Erzpriester Mihail Rahr: Christen sollen ihren Glauben im Alltag leben

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Erzpriester Mihail Rahr predigte in der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Isidor. Foto: Screenshot YouTube Erzpriester Mihail Rahr predigte in der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Isidor. Foto: Screenshot YouTube

Predigt in der Berliner Gemeinde des Heiligen Isidor über die Berufung der Apostel und die Treue zu Christus in einer zunehmend säkularen Gesellschaft.

Am Sonntag, den 11. Oktober 2026, predigte Erzpriester Mihail Rahr in der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Isidor zu Berlin über die Berufung der Apostel und den Auftrag der Christen, den Glauben zu verkündigen. Im Mittelpunkt seiner Auslegung stand die Überzeugung, dass Christen heute vor allem durch ein glaubwürdiges Leben, die Treue zur Kirche und das Festhalten an ihren Glaubensgrundsätzen Zeugnis für Christus ablegen sollen. Zugleich warnte er vor möglichen Anfeindungen und Verfolgung, rief jedoch dazu auf, sich nicht von Angst leiten zu lassen. Die Gemeinde veröffentlichte die Predigt auf ihrem YouTube-Kanal.

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Der Geistliche erinnerte an das Gebot aus dem Buch Exodus, Vater und Mutter zu ehren, und hob die Bedeutung von Liebe, Dankbarkeit und Fürsorge für die Eltern hervor.

Ausgangspunkt der Predigt war das Evangelium von der Berufung des Petrus und seiner Gefährten (Lk 5,1–11). Nachdem Petrus auf Jesu Wort hin die Netze erneut ausgeworfen und einen überwältigenden Fischfang erlebt hatte, erkannte er seine eigene Sündhaftigkeit. Auf seine Worte „Geh weg von mir, Herr, denn ich bin ein Sünder“ habe Christus mit der Berufung zum Apostel geantwortet. Erzpriester Mihail Rahr betonte, dass gerade das Bekenntnis der eigenen Sündhaftigkeit ein entscheidendes Merkmal des Verkündigers des Evangeliums sei. Christus habe nicht nur Petrus berufen, sondern auch die heutigen Christen: „Wir sind auch alle berufen, Verkündiger des Glaubens zu sein.“

Während die Apostel und die frühen Missionare den christlichen Glauben zu Menschen brachten, die Christus noch nicht kannten, seien die Voraussetzungen heute andere. Der Glaube könne inzwischen mithilfe moderner technischer Mittel weltweit und in verschiedenen Sprachen verbreitet werden. Entscheidend sei jedoch nicht, möglichst viele Menschen direkt anzusprechen, sondern den Glauben selbst zu leben. „Wir müssen jetzt nicht mehr die Leute mit dem Lasso einfangen“, sagte der Geistliche. „Einfach den Glauben leben. Das ist alles, was der Herr jetzt von uns erwartet.“ Dazu gehöre, die Gemeinschaft zu pflegen und als lebendige Glieder des Leibes Christi in der Kirche zu wirken.

Anhand seiner eigenen Erfahrungen schilderte Erzpriester Mihail Rahr, wie sich die gesellschaftliche Wahrnehmung christlicher Überzeugungen verändert habe. Während er vor 40 Jahren mit seinem Glauben noch weitgehend unbehelligt geblieben sei, werde er heute für dieselben Grundsätze als „Radikaler“ oder „Ultraorthodoxer“ bezeichnet. Dabei verwies er unter anderem auf seine Vorstellungen von Ehe und Familie sowie seine Ablehnung der Abtreibung, die er als schreckliches Verbrechen bezeichnete. Er rechne damit, dass Christen künftig stärker angefeindet oder sogar verfolgt werden könnten. Mit Blick auf Noah und die Arche, die er als Vorbild für die Kirche deutete, rief er dennoch zur Zuversicht auf: „Wir müssen überhaupt keine Angst haben, weil wir zusammen mit Christus sind.“

Abschließend unterstrich Erzpriester Mihail Rahr die Bedeutung eines konsequenten kirchlichen Lebens. Wer sich als gläubig bezeichne, solle grundsätzlich am sonntäglichen Gottesdienst teilnehmen und den Glauben nicht nur als persönliche Überzeugung verstehen, sondern praktisch leben. Die Treue zu Christus und zur Kirche sei die Grundlage dafür, dass sich der christliche Glaube auch in den westlichen Gesellschaften wieder verbreiten könne. „Wir müssen nicht in die Fußgängerzonen gehen und irgendwelche Zettel verteilen, sondern einfach authentisch leben hier unseren Glauben“, sagte der Erzpriester. Gott werde diejenigen stärken, die ihm treu blieben.

Die UOJ berichtete zuvor, dass der emeritierte Wiener Kardinal Schönborn in einem Interview die hohe Zahl von Kirchenaustritten beklagt und sich gegen staatliche Eingriffe beim Kinderkopftuch ausspricht.

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