Priester Dejan Ristić: Christlicher Glaube zeigt sich im Umgang mit Mitmenschen
Predigt in Münchner serbisch-orthodoxer Gemeinde: Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus mahnt zu Barmherzigkeit und Mitverantwortung.
Am 1. November 2026, dem 22. Sonntag nach Pfingsten, predigte Priester Dr. Dejan Ristić in der serbisch-orthodoxen Gemeinde in München über das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus (Lk 16,19–31). Dabei stellte er die Frage in den Mittelpunkt, woran sich ein christliches Leben tatsächlich erkennen lasse: nicht allein daran, Böses zu unterlassen, sondern vor allem daran, das Leid anderer wahrzunehmen und ihnen in Liebe und Barmherzigkeit zu begegnen. Die Eparchie veröffentlichte die Predigt auf ihrer Webseite.
Der Geistliche betonte in seiner Predigt, dass die Sünde des reichen Mannes nicht in seinem Besitz, sondern in seiner Gleichgültigkeit gegenüber Lazarus bestanden habe. Obwohl der Arme unmittelbar vor seiner Tür gelegen habe, habe der Reiche dessen Not ignoriert. Damit zeige das Evangelium, dass auch das Unterlassen von Hilfe eine Form des Versagens sein könne. Christliche Liebe erschöpfe sich nicht darin, niemandem zu schaden, sondern schließe die Verantwortung für den Nächsten ein. Diese Gefahr betreffe nicht nur wohlhabende Menschen, sondern jeden, der sein Herz vor dem Leid anderer verschließe.
Priester Dejan Ristić verwies auch auf die symbolische Bedeutung der Namenlosigkeit des Reichen und des Namens Lazarus, der „Gott hat geholfen“ bedeutet. Nicht Besitz, gesellschaftlicher Rang oder Einfluss bestimmten den Wert eines Menschen, sondern seine Würde als Ebenbild Gottes. Der Abgrund zwischen dem reichen Mann und Lazarus habe bereits zu Lebzeiten bestanden und hätte durch Barmherzigkeit und eine Begegnung überwunden werden können. Auch nach dem Tod habe der Reiche Lazarus nicht als gleichberechtigten Nächsten wahrgenommen.
Mit Blick auf die Worte Abrahams, wonach die Menschen auf Mose und die Propheten hören sollten, unterstrich der Geistliche, dass weder außergewöhnliche Zeichen noch die Kenntnis der Wahrheit allein einen Menschen veränderten. Entscheidend sei, im Alltag nach dem bereits erkannten Glauben zu leben. Als Gegenbild zum selbstbezogenen Leben des Reichen stellte der Priester das Kreuz Christi heraus: Während dieser alles für sich behalten habe, habe Christus sich selbst für das Leben der Welt hingegeben. Abschließend rief er die Gläubigen dazu auf, den „Lazarus vor unserer Tür“ zu erkennen, die Würde jedes Menschen zu achten und dem Leid anderer nicht gleichgültig gegenüberzustehen.
Die UOJ berichtete zuvor, dass die „Red Week 2026“ erneut auf die Christenverfolgung aufmerksam macht.
