Fünf Ebenen hoher Kunst

Gestern 18:58
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Bogorodtschany-Ikonostase. Foto: UOJ Bogorodtschany-Ikonostase. Foto: UOJ

Das gewaltige hölzerne Ensemble steht in einem Museumssaal und zieht den Blick von den dunklen Predellen bis zum vergoldeten Schnitzwerk des Kreuzes an seiner Spitze empor.

In einem Saal des Nationalmuseums in Lwiw befindet sich eine gewaltige Holzkonstruktion. Fünf Ebenen aus lackierten und vergoldeten Holztafeln ragen in die Höhe. Dieses monumentale Ensemble schuf Priestermönch Hiob Kondselewitsch gemeinsam mit Holzschnitzern zwischen 1698 und 1705. Der Auftrag kam von der Mönchsbruderschaft der Kreuzerhöhungskirche des Manjava-Skites.

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Der niederländische Meister des 15. Jahrhunderts deutete die alte Überlieferung über den Evangelisten neu und machte aus einem Andachtsbild eine tiefgründige Betrachtung über das Handwerk des Malers.

Das Werk hatte ein wechselvolles Schicksal. 1785 schlossen die österreichischen Behörden den Skite, und die hölzerne Ausstattung wurde in das benachbarte Bogorodtschany gebracht. Später, im Jahr 1916, wurde sie während des Ersten Weltkriegs nach Wien gebracht. Von Österreich gelangte die Ikonostase nach Warschau, und erst in den 1920er-Jahren kehrte das Kunstdenkmal nach Lwiw zurück.

Die unterste Ebene der Ikonostase bilden die Predellen. Es handelt sich um kleine Ikonen unterhalb der lokalen Bilder. Auf einer von ihnen stellte der Meister die Begegnung in Emmaus dar. Der auferstandene Erlöser geht mit den Jüngern über einen sommerlichen Pfad. Daneben befinden sich weitere kleine Szenen: „Die Dornenkrone“, „Die Versuchung“ sowie „Christus und Nikodemus“. Hier konzentriert sich die Malerei auf den irdischen Weg Jesu, auf dem der leidende Messias das Werk der Erlösung vollbringt.

Das vergoldete Schnitzwerk der Lokalreihe

Weiter oben fällt der Blick auf die Lokalreihe. Gerade hier bewiesen die Holzschnitzer eine erstaunliche Fantasie. Die Königliche Pforte ist mit filigranem, durchbrochenem Schnitzwerk aus Akanthusblättern und schweren Trauben bedeckt. In ovalen Kartuschen stellte Priestermönch Hiob die Verkündigung und die vier Evangelisten dar. Die Begegnung der allheiligen Jungfrau mit dem Engel ist leicht und luftig ausgeführt. Über den Türflügeln befindet sich ein kleines hölzernes Kruzifix.

Bogorodtschany-Ikonostase in der Museumsausstellung. Quelle: Wikipedia
Bogorodtschany-Ikonostase in der Museumsausstellung. Quelle: Wikipedia

Auf der seitlichen Diakonentür befindet sich die Gestalt des Erzengels Gabriel. Die Museumskuratoren bezeichnen dieses Bild als einen Höhepunkt der Meisterschaft des Barockzeitalters. Die Flügel des Erzengels scheinen vor dem goldenen Hintergrund zu beben, während der Pinsel die weichen Falten seines hellen Gewandes wiedergibt.

Auf beiden Seiten der Pforte stehen monumentale Gestalten der Altväter aus den Kiewer Höhlen. Der heilige Antonios von den Kiewer Höhlen ist in einer dunklen Mönchskapuze und mit einem langen grauen Bart dargestellt. Neben ihm steht der heilige Theodosios von den Kiewer Höhlen mit unbedecktem Haupt. Ihre Gestalten nehmen nahezu die gesamte Fläche der Tafel ein. Hinter den Asketen sind grüne Hügel und die goldenen Kuppeln der Mariä-Entschlafens-Kathedrale des Kiewer Höhlenklosters zu sehen. Die Heiligen halten geöffnete Schriftrollen mit Texten ihrer Unterweisungen und lassen den Betrachter vor der Größe ihrer asketischen Leistung innehalten.

