Erzpriester Nikolai Artemoff hinterfragt kritisch den Trend zur Feuerbestattung
Beitrag im neuen ROKA-Diözesanorgan „Der Bote“ problematisiert gesellschaftliche Entwicklung aus orthodoxer Sicht
Die wachsende Verbreitung der Feuerbestattung in Europa ist nach der Auffassung eines Beitrags im Diözesanorgan „Der Bote“ der deutschen Diözese der Russisch-Orthodoxen Kirche im Ausland (ROKA) nicht nur eine praktische, sondern vor allem eine geistliche Frage. Erzpriester Nikolai Artemoff deutete die Entwicklung als Symptom eines schwindenden christlichen Glaubensverständnisses, wie er in der aktuellen Ausgabe schreibt.
In einem umfangreichen Essay mit dem Titel „Wie hältst du's mit der Religion?“ Erzpriester Nikolai Artemoff interpretierte die steigenden Kremationszahlen – etwa rund 80 Prozent in Deutschland – als Ausdruck religiöser Entfremdung. Der Trend lässt sich nicht allein durch Kosten- oder Platzargumente erklären, sondern weise auf einen grundlegenden Wandel im Menschenbild.
Im Zentrum der Argumentation steht das orthodoxe Verständnis des menschlichen Leibes als „Tempel des Heiligen Geistes“ und als Teil der auf die Auferstehung ausgerichteten Existenz. Die traditionelle Erdbestattung entspricht diesem Glauben, während die Feuerbestattung historisch eher mit Entführung, Strafe oder nichtchristlichen religiösen Vorstellungen verbunden sei.
Zugleich kritisiert der Autor, dass sich kirchliche Praxis teilweise dem gesellschaftlichen Druck angepasst habe. Die Ausbreitung der Cremation sei eng mit Säkularisierung, Rationalismus und – historisch – auch antikirchlichen Ideologien verknüpft. Besonders Entwicklungen in der Sowjetunion werden als Beispiel für eine bewusste Abkehr von religiösen Traditionen angeführt.
Abschließend ruft der Geistliche dazu auf, die Bestattungsfrage wieder stärker theologisch zu reflektieren. Christen seien überzeugt, sich am biblischen Zeugnis und an der kirchlichen Überlieferung zu orientieren – auch dann, wenn dies gesellschaftliche Trends oder individuelle Wünsche widerspreche.
Die UOJ berichtete zuvor, dass serbische Chöre zu Christi Himmelfahrt ein Konzert in Stuttgart gaben.