Katholische Bischöfe warnen vor „christlichem Abendland“ als Kampfbegriff
Zwischenruf zur europäischen Identität betont Vielfalt statt religiöser Homogenität
Die Deutsche Bischofskonferenz der Römisch-Katholischen Kirche unter ihrem Vorsitzenden, dem Münsteraner Bischof Heiner Wilmer, hat am 24. April 2026 ein Positionspapier mit dem Titel „Europa, zeigʼ dich selbstbewusst!“ veröffentlicht und darin zur Stärkung eines wertebasierten, pluralen Europas aufgerufen. In dem Papier distanzieren sich die katholischen Bischöfe ausdrücklich von der politischen Verwendung des Begriffs „christliches Abendland“.
Nach Einschätzung der katholischen Bischöfe Deutschlands greift die Vorstellung eines religiös oder kulturell einheitlichen Europas „theologisch und historisch zu kurz“. Zwar habe das Christentum Europa maßgeblich geprägt, definiere den Kontinent jedoch nicht exklusiv. Vielmehr verstehen die Bischöfe Europa als ein Projekt von Frieden, Freiheit und Demokratie, das auf Vielfalt und gemeinsamen Werten beruhe.
Kritisch sehen die Bischöfe insbesondere, dass der Begriff „christliches Abendland“ politisch instrumentalisiert werde, um ein homogenes Identitätsbild zu zeichnen und andere auszuschließen. Sie wenden sich damit ausdrücklich gegen dessen Nutzung als ideologisches Schlagwort im politischen Diskurs.
In der breiteren Debatte gibt es jedoch auch Gegenpositionen: Einer der prominentesten Vertreter ist etwa der katholische Althistoriker David Engels, der am Begriff des Abendlandes festhält und für eine kulturelle „Rekonstruktion“ Europas aus seinen historischen Wurzeln plädiert. Während die Bischöfe stärker auf Gegenwart und Pluralität abheben, sehen Vertreter wie Engels, Autor des Bestsellers „Was tun? Leben mit dem Niedergang Europas“, gerade in der Rückbesinnung auf das abendländische Erbe eine Voraussetzung für Europas Zukunft.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Erzpriester Matthias Zierenberg die Botschaft der Myronträgerinnen als radikalen Bruch mit der Erfahrung von Tod und Leid deutete.