„In Gott ist alles möglich“: Das Kloster in Buchhagen über die Orthodoxie in Deutschland und in der Welt

02 April 11:38
258
Bauarbeiten des Klosters in Buchhagen. Foto: standartnews Bauarbeiten des Klosters in Buchhagen. Foto: standartnews

Interview der UOJ mit den Mönchen des Orthodoxen Dreifaltigkeitsklosters Buchhagen über die modernen Herausforderungen des Orthodoxen Christentums in Deutschland und weltweit.

Seit mehreren Wochen verbreitete sich die Nachricht über Bedrohungen des orthodoxen Klosters in Buchhagen durch radikale Gruppen in den deutschen Medien und beunruhigte viele Orthodoxe in Deutschland. Doch das Kloster selbst bleibt ein Ort des stillen Gebets und keine politische Bühne, ein Weg zur Heiligkeit und nicht zu den weltlichen, vorübergehenden Wirren. Unsere Redaktion nahm Kontakt mit Vater Lazarus vom Orthodoxen Dreifaltigkeitskloster auf, mit der Bitte, nicht so sehr auf die skandalöse Situation einzugehen, sondern vielmehr über das Wesentliche zu sprechen, das für die orthodoxen Christen in Deutschland wirklich wichtig ist, und was sie von den Mönchen dieses deutschen Klosters hören sollten.

„In Gott ist alles möglich“: Das Kloster in Buchhagen über die Orthodoxie in Deutschland und in der Welt фото 1

Was möchten Sie zu den kürzlich berichteten Bedrohungen durch Extremisten gegen Ihr Kloster hinzufügen?

Für uns ist das alles sehr weit weg. Der politische rechts-links-Gegensatz ist keine 180 Jahre alt – die Orthodoxie aber ist 2000 Jahre alt. Wir stehen auf einem völlig anderen Fundament: das ist die  Heilige Überlieferung der orthodoxen Kirche, wie ich sie auf dem Heiligen Berg Athos erlernt habe. Wir fragen niemanden nach seiner politischen Meinung; und wir grenzen niemanden aus. Jeder, der den Frieden und die Heiligkeit des Ortes achtet, ist im Rahmen unserer Möglichkeiten willkommen. Tatsächlich kommen die unterschiedlichsten Menschen aus dem In- und Ausland als Pilger oder Besucher zum Gottesdienst. So stehen trotz des Krieges Russen und Ukrainer gemeinsam mit uns vor Gott und beten um Frieden. 

Es ist ein großes Problem, wenn der Nationalismus oder sonst eine Ideologie zum Götzendienst wird, und das geschieht immer, wenn die Menschen den wahren Glauben nicht kennen und fern von Gott leben. Wer aber Christum nachfolgt in Geist und Wahrheit, der wird wachsen in der Liebe zu Gott und zu seinen Nächsten und wird immun gegen Ideologien.

Wir sind Gottgeweihte und leben sehr zurückgezogen. Das Gebet, der heilige Dienst, der Aufbau des Heiligtumes, die Pflege des Kirchengesangs, die inhaltliche Arbeit und die Seelsorge für Besucher füllen uns völlig aus. Durch diese Kampagne ist ein Popanz aufgebaut worden, der mit der Wirklichkeit des Klosters nichts zu tun hat.  

„In Gott ist alles möglich“: Das Kloster in Buchhagen über die Orthodoxie in Deutschland und in der Welt фото 2


Derzeit erleben wir die Zeit der Großen Fastenzeit. Worauf sollten sich die orthodoxen Christen in dieser Zeit konzentrieren?

Die Große Fastenzeit ist eine Zeit der Sammlung und Vertiefung des geistigen Lebens. Sie ist uns geschenkt, damit wir das, was wir als rechtehrende Christen grundsätzlich tun – nämlich alles, was uns von Gott trennt, meiden, und alles, was uns mit Gott verbindet – verstärkt einüben. 

2.a.)  Das erste ist das Gebet, in seinen drei Ausrichtungen: 

2.a.a.) das Herzensgebet, wo es um nichts anderes geht, als einzig und allein uns auf Christum auszurichten – wie eine Sonnenblume, die immer auf die Sonne schaut, morgens nach Osten und abends nach Westen. So richten wir uns im Herzensgebet auf Gott aus, schauen mit dem geistigen Auge auf Ihn und nehmen eine Haltung der Empfängsnisbereitschaft ein, um ganz mit Ihm eins zu werden. Wie Er selbst im hohenpriesterlichen Gebet bittet, daß wir eins werden sollen in Ihm, so wie Er mit seinem himmlischen Vater und dem Geiste eins ist. Das ist die innigste Gebetsweise.

