Priester Matthias Fröse: „Kein Leid ist mehr gottverlassen“

13. Januar, 09:36 Uhr
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Priester Matthias Fröse nahm das Evangelium vom Kindermord von Bethlehem als Ausgangspunkt für eine theologische Deutung von Leid, Freiheit und Hoffnung in Christus. Foto: Screenshot YouTube Priester Matthias Fröse nahm das Evangelium vom Kindermord von Bethlehem als Ausgangspunkt für eine theologische Deutung von Leid, Freiheit und Hoffnung in Christus. Foto: Screenshot YouTube

Predigt in Meisenheim über menschliche Freiheit und die Nähe Christi im Leid

In seiner Predigt zum 31. Sonntag nach Pfingsten, dem 11. Januar 2026, sprach Priester Matthias Fröse von der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus Mainz (ROK) in der Außenstelle Meisenheim über das Leid der Unschuldigen, die Freiheit des Menschen und die Hoffnung, die aus der Gegenwart Christi mitten im Schmerz erwächst. Ausgehend vom Matthäusevangelium betonte er, dass Gott das Leid nicht erklärt oder rechtfertigt, sondern es in Christus selbst betritt und trägt. Die Predigt wurde auf dem YouTube-Kanal der Gemeinde veröffentlicht.

Priester Matthias Fröse stellte die Liturgie des Sonntags bewusst in Spannung zum weihnachtlichen Glanz. Das Evangelium vom Kindermord von Bethlehem (Mt 2,13–23) zeige, dass die Geburt Christi nicht nur Licht, sondern auch Verfolgung und Gewalt in die Weihnachtsgeschichte einschreibt. Herodes’ Angst vor Machtverlust führe zur Tötung unschuldiger Kinder, während das göttliche Kind selbst zum Flüchtling werde.

Zentral griff der Priester das Wort des Propheten auf, das der Evangelist Matthäus zitiert: „Eine Stimme wurde in Rama gehört, lautes Weinen und viel Klagen: Rahel weint um ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen, denn sie sind nicht mehr.“ Rahel stehe dabei nicht nur für eine einzelne Mutter, sondern für das leidende Volk Israel und für die leidende Menschheit insgesamt. Ihr Weinen reiche bis in die Gegenwart – zu Kindern, die im Krieg sterben, zu zerstörter Unschuld und zu zerbrochenen Lebensgeschichten.

Die Frage nach dem Warum des Leids sei, so der Geistliche, kein Zeichen schwachen Glaubens, sondern Ausdruck dieser Klage selbst. Gott sei nicht der Urheber von Tod und Gewalt; Leid sei Folge der gefallenen Welt und des Missbrauchs menschlicher Freiheit. Ein göttliches Eingreifen, das jede böse Tat verhindere, würde die Freiheit des Menschen aufheben und damit auch die Möglichkeit zur Liebe.

Stattdessen habe Gott einen anderen Weg gewählt: Er werde selbst Mensch. Christus teile das Schicksal der Bedrohten, werde Flüchtling und Opfer von Gewalt und trage das Leid bis in den Tod hinein. Erlösend sei nicht das Leid an sich, sondern die Nähe Christi im Leid. Christus nehme den Menschen das Kreuz nicht immer ab, trage es aber mit ihnen – und darin liege die christliche Hoffnung, dass kein Schmerz und kein Mensch mehr gottverlassen sei.



Die UOJ berichtete zuvor, dass sich Bischof Irenei von London in seiner Katechesereihe zu den Anathemen der orthodoxen Kirche mit Theosophie, Okkultismus und geistlicher Täuschung befasste.

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