Priester in Syrien verhaftet: GfbV warnt vor wachsendem Druck auf Christen
Menschenrechtsorganisation fordert Einsatz für Glaubensfreiheit und sieht Anzeichen zunehmender Repression gegen christliche Minderheiten
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat die Evangelische Kirche in Deutschland, die katholische Kirche sowie den Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Lars Castellucci, aufgefordert, sich stärker für die Glaubensfreiheit in Syrien einzusetzen. Anlass ist die Verhaftung des kurdisch-christlichen Priesters Nihad Hasan in der türkisch besetzten Region Afrin. Nach fast drei Wochen Haft wurde der Geistliche inzwischen wieder freigelassen, wie die GfbV am 5. August 2026 auf ihrer Webseite mitteilte.
Der Nahostreferent der GfbV, Dr. Kamal Sido, erklärte, Hasan habe im Libanon kurdische Christen und andere aus Syrien geflohene Menschen seelsorgerlich betreut. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe, den Islam beleidigt zu haben, seien nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation vorgeschoben. Tatsächlich habe der zum Christentum konvertierte Priester die Verbrechen islamistischer Gruppen an Kurden und anderen Minderheiten kritisiert. Sido vermutet, dass Hasans Konversion zum Christentum der eigentliche Grund für seine Festnahme gewesen sei. Vor der türkischen Besetzung habe die kurdische Selbstverwaltung in Afrin Religionsfreiheit garantiert und auch christlichen Gemeinden ein öffentliches Gemeindeleben ermöglicht.
Zugleich verweist die GfbV auf den syrisch-katholischen Erzbischof Jacques Mourad von Homs. Dieser hatte während eines Europaaufenthalts vor einer dramatischen Verschlechterung der Lage der Christen in Syrien gewarnt. Nach seiner Rückkehr relativierte er seine Aussagen in einem veröffentlichten Video. Nach Einschätzung von Sido deutet dies darauf hin, dass der Erzbischof unter Druck der neuen islamistischen Machthaber in Damaskus geraten sei.
Sido warnt, die Führung in Syrien könne nach einer weiteren Festigung ihrer Macht die Islamisierung des Landes und die Unterdrückung religiöser Minderheiten verschärfen. Deshalb müssten Kirchen und demokratische Staaten jede Zusammenarbeit mit der syrischen Regierung an die uneingeschränkte Gewährleistung der Religionsfreiheit knüpfen. Nach Angaben von Erzbischof Mourad ist die Zahl der Christen in Syrien infolge von Bürgerkrieg und islamistischer Herrschaft von einst rund zwei Millionen auf etwa 300.000 bis 350.000 zurückgegangen.
Die UOJ berichtete zuvor, dass die Russische Auslandskirche ein theologisches Institut in Europa gründet und vorbereitende Russischkurse startet.