Am 17. Juli 2026 zelebrierte Bischof Hiob von Stuttgart (Bandmann) in der Kirche der heiligen Maria Magdalena in Darmstadt die Göttliche Liturgie zum Gedenken an Kaiser Nikolaus II., Kaiserin Alexandra Fjodorowna und ihre Kinder. Nach dem Gottesdienst wandte sich der Bischof mit einer Predigt an die Gläubigen.
Die Union Orthodoxer Journalisten veröffentlicht die Videoaufzeichnung dieser Predigt. Darin spricht Bischof Hiob über die Ziele des menschlichen Lebens, den christlichen Dienst am Nächsten und das Beispiel der Zarenfamilie.
Zu Beginn seiner Ansprache forderte der Bischof die Gläubigen dazu auf, darüber nachzudenken, welche Ziele ein Mensch seinem Leben setzt. Viele Menschen, so der Hierarch, verbinden Erfolg vor allem mit einer eigenen Familie, einem Haus, einem Auto, Reisen und materiellem Wohlstand.
Für einen Christen könnten diese Wünsche jedoch nicht zum höchsten Sinn des Lebens werden.
Es gibt kleine Ziele, aber das große Ziel ist das Heil.
Wer Christus nachfolgen wolle, müsse sein Leben nicht ausschließlich nach persönlichem Nutzen, Wohlstand oder gesellschaftlicher Anerkennung ausrichten. Christliches Leben bedeute, dem Nächsten zu dienen und bereit zu sein, dafür eigene Zeit und Kraft einzusetzen.
Der Mensch, der dem Erlöser nachfolgt, versteht, dass sein Ziel im Dienst und im Opfer liegt.
Bischof Hiob betonte, dass christlicher Dienst nicht nur in außergewöhnlichen Taten bestehe. Er beginne im Alltag – dort, wo ein Mensch bereit sei, auf einen Teil seiner eigenen Bequemlichkeit zu verzichten und Verantwortung für einen anderen zu übernehmen.
Wir opfern unsere Zeit und unsere Kraft nicht für uns selbst, sondern für unseren Nächsten.
Im Zusammenhang mit dem Gedenktag sprach Bischof Hiob über Kaiser Nikolaus II. und seine Familie. Nach den Worten des Bischofs verstanden sie ihre Stellung nicht nur als ein Privileg, sondern vor allem als Verantwortung gegenüber dem Staat und dem Volk.
Nikolaus II. habe sich nicht ausschließlich um die äußere Stärke oder den materiellen Wohlstand des Landes bemüht. Ihm sei ebenso wichtig gewesen, dass das Volk seinen Glauben und seine Frömmigkeit bewahre.
Auch der Zar-Märtyrer Nikolaus und seine Familie haben uns einen solchen Dienst gezeigt.
Nach dem Verlust ihrer gesellschaftlichen Stellung und während der Gefangenschaft habe die Familie ihren Glauben, ihre innere Einheit und ihre Würde bewahrt. Darin sah der Bischof ein Beispiel für einen Dienst, der nicht vom äußeren Erfolg abhängt und schließlich zum Opfer wurde.
Sie dienten und opferten sich für das Wohl ihres Volkes – bis zum Tod.
Der Aufruf zum Dienst gelte jedoch nicht nur Herrschern, Geistlichen oder Menschen in hohen gesellschaftlichen Positionen, erklärte Bischof Hiob.
Jeder von uns ist zu diesem Dienst berufen.
Der Dienst am Nächsten sei nicht nur eine christliche Pflicht, sondern zugleich ein Weg, auf dem der Mensch selbst zu Gott finde.
Zuvor hatte die Union Orthodoxer Journalisten berichtet, dass die ROK-Gemeinde der Heiligen Kaiserlichen Märtyrer in Bremen ihr Patronatsfest gefeiert hatte .