Warum immer mehr Österreicher zum orthodoxen Glauben übertreten?

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Die Orthodoxie wird zur zweitgrößten christlichen Konfession in Österreich. Foto:UOJ Die Orthodoxie wird zur zweitgrößten christlichen Konfession in Österreich. Foto:UOJ

Die Orthodoxie wird zur zweitgrößten christlichen Konfession in Österreich.

Wie ist die Geschichte der Orthodoxie in Österreich? Warum wird die Orthodoxie nicht mehr nur als der Glaube der Diasporagemeinden in Wien und anderen Städten wahrgenommen? UOJ veröffentlicht einen analytischen Artikel, der auf Fakten und statistischen Daten zur orthodoxen Kirche in Österreich basiert.

Orthodoxie in Österreich - ein Erfahrungsbericht

Historische Anfänge.

Die ersten orthodoxen Gemeinden entstanden bereits im 17. Jahrhundert, zur Zeit der Monarchie, vorallem in der Hauptstadt Wien. Somit ist die Gastarbeiterbewegung der 1960-er und 70-er Jahre nicht Beginn orthodoxen Lebens in Österreich.

Was im 18. Jahrhundert Privilegien der Kaiser waren, seien heute österreichische Bundesgesetze zur Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der orientalisch-orthodoxen Kirchen in Österreich - imSprachgebrauch das "Orthodoxengesetz" von 1967. – so der Historiker Priv.-Doz. Mag. Dr. Mihailo Popović.

Unterschiedliche Jurisdiktionen

In Österreich bilden sieben unterschiedliche Jurisdiktionen eine gemeinsame Bischofskonferenz, die im Jahr 2010 gegründet wurde.

Folgende Jurisdiktionen sind in dieser Bischofskonferenz vertreten:

  • Metropolis von Austria (ökumenisches Patriarchat von Konstantinopel)
  • Antiochenisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland und Mitteleuropa
  • Russisch orthodoxe Diözese von Wien und Österreich
  • Serbisch orthodoxe Diözese von Österreich
  • Rumänisch orthodoxe Erzdiözese von Deutschland, Österreich und Luxemburg
  • Bulgarisch orthodoxe Diözese von West- und Mitteleuropa
  • Georgisch orthodoxe Diözese von Deutschland und Österreich

Neben diesen in der Bischofskonferenz vertretenen Jursidiktionen unterhält auch die Mazedonisch orthodoxe Kirche Gemeinden in Österreich, die zur Diözese von Europa gehören.

Orthodoxe Ukrainer

Nach Beginn des Krieges im Jahr 2022 waren viele Ukrainer gezwungen, in westlichen Ländern Schutz und Hilfe zu suchen. Auch Österreich bildete hierbei keine Ausnahme. Orthodoxe Ukrainer schlossen sich in großer Zahl verschiedenen orthodoxen Pfarrgemeinden an.

Mit dem Segen des Metropoliten von Kiew und der ganzen Ukraine, Onufrij, begann die Ukrainische Orthodoxe Kirche, eigene Gemeinden im Ausland zu gründen. So besteht beispielsweise in der österreichischen Hauptstadt Wien eine zahlenmäßig starke orthodoxe Gemeinde, die sich aus Geflüchteten aus der Ukraine zusammensetzt.

Orthodoxer Religionsunterricht

In Österreich ist es seit dem Schuljahr 1991/1992 möglich an den Schulen den orthodoxen Religionsunterricht zu besuchen, anfangs gab es diese Möglichkeit jedoch nur in größeren Städten.

Auf Grund der ständig wachsenden Zahl orthodoxer Schülerinnen und Schülern an österreichischen Schulen und des bestehenden Bedarfes für eine bessere Organisation und Koordination des Religionsunterrichtes wurde im Juni 2005, als gemeinsame kirchliche Einrichtung, ein Orthodoxes Schulamt für Österreich gegründet. Das Schulamt ist somit zur zuständigen innerkirchlichen Stelle für alle organisatorischen, rechtlichen, personalen, disziplinären und administrativen Belange des Orthodoxen Religionsunterrichtes geworden.

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Anzahl der Gläubigen gestiegen

In den letzten Jahren stieg die Anzahl an Orthodoxen Christen immer mehr, so das mittlerweile die Orthodoxe Kirche die zweitstärkste christliche Konfession des Landes darstellt (lt. Statistik Austria bekannten sich 2021 rund 4,9 % der österreichischen Bevölkerung zur orthodoxen Kirche, was ungefähr 436.700 Menschen entspricht).

Es gibt mittlerweile zwei deutschsprachige Gemeinden, eine die zur Metropolis von Austria gehört und eine an der russisch orthodoxen Kathedrale zum hl. Nikolaus in Wien. Die Nutzung der Landessprache im Gottesdienst ist für Jugendliche sehr von Vorteil, da sie oft nicht mehr die Muttersprache ihrer Vorfahren beherrschen, und Deutsch besser als deren ursprüngliche Sprache verstehen. Für die steigende Zahl von Konvertiten sind deutschsprachige Gottesdienste hilfreich um sich besser in die Glaubenswelt der Orthodoxie einleben zu können.

