„Man kann nicht die Wahrheit erkennen und weiterleben wie früher“ — Priester Alexej Veselov
Exklusivinterview der UOJ mit Priester und Missionar Alexej Veselov über die Zukunft der Orthodoxie in Deutschland.
Priester Alexej Veselov ist Vorsteher der Kirche der heiligen Großmärtyrerin Barbara in Krefeld und einer der bekanntesten orthodoxen Missionare im deutschsprachigen Raum.
Er ist Referent der Jugendabteilung und Referent der Liturgischen Kommission der Berlin-Deutschen Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK). Außerdem organisiert Vater Alexej orthodoxe Lager und Jugendprojekte und ist Initiator der Orthodoxen Theologischen Fernschule. Für viele Deutsche wurden gerade diese Projekte zur ersten Begegnung mit der Orthodoxie.
In den vergangenen Jahren hat Vater Alexej zahlreiche missionarische Projekte für den deutschsprachigen Raum geschaffen. Nur ein kleiner Teil davon sind die Internetseiten Orthpedia und Orthodoxe Heirat.
Zu seinen YouTube-Projekten gehören die Kanäle OrthMedien mit Vorträgen, Interviews und Antworten auf Fragen zum orthodoxen Glauben, Orthodoxe Predigten mit deutschsprachigen Predigten der Gemeinde der heiligen Barbara in Krefeld sowie der YouTube-Kanal Orthpedia, der der Katechese und der missionarischen Arbeit gewidmet ist.
Sie sind ein medial bekannter Priester und Missionar und engagieren sich in verschiedenen Medienprojekten. Welche dieser Projekte halten Sie persönlich für die erfolgreichsten und warum?
Das Projekt, das mich momentan am meisten beschäftigt, ist die Orthodoxe Theologische Fernschule. Bis vor kurzem waren die einzigen Möglichkeiten, sich in deutscher Sprache theologisch bilden zu lassen, die orthodoxe theologische Fakultät an der LMU in München und der Lehrstuhl für Orthodoxe Theologie in Münster. Gerade die Fakultät in München hat eine längere Tradition und bietet ein hohes Bildungsniveau. Allerdings ist das Studium in München ein vollwertiges Diplomstudium in Präsenz und kommt deshalb nur für eine spezielle Gruppe von Interessenten in Betracht.
Andere Angebote gab es bisher nicht und die Fernschule ist ein Versuch, diese riesige Lücke im Bildungsangebot zu füllen. Aktuell bietet die Fernschule zwei Kurse an: einen Katechesekurs und einen theologischen Kurs. Der Katechesekurs dauert ein Jahr und richtet sich an Menschen, die den orthodoxen Glauben in seinen Grundzügen kennenlernen möchten, z. B. an Katechumenen. Der theologische Kurs geht über drei Jahre und hat ein wesentlich höheres Niveau. Er richtet sich an Mitarbeitende in Gemeinden: Katecheten, Lehrer der Sonntagschulen, Kirchenälteste, Sänger, Leser, Altardiener usw. Besonders erfreulich ist für mich, dass bereits zwei unserer Studenten zu Diakonen geweiht wurden und weitere Diakonweihen im Gespräch sind.
Der Erfolg der Schule zeigt sich an den Studentenzahlen. Allein dieses Jahr haben wir 150 neue Studenten aufgenommen und konnten doch nicht alle aufnehmen, die sich angemeldet hatten. Einige Studenten sind schon lange orthodox und sagten mir bei der Aufnahme, dass sie seit Jahrzehnten auf ein solches Angebot gewartet haben!
Andere sind gerade erst auf ihrem Weg zum Glauben, aber auch für sie ist die Fernschule eine große Unterstützung. Mit anderen Worten – die deutschsprachige Orthodoxie ist groß und wächst weiter. Und unter ihren Mitgliedern gibt es einen Wissensdurst, den die Fernschule aufgreift.
Ein weiteres Erfolgsrezept ist, dass unsere Schule von der Zusammenarbeit lebt. Zwar gehört die Schule zur St.-Barbara-Gemeinde der Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche, doch sind sowohl die Studenten wie auch die 19 Dozenten der Schule aus verschiedensten orthodoxen Diözesen und sogar Ländern. Die Arbeit der Schule wird über das Christliche Orthodoxe Informationszentrum e.V. organisiert.
Wie sind Sie zu dieser Form der missionarischen Arbeit gekommen? Viele Gemeinden in Deutschland konzentrieren sich vor allem darauf, ihre eigene Diaspora seelsorgerlich zu betreuen – was auch richtig ist. Wie sind Sie zu der Überzeugung gelangt, dass es notwendig ist, gezielt Projekte auf Deutsch zu entwickeln und missionarisch unter Einheimischen zu wirken?