2.a.b.) das liturgische Gebet der Kirche. So feiern wir im Kloster Orthros, Vesper, Apodipnon und Göttliche Liturgie. Aber auch die Gläubigen, die am Wochenende zum Gottesdienst kommen, vertiefen sich in die göttlichen Mysterien und verinnerlichen die Geheimnisse des Glaubens und die Schönheit und Wahrheit Gottes und der göttlichen Offenbarungen.

2.a.c.) die Fürbitte für unsere Nächsten und uns selbst. Das ist sehr persönlich. Da wird alles mit hineingenommen und vor Gott getragen. Hier beten wir auch um Segen und Heil und göttliche Zuwendung für alle, die mit uns verbunden sind. Aktuell beten wir natürlich auch darum, daß Gott selber alles, was uns gerade widerfährt, zum Guten wende. Und daß auch jene, die uns anfeinden und bekämpfen, zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.

2.b.)  Das zweite ist, was wir die »geistige Hygiene« nennen. Alles, was nicht Gottes ist, entfernen wir aus unserem Leben, soweit wir können. Dafür holen wir das in unser Leben hinein, was uns geistig fördert und zu Gott führt. Z.B. ist die Enthaltung von Internet und Medien notwendig, weil dort sehr viel mentales Gift verbreitet wird. Wichtig ist auch, welche Art von Musik man hört. Diskomusik, Rock und Pop ziehen uns runter, aktivieren die niederen Triebe und lähmen den Geist, ähnlich wie Drogen. Da ist viel dämonische Energie drin. Wer ein intaktes geistiges Gespür hat, wird sowieso allergisch auf solche Musik reagieren. Stattdessen kann man gute, geistfördernde Musik hören, vor allem heilige Gesänge aus der Kirche, aber auch Johann Sebastian Bach und gute alte „klassische“ Musik.

Dann Wohlordnung und Schönheit. Es ist Zeit für den Frühjahrsputz, alles soll sauber, ordentlich und schön sein. Dämonen lieben Dreck und Unordnung. Achtet man auf Sauberkeit und Wohlordnung, hat das einen heilsamen Einfluß auf unsere gesamte seelisch-geistige wie leibliche Verfassung. Die Schönheit ist einer der größten »Namen Gottes«, wie schon der heilige Dionysios Areopagita sagt. Am Sonntag der Orthodoxie geht es ja eigens um die Wiederherstellung der ursprünglichen Schönheit des Ebenbildes Gottes, des Menschen, mithin um das orthodoxe Ethos jedweden Tuns, insbesondere der kirchlichen Kunst. Das soll unbedingt in den Alltag ausstrahlen: Ein paar Blumen auf den Tisch, ein schöne Wachskerze in der Heiligen Ecke, die Öllampen putzen und täglich entzünden, die kleinen häuslichen Gebetszeiten regelmäßiger einhalten, mehr in die Kirche gehen, mit den Nächsten in Liebe und Eintracht leben … Auch die kappadokischen Väter sprechen von der überirdischen Schönheit Gottes. Alles in der Kirche muß schön sein. Dazu gehört auch unser Haus, unsere Seele, alles in uns und um uns.

2.c.)  Drittens die innere Freiheit. Die ist nur durch Herzensübung (Askese) zu erwerben. Dazu gehören dann auch leibliches Fasten und Enthaltsamkeit. Indem wir diese Dinge beachten soweit es uns möglich ist, erproben wir, inwieweit wir frei sind von den leiblichen Leidenschaften und Bedingtheiten. Aber wir sollen nicht andere richten und maßregeln. Das Fasten dient nicht dazu, uns über andere zu erhöhen wie der Pharisäer es tat. Vielmehr sollen wir unserer eigenen Schwächen und Sünden inne werden und mit der Gnade und Kraft Gottes soweit wie möglich frei davon werden. Dazu mahnen auch die liturgischen Lesungen des Apostels und des Evangeliums zu Beginn der Fastenzeit. Wichtiger und oft schwieriger als das leibliche Fasten ist bekanntlich das „geistige“ Fasten.