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Orthodoxie in der Gesellschaft

Der orthodoxe Glaube gehört mittlerweile genauso gut zur österreichischen Gesellschaft wie die anderen christlichen Konfessionen. 

Die Kirchengemeinden sind sozial sehr aktiv und nehmen zB. in Wien an der Aktion „Wärmestube“ teil, die während der kalten Jahreszeit Obdachlosen tagsüber hilft mit einer Atmosphäre von Hilfsbereitschaft, mit Gesprächen und einer warmen Mahlzeit. Andere Gemeinden unterstützen Hilfsprojekte in ihren Herkunftsländern.

Eigene Kirchen errichtet

Mehrere Kirchengemeinden haben in den letzten Jahren ihre eigenen Kirchen bauen können, welche teils bereits fertiggestellt und geweiht wurden.

Am 11. Juni 2022 wurde im Wiener Nordbahnviertel der Altar der neuen rumänischen Kirche zur Herabkunft des Heiligen Geistes, des hl. Stefan des Großen und des hl. Hierarchen Martin von Tours unter Mitwirkung mehrerer Bischöfe geweiht, unter ihnen Metropolit Arsenios von Austria, Metropolit Serafim (Joantă) und dessen Vikarbischof Sofian von Kronstadt.

Am 21. Dezember 2025 wurde der Altar der neuen rumänischen Kirche zum hl. Großmärtyrer Demetrios in Klagenfurt (Kärnten) durch Metropolit Serafim und Vikarbischof Sofian geweiht. Am 17. Januar 2026 wurde der Altar der neuen rumänischen Kirche zu den hll. Hierarchen Joseph des Neuen von Partos und Rupert von Salzburg in St. Ruprecht an der Raab (Steiermark) geweiht.

Verehrung der Heiligen Österreichs in der Orthodoxie

In den letzten Jahren begann das Interesse innerhalb der Orthodoxen Kirche sich mit den lokalen Heiligen die in Österreich lebten und wirkten zu wachsen.In Kalendern der Metropolis von Austria und der rumänisch orthodoxen Erzdiözese sind einige der bedeutenden Heiligen verzeichnet.

In der russisch orthodoxen Diözese von Wien und Österreich wurde durch Bischof Aleksej eine Arbeitsgruppe errichtet die sich mit diesen Heiligen beschäftigt und deren Leben sammelt, um sie dann in Moskau bei der synodalen Kommission für die Heiligen einzureichen für eine gemeinsame Synaxis der Heiligen Österreichs. Die zusammengestellten Dokumente wurden kürzlich der synodalen Kommission für die Heiligen übergeben. Für das Fest aller Heiligen Österreichs wurde der 26. Oktober vorgeschlagen, der österreichische Nationalfeiertag.

Folgende Heiligen wurden für diese Synaxis vorgeschlagen:

  • hl. Märtyrerbischof Maximilian von Lorch † um 284 (12. Oktober)
  • hl. Märtyrer Florian von Lorch und 40 Gefährten † 304 (4. Mai)
  • hl. Gotttragender Severin von Noricum † 482 (8. Januar)
  • hl. apostelgleicher Bischof Rupert von Salzburg † um 718 (27. März und 24. September)
  • ehrww. Priestermönche Chunihald und Gislar, Schüler des hl. Rupert (28. September)
  • ehrw. Erentrudis, Äbtissin von Nonnberg † 718 (30. Juni)
  • hl. Bischof Vitalis von Salzburg, Schüler und Nachfolger des hl. Rupert † 730 (20. Oktober)
  • hl. Bischof Modestus von Kärnten † um 772 (3. Dezember)
  • hl. Bischof Virgil von Salzburg † 784 (27. November und 24. September)
  • hl. Mönchsmärtyrer Eusebius von Rankweil † 884 (31. Januar )
  • ehrw. Einsiedler Gerold vom Großen Walsertal † um 978 (19. April)
  • hl. Bischof Wolfgang von Regensburg † 994 (31. Oktober)
  • hl. Leidensdulder Koloman von Stockerau † 1012 (17. Juli und 13. Oktober)
  • ehrw. Hemma von Gurk † 1045 (27. Juni)

Natürlich gibt es noch viele mehr Heilige die für Österreich von Bedeutung sind, wie die hll. Neumärtyrer von Kufstein, unter ihnen der hl. Visarion Saraj oder der hl. Oprea.

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Ikone der Synaxis der Heiligen Österreichs


Schlussfolgerung

Dies sind nur einige der Fakten zur Geschichte und Kultur der Orthodoxie im heutigen Österreich. Sie zeigen, dass die Zahl der orthodoxen Gläubigen wächst. Zusammen mit früheren und neuen Migrationswellen orthodoxer Christen sowie durch die zunehmende Konversion von Österreichern zur Orthodoxie entsteht die Perspektive, dass der Einfluss der alten orthodoxen Kirche in dieser Region weiter wachsen und sich nachhaltig entwickeln wird.

 

 

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