld.

Gleichzeitig wächst auch die gesellschaftliche Akzeptanz, unter anderem weil Leihmutterschaft oft positiv dargestellt wird und weil immer mehr Menschen Schwierigkeiten haben, auf natürlichem Weg Kinder zu bekommen.


UOJ: Was würden Sie Frauen raten?

Birgit Kelle:
Ich würde Frauen davon abraten.

Sie können die Konsequenzen nicht vollständig einschätzen und gehen große gesundheitliche Risiken ein. Es besteht auch die Gefahr, dass sie selbst unfruchtbar werden.

Darüber hinaus müssen sie ihr Leben lang damit leben, dass sie ihr eigenes Kind abgegeben haben.

Ich wünsche keiner Frau, dass sie mit dieser Entscheidung ihr ganzes Leben lang hadern muss.

 

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