Diakon Igor Willimowski predigte über die Liebe zu Gott und zum Nächsten

11:32
16
Diakon Igor Willimowski predigte in Krefeld. Foto: Screenshot YouTube Diakon Igor Willimowski predigte in Krefeld. Foto: Screenshot YouTube

Der Geistliche warnte davor, sich in Einzelstreitigkeiten zu verlieren, und stellte die beiden zentralen Gebote des Evangeliums in den Mittelpunkt.

Am 15. Sonntag nach Pfingsten, dem 13. September 2026, predigte Diakon Igor Willimowski in der russisch-orthodoxen St.-Barbara-Kirche zu Krefeld zum Evangelium nach Matthäus 22,35–46. Darin wird Jesus von einem Pharisäer nach dem größten Gebot im Gesetz gefragt. Christus antwortet mit dem Gebot, Gott mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Verstand zu lieben, und stellt ihm das Gebot der Nächstenliebe zur Seite: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Die Gemeinde veröffentlichte die Ansprache auf ihrem YouTube-Kanal.

Diakon Igor Willimowski stellte die biblische Frage in den Zusammenhang heutiger gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Menschen könnten sich intensiv über Einzelthemen und vermeintliche Kleinigkeiten streiten und dabei den größeren Zusammenhang und das eigentliche Ziel aus dem Blick verlieren. Als Beispiele nannte er unter anderem die Diskussionen darüber, ob man sich impfen lassen solle oder ob man sich elektronischen Identitätsnachweisen verschließen müsse. Auch die Pharisäer hätten den Überblick über die zahlreichen Vorschriften des jüdischen Gesetzes verloren. Bei 613 einzelnen Geboten sei der Blick auf das Wesentliche verloren gegangen. Jesus rücke deshalb die beiden zentralen Gebote wieder in den Mittelpunkt.

Das erste Gebot verlange eine umfassende Ausrichtung des Menschen auf Gott: Herz, Seele und Verstand sollten auf ihn ausgerichtet sein. Unter Bezug auf den Theologen Nikiforos Theodikis erläuterte der Diakon, das Herz müsse nach Gott verlangen, die Seele das eigene Denken und Handeln im Licht der göttlichen Lehre prüfen und der Verstand sich an Glauben und Gehorsam gegenüber Gott orientieren. Erst dann könne von einer vollkommenen Gottesliebe gesprochen werden.

Gleichzeitig könne die Gottesliebe nicht von der Nächstenliebe getrennt werden. Wer seinen Mitmenschen nicht liebe, könne auch Gott nicht wahrhaft lieben. Der Geistliche verwies dazu auf den Ersten Johannesbrief. Zwischenmenschliche Konflikte nähmen den Menschen zudem innerlich gefangen und lenkten seine Gedanken von Gott ab. Beide Gebote gehörten deshalb untrennbar zusammen: Die Liebe zu Gott finde ihren Ausdruck in der Liebe zum Nächsten, während die Nächstenliebe auf der Gottesliebe gründe.

Unter Berufung auf den heiligen Kyrill von Alexandria betonte der Diakon in seiner Predigt, das erste Gebot bilde das Fundament allen Guten und umfasse die gesamte Gottesverehrung. Das zweite Gebot führe diese Liebe in die konkrete Beziehung zu den Mitmenschen. Abschließend verwies er auf das „Hohelied der Liebe“ im Ersten Korintherbrief: Selbst prophetische Rede, umfassende Erkenntnis und großer Glaube seien ohne Liebe wertlos. Entscheidend sei daher, bei allen Einzelfragen den Blick auf das Wesentliche nicht zu verlieren: die Liebe zu Gott und zum Nächsten.

Die UOJ berichtete zuvor, dass eine neue Ausgabe der orthodoxen Schriftenreihe „Der Schmale Pfad“ erschienen ist.

Wenn Sie einen Fehler entdeckt haben, wählen Sie den Text aus und drücken Sie Strg + Eingabetaste oder Fehler ausbessern, um ihn der Redaktion zu melden
Wenn Sie einen Fehler im Text finden, markieren Sie ihn mit der Maus und drücken Sie Strg+Enter oder diese Schaltfläche Wenn Sie einen Fehler im Text finden, markieren Sie ihn mit der Maus und klicken Sie auf diese Schaltfläche Der ausgewählte Text ist zu lang!
Weiterlesen