Kardinal Müller kritisierte politische Einmischung deutscher Bischöfe
Der frühere Präfekt der römischen Glaubenskongregation warnte vor einer Parteinahme katholischer Bischöfe im politischen Wettbewerb: „Missbrauch geistlicher Autorität“.
Kardinal Gerhard Ludwig Müller, emeritierter Präfekt der römisch-katholischen Kongregation für die Glaubenslehre, hat deutschen Bischöfen vorgeworfen, ihre geistliche Autorität nicht für oder gegen einzelne Parteien einsetzen zu dürfen. In einem Gastbeitrag auf dem katholischen Nachrichtenportal kath.net erklärte er am 7. September 2026, Bischöfe dürften sich im demokratischen Wettbewerb nicht zugunsten oder zulasten einer Partei positionieren. Andernfalls werde die Kirche als politische Akteurin wahrgenommen und verfehle ihre geistliche Sendung.
Kardinal Müller wandte sich insbesondere gegen pauschale Zuschreibungen an Wähler der AfD. Millionen Deutschen eine „völkische“ Ideologie zu unterstellen, sei eine unbewiesene Tatsachenbehauptung. Zugleich verwies er auf das Recht jedes Katholiken, bei einer demokratischen Wahl die Partei zu wählen, der er zutraue, die Probleme des Landes am besten zu lösen, solange die Regierung nicht zu unmoralischen Mitteln greife oder diese befürworte.
Anlass für Kardinal Müllers Kritik waren unter anderem Äußerungen des Berliner Erzbischofs Heiner Koch und des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer. Bischof Koch hatte erklärt, die Kirche müsse das Risiko eingehen, AfD-Wähler zu verlieren, da es um Werte und grundlegende Fragen gehe. Bischof Wilmer appellierte an die Wähler, ihr Gewissen zu schärfen, und erklärte, die AfD greife Grundwerte und die demokratische Staatsform an.
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 7. September wurde die AfD mit 43,8 Prozent stärkste Kraft und erhielt 39 der 83 Landtagssitze. Die CDU kam auf 17,2 Prozent. Der AfD-Landesverband wird vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft. Die AfD bewertet das als politisch instrumentarisiert.
Kardinal Müller warnte zugleich davor, für den politischen Machterhalt einer Regierung das „ewige Heil“ von Katholiken zu gefährden, die anders wählen. Es sei ein „schweres Ärgernis“, wenn Bischöfe, Priester oder katholische Einrichtungen gemeinsam mit „politisch-ideologischen Agitatoren“ aufträten, da die Kirche dadurch ihre eigentliche Sendung verrate.
Die UOJ berichtete zuvor, dass eine neue Ausgabe der orthodoxen Schriftenreihe „Der Schmale Pfad“ erschienen ist.