Orthodoxer Komponist Arvo Pärt erhielt Goethe-Medaille für kulturelle Verdienste

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Arvo Pärt und sein Sohn Michael. Foto: Birgit Püve/Arvo-Pärt-Zentrum Arvo Pärt und sein Sohn Michael. Foto: Birgit Püve/Arvo-Pärt-Zentrum

Auszeichnung würdigt Pärts internationales Wirken; sein Sohn Michael nahm die Medaille in Weimar entgegen und betonte die Bedeutung heiliger Texte für seinen Vater.

Der orthodoxe estnische Komponist Arvo Pärt hat die Goethe-Medaille 2026 erhalten. Die seit 1955 vergebene Auszeichnung des staatlichen deutschen Goethe-Instituts würdigt ausländische Persönlichkeiten aus Bildung und Kultur, die zur Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur im Ausland beigetragen haben. Die Medaille wurde am 28. August 2026 bei einer Zeremonie in Weimar verliehen; Pärts Sohn Michael nahm sie stellvertretend für seinen Vater entgegen. Darüber berichtete basilica.ro am 10. September.

In seiner Würdigung hob der Musikwissenschaftler und Journalist Björn Gottstein die besondere Wirkung von Pärts Musik auf Menschen unterschiedlicher Herkunft und kultureller Prägung hervor. Auch ohne Pärts religiöse Überzeugungen zu teilen, finde er darin eine „unerschütterliche Wahrheit“, die Trost spende und Demut lehre. Gottstein erinnerte zugleich an die schwierigen Jahre Pärts unter dem sowjetischen Regime. Es sei kaum vorstellbar, dass ein Künstler ein Jahrzehnt lang daran gehindert worden sei, eigene Werke aufzuführen, weil er sich der staatlichen Ideologie nicht unterwerfen und seinen Glauben an Gott nicht aufgeben wollte.

Pärts Sohn Michael bezeichnete heilige Texte als einen Ausgangspunkt für die Musik seines Vaters. Sie ermöglichten, dass deren Inhalte Menschen unabhängig von Sprache und religiösem Hintergrund erreichten. Manchmal vermittelten sie etwas zugleich Einfaches und schwer in Worte zu Fassendes: Frieden, Liebe und ein Gefühl der Einheit in der Gemeinschaft.

Ein vom Goethe-Institut anlässlich der Auszeichnung veröffentlichtes Video zeichnet Pärts spirituellen und künstlerischen Weg nach. In den 1970er-Jahren begegnete der Komponist auf seiner Suche nach neuen musikalischen Ausdrucksformen dem Gregorianischen Choral und den Schriften des heiligen Siluan vom Berg Athos. Anfang der 1970er-Jahre konvertierte er zur Orthodoxie. Der zunehmende Druck des sowjetischen Regimes führte schließlich dazu, dass Pärt 1980 mit seiner Familie Estland verließ. Die Familie lebte zunächst in Wien und später in Berlin.

Jaan-Eik Tulve, künstlerischer Leiter des Arvo-Pärt-Zentrums, betont in dem Video, Pärt lebe seine Spiritualität und bringe sie durch seine Musik zum Ausdruck.

Pärt gilt als Begründer des sogenannten Tintinnabuli-Stils und hat zahlreiche international gefeierte Werke komponiert. Nach seiner endgültigen Rückkehr nach Estland wurde in Laulasmaa das Arvo-Pärt-Zentrum gegründet, das sein persönliches Archiv und seine Werke bewahrt.

Auch musikalisch gehört Pärt weiterhin zu den weltweit erfolgreichsten lebenden Komponisten. Anfang 2026 wurde er in der jährlichen Rangliste der britischen Plattform Bachtrack, die Programme der klassischen Musik weltweit auswertet, erneut als meistgespielter lebender Komponist der Welt geführt. Arvo Pärt lebt seit 2008 wieder in Estland und feierte am 11. September seinen 91. Geburtstag.

Die UOJ berichtete zuvor, dass eine neue Ausgabe der orthodoxen Schriftenreihe „Der Schmale Pfad“ erschienen ist.

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