Metropolit Joanikije besuchte umstrittene Ex-Ministerin Vesna Bratić
Kirchenvertreter mahnt nach Aufhebung der Haft zu fairem Verfahren – Ermittlungen wegen mutmaßlichen Amtsmissbrauchs
Nach der Aufhebung ihrer Untersuchungshaft und der Anordnung von Hausarrest hat der serbisch-orthodoxe Metropolit Joanikije von Montenegro und den Küstengebieten die Universitätsprofessorin und frühere montenegrinische Bildungsministerin Vesna Bratić besucht. Die serbisch-orthodoxe Kirche äußerte dabei Kritik an der Art ihrer Festnahme und rief zu einem rechtsstaatlichen Verfahren auf. Darüber berichtete das serbische Patriarchat am 20. Februar 2026 auf seiner Webseite.
Der Metropolit zeigte sich besorgt über die Umstände der Inhaftierung und warnte vor einer öffentlichen Vorverurteilung. Die Professorin war am 16. Februar 2026 öffentlichkeitswirksam von maskierten Polizisten in Handschellen abgeführt worden. Zugleich betonte er, nicht in den laufenden Rechtsweg eingreifen zu wollen, sondern lediglich ein faires und würdiges Verfahren zu wünschen. Die Ereignisse in Montenegro der vergangenen Tage hätten jedoch das Vertrauen in den Rechtsstaat untergraben.
Vesna Bratić ist Professorin für Literaturwissenschaft und war von 2020 bis 2022 Bildungsministerin in Montenegro. Politisch wurde sie dem kirchennahen, konservativen Lager zugerechnet, das aus den großen Kirchenprotesten gegen das damalige Religionsgesetz hervorging. Ihre Amtszeit war von heftigen Kontroversen geprägt, insbesondere wegen zahlreicher Personalentscheidungen im Schulwesen.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihr nun vor, bei der Absetzung von mehr als 100 Schuldirektoren ihre Amtsbefugnisse überschritten und damit dem Staat finanziellen Schaden verursacht zu haben. Bratić weist die Vorwürfe zurück und spricht von rechtmäßigen Reformmaßnahmen. Unterstützer sehen in dem Verfahren eine politische Auseinandersetzung, Kritiker verweisen auf mehrere Gerichtsentscheidungen gegen einzelne Absetzungen.
Der Besuch Metropolit Joanikijes wird daher nicht nur als seelsorgerliche Geste, sondern auch als Zeichen von Solidarität der Serbisch-Orthodoxen Kirche gewertet.
Die UOJ berichtete zuvor, dass in Italien Abt Matteo Ferrari vor Netflix-Streaming und Social Media im Kloster warnte.