„In Gott ist alles möglich“: Das Kloster in Buchhagen über die Orthodoxie in Deutschland und in der Welt фото 3




Ihr Kloster in Deutschland gehört zur Bulgarischen Orthodoxen Kirche, in der kürzlich ein neuer Patriarch gewählt wurde. Welche Hoffnungen und Erwartungen setzen Sie in seine Leitung?

Wenn der Patriarch verstirbt, muß binnen dreier Monate der neue Patriarch gewählt werden. Für dieses Amt kommen grundsätzlich alle Metropoliten der bulgarischen Kirche in Frage, die dieses Amt mehr als 5 Jahre innehaben und älter als 50 Jahre sind. Aus diesen wählt der Heilige Synod dreie aus, die dann als Kandidaten aufgestellt werden. Wahlberechtigt sind alle Metropoliten und Bischöfe der bulgarischen Kirche sowie die Äbte bzw. Äbtissinnen der wichtigeren Klöster; dazu kommen aus jeder Diözese 5 weitere Gesandte, drei Priester und zwei Laien, die eigens gewählt werden müssen, und schließlich Vertreter der theologischen Hochschulen. Es sind insgesamt etwa 140 Personen, die dann in Sofia zum großen Wahlthing zusammenkommen. 

Am 2. Juno fand in Berlin die Diözesansynode statt; als Delegaten wurden Vtr. Zolo und Vtr. Julian aus Berlin sowie Vtr. Nedjalko aus München gewählt, dazu Christo Berow aus Berlin und Martin Penev aus München. Metropolit Antoni von West- und Mitteleuropa und Abt Johannes von Buchhagen gehören ex officio  dem Wahlthing an.

Mitte Juno erhielten wir die Liste der grundsätzlich wählbaren Kandidaten, von denen wir die meisten von verschiedenen Begegnungen her kannten. Besonders erfreut waren wir, daß Metropolit Daniel von Vidin dabei war. Wir hatten ihn 2007 als Mönch im Roschenkloster kennengelernt, als er auf dem Dach Sparren nagelte. Da war gleich diese Wesensverwandtschaft und wir wußten: der ist echt! Ein handfester, stiller, arbeitsamer und betender Gottgeweihter, ein echter Kämpfer. Er war geistiger Schüler unseres leider viel zu früh verstorbenen Freundes, des S’chimamönches und Metropoliten Nathanael von Nevrokop, und Mitbruder dessen Nachfolgers, Metropolit Serafim, sowie der ehrwürdigen Väter Epiphanios und Theophil von Hadschidimowo. Später war Vtr. Daniel Vikarbischof bei Metropolit Josef in den USA, und zuletzt Metropolit von Vidin. Er ist ein Mann der Heiligen Überlieferung, unbeeindruckt von den Mächten und Mächtigen der gefallenen Welt. Seine gute mönchische Art hat er auch als Bischof bewahrt. Erst jüngst setzte er sich für den Frieden in der Ukraine ein und warnte vor Kriegstreiberei und Völkerhaß. Da wir schon am Pfingstsonntag nach Sofia aufbrachen, wußten wir allerdings nicht, ob er zu den drei endgültig wählbaren Kandidaten gehören würde.

In Sofia trafen wir unseren ehemaligen Vikarbischof Tichon und mehrere alte Bekannte. Dort erfuhren wir dann, daß neben Metropolit Gabriel von Lowetsch noch Metr. Grigori von Vratza und Metr. Daniel von Vidin zur Wahl stunden. Am Sonnabend vor der Wahl konnten wir in der Kathedrale die Reliquien der heiligen bulgarischen Patriarchen des Mittelalters verehren, die eigens zu diesem Anlaß herbeigeschafft worden. Abends nahmen wir an der Vesper in der Hagia Sophia teil, die Metropolit Serafim von Nevrokop leitete, mit dem wir uns im Anschluß austauschen konnten. Zu unserer Freude gehörten auch Vtr. Klemens von Sografou und Vtr. Theophil zum Wahlthing, sowie etliche andere Väter, mit denen wir uns geistig sehr verbunden wissen.