Die Festtagsreihe

Die dritte Ebene bilden zwölf kleine Festtagsikonen. Der Meister teilte sich die Arbeit mit seinen Gehilfen. Die schwierigsten Gesichter und zentralen Gestalten malte er selbst, während er die Hintergründe und Teile der Gewänder den Handwerkern seiner Werkstatt überließ. Deshalb unterscheidet sich das malerische Niveau benachbarter Tafeln geringfügig und bewahrt lebendige Spuren der gemeinschaftlichen Werkstattarbeit.

Die Auferstehung Christi wird durch seine Herabkunft in die Unterwelt dargestellt. Der Erlöser in weißen Gewändern tritt auf die zerbrochenen ehernen Tore. Aus dem dunklen Abgrund treten die Stammeltern Adam und Eva hervor. Die helle Gestalt Gottes hebt sich von den dunklen Felsen ab. Die Schüler der Schule von Schowkwa verstanden es, den strengen byzantinischen Kanon mit der westlichen Tradition des Kupferstichs zu verbinden. Die Komposition ist von Triumph erfüllt und durchbricht die Finsternis der Unterwelt mit strahlendem goldenem Licht.

Der Thron in leuchtenden Wolken

Die vierte Ebene nimmt die Deësis ein. In ihrer Mitte thront Christus als Großer Hohepriester. Der Erlöser ist in einen prächtigen Sakkos gekleidet, auf seinem Haupt befindet sich eine kostbare Mitra. Engel tragen den Thron, an dessen Fuß Cherubim verharren. Die rechte Hand des Herrn segnet die Betenden, in der linken hält er ein aufgeschlagenes Evangelium.

Ikone „Pantokrator“ auf der Ikonostase. Quelle: Arthive
Ikone „Pantokrator“ auf der Ikonostase. Quelle: Arthive

Zu beiden Seiten des bischöflichen Thrones stehen zwei Stäbe. Auf einem von ihnen befindet sich die Inschrift „ΘΕΟΣ“. Auf dem anderen Stab brachte Meister Hiob das hebräische Tetragramm an. Die Buchstaben enthalten einen kleinen Fehler, der verrät, dass der Ikonenmaler die Sprache der alten Texte nicht beherrschte, jedoch bestrebt war, die Erhabenheit des alttestamentlichen Namens Gottes wiederzugeben.

Blut über der Kreuzigung

Die fünfte Ebene der Ikonostase besteht aus figürlich geformten Tafeln mit Darstellungen alttestamentlicher Propheten. In ihren Händen befinden sich lange Schriftrollen mit Prophezeiungen über das Kommen des Erlösers. Jede Gestalt ist zur Mitte, zur Spitze der Ikonostase, gewandt.

Ganz oben befindet sich ein ungewöhnliches Kruzifix, zu dessen Seiten die Gottesmutter und der Apostel Johannes der Theologe stehen. Aus der Wunde in der Seite des Erlösers wächst eine geschnitzte Weinrebe. Bläuliche Trauben und grüne Blätter umschlingen den Holzbalken und verbinden das Holz der Hinrichtung mit dem Bild eines lebendigen Weinbergs.

Über dem Haupt Christi befindet sich die plastische Gestalt eines Pelikans. Der Vogel reißt sich mit dem Schnabel die Brust auf, um seine Jungen mit seinem warmen Blut zu nähren. Dies ist eine alte allegorische Darstellung der Eucharistie.

Ein digitaler Abdruck des alten Werkes

Im Jahr 2020 führten Fachleute des Lwiwer Museums gemeinsam mit einem Forschungsteam eine umfangreiche fotogrammetrische Erfassung der Ikonostase durch. Die Experten fertigten rund 40.000 hochauflösende Aufnahmen an, um ein detailliertes dreidimensionales Modell jedes Zentimeters ihrer Oberfläche zu erstellen. Die Fenster des Saales wurden vor direktem Sonnenlicht geschützt und das Licht mit weißen Stoffbahnen gestreut. Nun können auch blinde Menschen eine plastische Kopie dieses Kunstdenkmals berühren und mit ihren Fingern die Tiefe des alten Schnitzwerks erfassen.

Die Ikonostase steht außerhalb eines Gotteshauses und ist heute ihres liturgischen Lebens beraubt. Ihre Bestimmung für das Gebet bleibt jedoch erhalten.

Der Blick des Betrachters steigt von den unteren Ebenen mit ihren bitteren Passionsdarstellungen empor, wandert durch die Reihen der Heiligen und bleibt schließlich an der Spitze stehen, wo die geschnitzte Weinrebe aus der geöffneten Seite des Erlösers wächst und die Symbolik der ewigen Erlösung der Menschheit unterstreicht.

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