Amsterdam wirft Armeniens Regierung politischen Kampf gegen die Kirche vor
Der Anwalt erklärte, Paschinjan wolle die Kirche der Regierung unterordnen. Staatliche Eingriffe in ihre Leitung verletzten das Recht und die Religionsfreiheit.
Der international tätige Rechtsanwalt Robert Amsterdam hat den armenischen Behörden am 6. Oktober 2026 vorgeworfen, die Armenische Apostolische Kirche unter ihre Kontrolle bringen zu wollen. Das Vorgehen von Ministerpräsident Nikol Paschinjan bezeichnete er als „geistlichen Staatsstreich“. Darüber berichtet die UOJ unter Berufung auf NEWS.am.
Amsterdam kritisierte das Gebetsfrühstück, das am 2. und 3. Oktober in Jerewan vor dem Hintergrund des Gerichtsverfahrens gegen den Katholikos aller Armenier stattfand. Seiner Ansicht nach soll die Veranstaltung den Eindruck erwecken, Paschinjans Politik gegenüber der Kirche genieße internationale Unterstützung. Er verglich dies mit Gebetsfrühstücken in der Ukraine, die seiner Einschätzung nach zur Unterstützung des Vorgehens von Wolodymyr Selenskyj gegen die Ukrainische Orthodoxe Kirche (UOK) genutzt worden seien. Zugleich betonte der Anwalt, er zweifle nicht an den guten Absichten der amerikanischen Gäste und der teilnehmenden Geistlichen. Die Organisatoren nutzten diese Treffen jedoch für politische Zwecke.
Amsterdam kritisierte außerdem einen 74-seitigen Regierungsbericht über die „innere Krise“ der Kirche. Nach seinen Worten beruht das Dokument auf unzutreffenden Behauptungen und dient dem persönlichen Kampf des Regierungschefs gegen die Kirchenleitung. Der Staat habe kein Recht, in die inneren Verfahren der Kirche einzugreifen. Versuche, sie unter staatliche Kontrolle zu bringen, verstießen nach seiner Auffassung gegen armenisches und internationales Recht sowie gegen Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention. Unter Verweis auf die Rechtsprechung zu Bulgarien zeigte er sich überzeugt, dass entsprechende Maßnahmen gerichtlich aufgehoben werden könnten. Statt die Kirche zu bekämpfen, sollten sich die Behörden um die Rückkehr festgehaltener Armenier und um das Recht der vertriebenen Bewohner Bergkarabachs auf Heimkehr kümmern, forderte er.
Der Anwalt hob zudem hervor, dass die amerikanischen Teilnehmer des Gebetsfrühstücks eine Liturgie im Heiligen Etschmiadsin besucht hätten. Anschließend habe der Katholikos Paula White-Cain, die leitende Beraterin des Glaubensbüros des Weißen Hauses, empfangen. Amsterdam wertete diesen Besuch als Signal an Paschinjan, dass dessen Vorgehen gegen die Kirche keine Zustimmung finden werde. Die Zurückhaltung westlicher Staaten bei der Bewertung der Ereignisse führte er auf antirussische Stimmungen zurück. Er rief die internationale christliche Gemeinschaft dazu auf, sich offen gegen die Einmischung der armenischen Behörden in kirchliche Angelegenheiten auszusprechen.
Zuvor hatte die UOJ berichtet, dass Robert Amsterdam das Gerichtsverfahren gegen den Katholikos aller Armenier, Garegin II., als „moralische Katastrophe“ bezeichnet hatte.