Am Sonntagfrüh um 5.00 begann die Liturgie im Gebäude des Heiligen Synod, wo allerdings nur die stimmberechtigten Mitglieder des Wahlthings zugelassen waren. So trennten wir uns, und die Väter Lazarus und Symeon gingen in die Hagia Sophia um die Wahl mit Herzensgebet zu unterstützen. Die Eröffnung fand im Saal der Akademie der Wissenschaften statt, dann ging es, streng bewacht und kontrolliert, wieder zum Hl. Synod. Die Wahl selbst fand unüberbietbar transparent unter laufender Kamera statt. Die meiste Zeit verbrachten wir im wunderschönen Gartenpark des Hl. Synod, wo sich manche guten Begegnungen und Gespräche ergaben, viele auch beteten. Der erste Wahlgang brachte nicht die erforderliche Mehrheit. Beim zweiten stunden nur noch Daniel und Grigori zur Wahl. Beim Auszählen ward jede Stimme einzeln verlesen, so daß viele ihre eigenen Hochrechnungen machten und ein aufgeregtes Gesummse die Flure erfüllte. Endlich ward das Ergebnis verkündet: der neue Patriarch heißt Daniel.

Mit ihm steht, Gott und den Heiligen sei Dank, ein echter Mönch, ein Mann des Gebetes und der Heiligen Überlieferung an der Spitze unserer Mutterkirche. Die Inthronisation fand am Nachmittag in der brechend vollen Kathedrale statt, bei großer Hitze, die durch die Lampen der Fernsehleute noch gesteigert ward. Als der Patriarch einzog und der Chor seinen Einsatz verpaßte (!), applaudierte das gläubige Volk und rief „Würdig, würdig, würdig!“. Am nächsten Morgen nahmen wir an der Primizliturgie des Patriarchen teil; unser Vtr. Lazarus ward sogleich eingeteilt, die zweiten Fürbitten auf deutsch vorzutragen. Patriarch Daniel zelebrierte mit bewunderungswürdiger Ruhe und innerer Sammlung, völlig unprätentiös, einfach und klar, wie ein Erzengel. Möge er gesegnet sein, und möge Gott der Herr ihn der heiligen Kirche erhalten in Frieden und Heil, Gesundheit und Ehre bis ins hohe Alter, daß er des Wortes der Wahrheit immerdar in guter Weise walte.    

„In Gott ist alles möglich“: Das Kloster in Buchhagen über die Orthodoxie in Deutschland und in der Welt фото 4


Wird Ihr Kloster als einzigartig bezeichnet? Worin äußert sich diese Einzigartigkeit?

Buchhagen ist ein rechtehrendes Kloster wie jedes andere in der weiten orthodoxen Welt. Es ist mit vier Mönchen und einem Novizen eigentlich wie eine größere Einsiedelei. Eine gewisse „Einzigartigkeit“ ergibt sich indes aus der Situation als deutsch-orthodoxes Kloster hier in Deutschland. 

Als es um die Gründung unseres Klosters in Deutschland ging, hat mir Altvater Josef  von Watopedi (damals noch in Kutlumusiu) immer wieder gesagt: „Ihr müßt die Heilige Überlieferung der Orthodoxie mit deutschem Geist, deutscher Sprache und Kultur verbinden; darin liegt eine gewaltige Kraft: die Rettung für das deutsche Volk und ein Gewinn für die orthodoxe Christenheit insgesamt“. 

In diesem Sinne beten, leben und arbeiten wir seit 40 Jahren. So ist in aller Stille eine lebendige deutsch-orthodoxe Tradition entstanden. Zumal Erfahrungen in der Katechese haben uns für die Notwendigkeit einer klaren und stimmigen deutschen Begrifflichkeit sensibilisiert. Durch die Latinisierung der Kirche im Mittelalter und häretische Entwicklungen der westlichen Theologie hat im Abendland ein Traditionsverlust stattgefunden, der sich in der theologischen Begrifflichkeit und im Menschenbild niederschlägt, in der Anthropologie. Darum bemühen wir uns um klare und stimmige deutsche Begriffe, die den Sinn dessen, was die heiligen Väter auf Griechisch ausdrücken, unverkürzt und unverfälscht widergeben. So kann man viel unnötigen Gedankennebel vermeiden und Klarheit schaffen. In der Übersetzung liturgischer Texte geht es dann darum, daß der heutige deutsche Beter wirklich dasselbe versteht und empfindet, wie einst der griechische Beter zu Zeiten des Hl. Basilios und des Hl. Johannes Goldmund. Die Deutsche Sprache ist sehr reich, aber auch sehr empfindlich hinsichtlich der mitschwingenden Assoziationen. Im Gottesdienst bedarf es einer Sprachebene, die Klarheit und sakrale Würde miteinander verbindet; da spielen viele Parameter mit hinein, die gemeinhin ignoriert werden. Der Logos, das Ewige Wort (Joh. I, 1ff), muß immer durchklingen.

