Priester Daniel Schärer: „Vergebung muss von Herzen kommen“
Sanftmut statt Zorn: Predigt in der Auferstehungskirche Zürich über das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht und den Weg zur Überwindung des Grolls.
In seiner Predigt am Sonntag, dem 16. August 2026, hat Priester Daniel Schärer in der russisch-orthodoxen Auferstehungskirche Zürich über das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht (Mt 18,23-35) gesprochen und dazu aufgerufen, anderen nicht nur äußerlich, sondern von Herzen zu vergeben. Die Gemeinde übertrug die Heilige Liturgie auf ihrem Facebook-Kanal.
Ausgehend von dem Gleichnis über den König, der seinem Knecht eine große Schuld erlässt, betonte Priester Daniel Schärer, dass die Aufforderung zur Vergebung über eine moralische Handlungsanweisung hinausgehe. Entscheidend sei die Veränderung des Herzens. Wer zwar äußerlich vergebe, innerlich aber Wut und Groll gegenüber dem anderen weitertrage, habe die eigentliche Bedeutung der Vergebung noch nicht verstanden. Unter Berufung auf den heiligen Maximus den Bekenner verwies der Priester darauf, dass das „Gedenken des Bösen“ und der Zorn gegenüber einem Mitmenschen den Menschen daran hinderten, die Liebe zu erlangen und in das Königtum Gottes einzugehen.
Als Weg zum Überwinden dieser Haltung empfahl der Geistliche in seiner Predigt das Gebet. Wenn die Erinnerung an ein erlittenes Unrecht Zorn hervorrufe, müsse man durch das Gebet die Leidenschaft von der Erinnerung trennen. Das Geschehene müsse dabei nicht vergessen werden; vielmehr gehe es darum, die aufkommende Wut zu überwinden. Dies ermögliche es, demjenigen, der einem Böses angetan habe, schließlich mit Liebe und Freundlichkeit zu begegnen. Zugleich könne eine solche Haltung dem anderen helfen, selbst seine eigenen Leidenschaften zu überwinden.
Mit Blick auf die Seligpreisungen hob Schärer besonders das Wort Christi hervor: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben.“ Die beginnende Fastenzeit solle daher dazu genutzt werden, Sanftmut einzuüben und Zorn durch das Gebet zu überwinden. Ziel sei es, ein reines Herz zu erlangen und durch Sanftmut und Liebe immer näher zu Gott zu kommen und sich mit ihm zu vereinigen.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Priester Matthias Fröse über die Bedeutung der göttlichen Barmherzigkeit für den Umgang mit anderen Menschen predigte.