Bischof Irenei warnt vor übermäßiger Fixierung auf Politik
ROKA-Hierarch: Wahre Veränderung der Welt beginnt mit Umkehr und Überwindung der eigenen Sünden.
Bischof Irenei von London und Westeuropa der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland (ROKA) hat in einer neuen geistlichen Betrachtung die Rolle von Politik und gesellschaftlichem Engagement aus orthodoxer Sicht thematisiert. Er betonte, dass Christen zwar Verantwortung für die Gestaltung der Gesellschaft trügen und sich auch durch ihre Stimme und ihr Wahlrecht für das Gemeinwohl einsetzen könnten, politische Aktivitäten jedoch niemals mit dem eigentlichen Auftrag des christlichen Lebens verwechselt werden dürften. Die tiefgreifende Veränderung der Welt beginne vielmehr mit der persönlichen Umkehr und der Überwindung der eigenen Sünden. Das Video wurde am 4. November 2026 in englischer Sprache auf dem YouTube-Kanal „Patristic Nectar“ veröffentlicht.
Ausgangspunkt der Betrachtung war eine Frage, die dem Bischof bei einem Besuch in einer kleinen Pfarrei gestellt worden war: Sollten orthodoxe Christen wählen gehen? Bischof Irenei bejahte dies grundsätzlich für Menschen, die in demokratischen Gesellschaften leben. Das Wahlrecht könne ein Mittel sein, um gesellschaftliche Entwicklungen im Sinne der christlichen Wahrheit zu beeinflussen, Fehlentwicklungen entgegenzuwirken und sich für das Gute einzusetzen. Dabei warnte er jedoch vor der Vorstellung, politische Entscheidungen oder der Aufstieg bestimmter Politiker könnten die grundlegenden Probleme der Menschheit lösen. In diesem Zusammenhang erinnerte er an das während der Göttlichen Liturgie gesungene Psalmwort: „Setzt euer Vertrauen nicht auf Fürsten und nicht auf Menschenkinder, bei denen es keine Rettung gibt.“
Die eigentliche Aufgabe der Christen liege nicht in erster Linie im politischen Engagement, sondern in der Kirche und im eigenen Herzen. Jeder Mensch sei zur Umkehr aufgerufen und könne durch den Kampf gegen die eigenen Sünden zur Heilung der Welt beitragen. Sünde beeinträchtige nicht nur das persönliche Leben, sondern entstelle die gesamte Schöpfung und bringe Leid in die Welt. Umgekehrt wirke sich jede aufrichtige Umkehr über den einzelnen Menschen hinaus auf die gesamte Schöpfung aus. Nicht jeder Christ sei zur politischen Tätigkeit berufen, betonte der Geistliche. Jeder könne jedoch in seinem jeweiligen Lebensumfeld – als Elternteil, Ehepartner, Arbeitnehmer oder Arbeitgeber – durch ein Leben in Gottes Barmherzigkeit und Liebe zum Guten beitragen.
Die UOJ berichtete zuvor, dass die „Red Week 2026“ erneut auf die Christenverfolgung aufmerksam macht.