Der Inkulturationsauftrag des Klosters wird aber auch in der Gesamtgestaltung des Heiligtums sichtbar. So erfüllt die Kirche, die wir gerade bauen, alle liturgischen Erfordernisse des rechtehrenden Kultes, nutzt aber bewußt die architektonische Formensprache der ältesten deutschen Kirchenarchitektur. Da gibt es natürlich viele Parallelen zur altbulgarischen, georgischen, russischen usw. Architektur, aber eben auch regionale Besonderheiten, wie z.B. die ausgeschiedene Vierung, wodurch der Kirchbau eine ganz eigene ästhetische Gesamtwirkung gewinnt und als Paradigma für eine deutsch-orthodoxe Sakralarchitektur gelten kann.

„In Gott ist alles möglich“: Das Kloster in Buchhagen über die Orthodoxie in Deutschland und in der Welt фото 5


„In Gott ist alles möglich“: Das Kloster in Buchhagen über die Orthodoxie in Deutschland und in der Welt фото 6


Als ethnische Deutsche, orthodoxe Mönche, glauben Sie, dass das orthodoxe Christentum in Deutschland noch immer eine Diaspora-Religion ist?

Wegen der starken Verbindung von Kirche und Volkstum, die der orthodoxen Ekklesiologie innewohnt, gilt das orthodoxe Christentum in Deutschland tatsächlich bis heute als „Ausländerreligion“, wie der Islam. Was in den orthodoxen Ländern eine Stärke ist, eben diese Verbindung von nationaler Kultur und Religion, erweist sich hier in der „Diaspora“ als Schwäche, wenn es darum geht, die Orthodoxie für die einheimischen Menschen zu öffnen. Das haben Altvater Josef von Watopedi, Abt Georg von Gregoriu und andere Väter auf dem Heiligen Berg sehr klar gesehen – wie auch schon früher der heilige Erzbischof Johannes Maximowitsch, der sich bekanntlich sehr um die Inkulturation der Orthodoxie in westlichen Ländern und die Entwicklung eigenständiger Kirchentümer bemüht hat.

Als Deutsche sind wir grundsätzlich sehr offen für fremde Nationalitäten und Identitäten; mancher ist sogar froh, wenn er die (schwierige, weil historisch und politisch belastete) deutsche Identität gegen eine andere austauschen kann. Doch gilt das für die junge Generation nicht mehr. Die Masse ist längst in eine pseudoamerikanische globalistische Identität hineingesogen. Viele jüngere Menschen spüren nun ihre Verlorenheit und suchen etwas Echtes. Da tritt natürlich unter anderem auch die Orthodoxie ins Blickfeld – die konkrete Hinwendung wird aber behindert, wenn sie merken, daß die Orthodoxie (ausgesprochen oder unausgesprochen) mit einer fremden nationalen Identität verknotet ist. Und wenn die Orthodoxie sich der allgemeinen Entstaltung unterwirft und selber globalistisch wird, ist sie keine ernstzunehmende geistige Kraft mehr. Das hat mit Gestalt, Identität und Wahrhaftigkeit zu tun. Wenn man dann noch mitbekommt, daß kirchpolitische Machtansprüche und Kulturimperialismen da mitunter im Raume stehen, wendet man sich enttäuscht ab, wie man sich schon von den westlichen etablierten Kirchen abgewandt hat.

Insofern ist Kloster Buchhagen ein „Türöffner“ in beide Richtungen: die Menschen erleben hier die heilige Orthodoxie in deutscher Ausprägung. Da wird die Orthodoxie für die Einheimischen als etwas ureigenes und ganz natürliches erlebt, so daß sich buchstäblich der Himmel öffnet. Und auch für orthodoxe Ausländer ergibt sich eine Perspektive, daß auch die Enkel und Urenkel orthodox bleiben und leben können, wenn sie längst in Deutschland heimisch geworden sind und es auch bleiben wollen. Daher kommen in der letzten Zeit viele junge Leute ins Kloster, obwohl es so klein und abgelegen ist. 

