Priester Matthias Fröse: „Vergebung ist kein Verlust, sondern eine Befreiung“
Der Geistliche erläutert in einem Videobeitrag die orthodoxe Sicht auf Vergebung als Weg zur Heilung des Herzens
In seinem 18. thematischen Videobeitrag außerhalb der Predigten spricht Priester Matthias Fröse von der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus Mainz in der Außenstelle Meisenheim über die geistliche Bedeutung der Vergebung als Weg zur inneren Heilung und Freiheit des Menschen. Die Gemeinde veröffentlichte den Beitrag am 10. März 2026 auf ihrem YouTube-Kanal.
Priester Matthias Fröse beschreibt Vergebung als eine der schwierigsten Anforderungen des geistlichen Lebens. Viele Menschen trügen Verletzungen, Enttäuschungen und Ungerechtigkeiten im Herzen, sagte der Priester. Wenn sie im Evangelium hörten, dass Gott denjenigen vergebe, die selbst vergeben, empfänden manche diese Worte nicht als Trost, sondern als kaum erfüllbare Forderung.
Nach orthodoxem Verständnis sei Vergebung jedoch kein moralischer Appell, sondern ein „ontologischer Weg zur Heilung des Menschen“. Ein verschlossenes Herz könne die göttliche Gnade nicht aufnehmen. Vergebung bedeute daher nicht in erster Linie eine Handlung zugunsten des anderen, sondern eine Öffnung des eigenen Herzens für Gottes heilende Gegenwart.
Der Priester betonte zugleich, Vergebung bedeute nicht, Unrecht zu relativieren oder sofort Vertrauen wiederherzustellen. Wunden benötigten Zeit, und manchmal sei auch eine äußere Distanz notwendig. Innerlich könne der Mensch jedoch den anderen Gott überlassen und das Urteil in seine Hände legen.
Der Weg zur Vergebung wachse nach Priester Matthias Fröse aus der Erfahrung der eigenen Vergebung durch Gott, besonders im Sakrament der Beichte und in der Eucharistie. Wer nicht vergeben könne, solle zumindest mit einem einfachen Gebet beginnen: „Herr, ich kann nicht vergeben, aber du kannst es in mir tun.“ So öffne sich das Herz langsam für die Gnade und finde schließlich zu Frieden und innerer Freiheit.
Die UOJ berichtete zuvor, dass vier junge Kleriker der deutschen Diözese der Russischen Auslandskirche nach einer Einführungszeit im Münchner Kloster ihren Dienst beginnen.