Syrische Bischöfe fordern gleiche Rechte statt Quoten
Bei einer Konferenz im Europäischen Parlament haben syrische Kirchenvertreter und Menschenrechtsorganisationen für die Gleichberechtigung aller Bürger geworben.
Syrische Kirchenvertreter, Politiker und Menschenrechtsorganisationen haben am 8. September 2026 im Europäischen Parlament über die Zukunft der christlichen Bevölkerung in Syrien beraten. Die von Abgeordneten der ECR- und EPP-Fraktionen ausgerichtete Konferenz wurde unter anderem von der European Syriac Union (ESU), dem European Centre for Law and Justice (ECLJ), Syriac Cross Belgium, Sallux und Jubilee Campaign Netherlands organisiert, wie die katholische Nachrichtenplattform CNA berichtete.
Im Mittelpunkt stand die Forderung nach gleichen Bürgerrechten anstelle konfessioneller Sonderregelungen. Die Teilnehmer lehnten sowohl einen christlichen Staat als auch ausländischen Schutz oder reservierte Parlamentssitze für Christen ab. Stattdessen forderten sie einen verfassungsrechtlich neutralen Staat, der alle Syrer gleichermaßen schützt.
Zu den kirchlichen Teilnehmern gehörten der armenisch-katholische Bischof Georges Assadourian aus Damaskus, der melkitische griechisch-katholische Metropolit Georges Masri aus Aleppo sowie der Priester Vasilios Khamis von der antiochenisch-orthodoxen Kirche.
Priester Vasilios Khamis betonte, die Zukunft der Christen dürfe nicht von einem wechselnden staatlichen Schutz abhängen, sondern müsse auf dauerhaft garantierten Bürgerrechten beruhen. Christen müssten ohne Diskriminierung am öffentlichen Leben teilnehmen können.
Waddah Al-Khoury, Präsident des Levantine National Council, nannte fünf politische Prioritäten: gleiche Staatsbürgerschaft, den Schutz von Menschen und religiösen Stätten, Rechenschaftspflicht bei Verstößen, eine sichere Rückkehr von Vertriebenen sowie echte politische Teilhabe.
Vor Quotensystemen warnte auch Metin Rhawi, Leiter der Abteilung für auswärtige Angelegenheiten der ESU. Mit Blick auf den Irak erklärte er, reservierte Sitze könnten zwar formal als christliche Vertretung gelten, tatsächlich aber von politischen Kräften der religiösen Mehrheit kontrolliert werden. Notwendig seien deshalb starke und durchsetzbare verfassungsrechtliche Garantien.
Gleichzeitig äußerten die Teilnehmer Zweifel an einem bereits begonnenen demokratischen Wandel in Syrien. Johannes de Jong von der Sallux ECPP Foundation erklärte, derzeit gebe es kaum Anzeichen für funktionsfähige demokratische Strukturen. Eine Beteiligung an einer machtlosen Übergangsversammlung könne sogar dazu beitragen, einem autoritären System zusätzliche Legitimität zu verschaffen.
Der Referent für Religionsfreiheit des ECLJ, Thibault van den Bossche, forderte die westlichen Staaten auf, politische Anerkennung von konkreten Ergebnissen abhängig zu machen. Dazu gehörten ein Ende der Gewalt, die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit und ein wirksamer Schutz aller Religionsgemeinschaften.
Die UOJ berichtete zuvor, dass eine neue Ausgabe der orthodoxen Schriftenreihe „Der Schmale Pfad“ erschienen ist.