Deutschland: Handel mit Handy-Daten gefährdet Gläubige
Eine Recherche zeigt, wie gehandelte Standortdaten die Sicherheit von Gläubigen gefährden können.
Am 8. Oktober 2026 wurde bekannt, dass gehandelte Handy-Standortdaten die Sicherheit von Gläubigen in Deutschland gefährden können. Sie ermöglichen Rückschlüsse auf Besuche christlicher Kirchen, Synagogen und Moscheen sowie auf private Wohnadressen. Darüber berichtete evangelisch.de unter Berufung auf eine Recherche von netzpolitik.org.
In kostenlosen Beispieldatensätzen von Datenhändlern fanden die Journalisten mehr als eine Million Ortungspunkte an religiösen Einrichtungen. Daraus ließen sich Bewegungsprofile und Hinweise auf Wohnadressen ableiten. Es handelt sich um Standortangaben, nicht um eine Million identifizierte Personen.
Auch das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland in Hannover und der Sitz der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz in Bonn sind betroffen. Die Bischofskonferenz warnte vor Diskriminierung, Erpressung und Eingriffen in die Privatsphäre.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz sieht für bereits gefährdete Menschen zusätzliche Risiken durch Spionage, Bedrohungen und körperliche Angriffe. Eine systematische Nutzung solcher Daten gegen christliche, jüdische oder muslimische Gläubige konnte die Behörde bislang jedoch nicht feststellen.
Die untersuchten Daten sind mehrere Jahre alt. Nach Angaben der Recherche besteht der Handel weiter. Kirchenvertreter fordern wirksameren Schutz.
Zuvor hatte die UOJ berichtet, dass die Einstufung eines Angriffs auf eine Kirche in Hanau Kritik ausgelöst hatte.