„In Gott ist alles möglich“: Das Kloster in Buchhagen über die Orthodoxie in Deutschland und in der Welt фото 7

Wir vertreten ein Medium, das seit zehn Jahren neben der Berichterstattung über internationale kirchliche Nachrichten insbesondere die Wahrheit über die Ukrainische Orthodoxe Kirche (Metropolit Onufrij) vermittelt. Ist diese Kirche und ihre aktuelle schwierige Lage hier bekannt und wie wird darüber gedacht?

Globalistische und antichristliche Kräfte versuchen seit langem, die Orthodoxie in Osteuropa zu infiltrieren, zu neutralisieren und gleichzuschalten. Das hatte zwar großen, aber letztlich keinen durchschlagenden Erfolg, weil es überall  Gläubige und Hierarchen gibt, die dem Sog der Zeit nicht nachgeben, sondern für die Wahrheit eintreten und Gott treu bleiben. 

Nun greift seit einiger Zeit die Orthodoxie spürbar auch im Westen Raum – von dem mir Altvater Theoklitos v. Dionysiu (Athos) vor 30 Jahren einmal sagte: „in Westeuropa herrscht der Antichrist, das ist verloren.“ Als ich dann sagte „das akzeptiere ich nicht, daß mein Volk verloren sein soll, Gott muß das wenden!“, nickte er und meinte: „In Gott ist alles möglich, aber es wird schwierig“. Inzwischen, 30 Jahre später, sind z.B. in München 10% der Bevölkerung orthodox; in allen deutschen Großstädten gibt es zahlreiche orthodoxe Gemeinden, russische, rumänische, serbische, georgische, griechische … die stetig wachsen, und es gibt immer mehr Deutsche, die sich der Orthodoxie zuwenden. Die Orthodoxie ist tatsächlich die einzige geistige Macht, die der Herrschaft des Antichristen ernsthaft entgegensteht und uns wirklich mit Gott verbindet. Für Satanisten und Antichristen ist das nun die Katastophe schlechthin. Daher bekämpfen sie die Orthodoxie insgesamt und besonders jene, die sich nicht korrumpieren lassen, mit dieser teuf lischen Energie. Ebenso bekämpfen sie die Kulturen, Sprachen und Eigenarten der Völker, weil sie eine leicht lenkbare Massengesellschaft wollen, wo es keine traditionalen Bindungen mehr gibt und der Einzelne verisoliert und hilflos ausgeliefert ist. Der Krieg in der Ukraine, wo täglich tausende orthodoxer Männer auf den physischen Schlachtfeldern verbluten, ist eines der großen Schlachtfelder dieses geistigen Kampfes. 

Im Zusammenhang mit dem Konzil in Kreta hatten wir schon vor vielen Jahren auf Empfehlung des uns befreundeten Metropoliten Gabriel von Lowetsch (Bulgarien) Bischof Longin im Kloster Bantschen in der Ukraine (Kreis Tschernowitz) besucht und waren tief beeindruckt. Mit ihm, Abt Sebastian und anderen gab es eine wunderbare Gleichgestimmtheit, daß sich eine geistige Freundschaft ergeben hat. Seither beten wir füreinander als Glieder einer geistigen Bruderschaft. Auch mit Klöstern auf Athos, in Bulgarien und Rumänien stehen wir in solcher Verbindung. Wegen der aktuellen Christenverfolgung in der Ukraine sind wir in großer Sorge und beten um Rettung und Bewahrung unserer Brüder und aller rechtehrenden Christen dort. 

Foto- und Videomaterialien wurden aus offenen Quellen entnommen, einschließlich der Bereitstellung durch die Mönche des Orthodoxen Dreifaltigkeitsklosters Buchhagen.

 

 

 

 

Wenn Sie einen Fehler entdeckt haben, heben sie den Text hervor und drücken Sie Ctrl+Enter oder Fehler melden , um die Redaktion darauf aufmerksam zu machen
Wenn Sie einen Fehler im Text finden, markieren Sie ihn mit der Maus und drücken Sie Strg+Enter oder diese Schaltfläche Wenn Sie einen Fehler im Text finden, markieren Sie ihn mit der Maus und klicken Sie auf diese Schaltfläche Der ausgewählte Text ist zu lang!
Lesen Sie auch