Nun ja, ich denke, wenn die Apostel sich seinerzeit darauf konzentriert hätten, ihre eigenen Gemeinden seelsorgerlich zu betreuen, das Christentum würde heute ganz anders aussehen. Die Predigt, die Mission gehören zum Christ-Sein genauso dazu wie das tägliche Gebet und der Besuch der Liturgie am Sonntag. Immerhin ist es eines der Gebote – „Gehet also hin und machet alle Nationen zu Jüngern, und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19). Und wir können uns nicht aussuchen, welche Gebote aus der Bibel wir befolgen und welche nicht. Für mich ist es also klar, dass auch das Gebot der Mission von jeder Gemeinde und von jedem einzelnen Priester und Gläubigen getragen werden muss.
In Deutschland gibt es viele deutschsprachige Menschen, die entweder zu keiner Kirche gehören oder nicht gläubig sind. Entsprechend müssen wir für diese Menschen die Türen in unsere Kirche öffnen.
Dass ich persönlich mich vor allem im deutschsprachigen Bereich engagiere, hat sich so gefügt. Ich bin in Deutschland aufgewachsen, kann also die Sprache perfekt sprechen und bin auch mit den Realitäten des hiesigen Lebens und der Mentalität vertraut. Das sind quasi meine Talente – und ich habe mich entschlossen, diese Talente zu nutzen und mit ihnen Gott und den Menschen zu dienen.
Ihre Gemeinde in Krefeld ist zu einem Anziehungspunkt auch für Deutsche geworden, die zum orthodoxen Glauben finden. Viele von ihnen engagieren sich aktiv – zum Beispiel im Gemeindeleben oder in der Sonntagsschule. Was bewegt Ihrer Meinung nach deutsche Konvertiten dazu, gerade in der Orthodoxie ihre geistliche Heimat zu finden?
Der Hauptgrund orthodox zu werden – ob für Konvertiten oder nicht – sollte der wahre Glaube sein. Wenn der orthodoxe Glaube der richtige ist, sollte man orthodox werden. Wäre ein anderer Glaube der richtige – müsste der Weg die Menschen dorthin führen.
Wenn wir uns die religiöse Landschaft in Deutschland ansehen, sehen wir, dass viele Konfessionen sowohl den Glauben wie auch die biblische Moral aufgeweicht haben. Wir haben christliche Pastoren, die in einem Interview sagen, dass die Bibel ein frommes Märchen ist. Wir haben Theologen, die behaupten, es sei egal, zu welcher Religion oder Konfession man gehöre – wodurch sie die Basis der evangelischen Botschaft aushebeln. Wir haben ganze Kirchen, die sich von biblischen Normen der Moral abwenden. Viele gläubige bzw. nicht gläubige Menschen ziehen dabei leider mit.
Doch es gibt auch heute noch Menschen, die sich ernsthaft mit dem Glauben beschäftigen. Sie fragen: „Was ist Wahrheit?“, „Wer ist der echte und wahre Gott?“, „Wie will Er, dass wir leben?“, „Was ist der Bibel nach richtig und falsch?“, „Was ist die Kirche Christi?“
Und da bietet die Orthodoxie eine klare und eindeutige Antwort. Wenn man uns nach dem Glauben fragt, dann philosophieren wir nicht drum herum, sondern antworten: DAS ist der christliche Glaube. Das sagen dazu die Bibel, die Kanones und die Heiligen Väter. Wenn man uns fragt, was moralisch richtig und falsch ist, dann berufen wir uns nicht aufs heute oder darauf, was in unserer Gesellschaft für richtig oder falsch angesehen wird, sondern auf die Bibel. So steht es in der Bibel, also ist das so richtig und Punkt. Wenn man uns nach der christlichen Praxis fragt, dann sagen wir: man MUSS jeden Sonntag in die Kirche gehen, man MUSS jeden Morgen und jeden Abend 20 Minuten beten, man MUSS die Fastenregeln einhalten usw.
Diese Herangehensweise mögen manche moderne Menschen für rückständig halten, aber für uns ist es die universelle und ewige Wahrheit. Für uns sind die Existenz von Gott, die leibliche Auferstehung Christi von den Toten, die Kommunion am Leib und Blut Christi Tatsachen.
Ich denke, dass die Orthodoxie heute in Deutschland eine der wenigen christlichen Kirchen ist, die den Glauben so bestimmt predigt und lebt. Und diese klare Botschaft ist eben das, was viele – und gerade junge Menschen – anspricht.
Und übrigens, falls ein solcher Rigorismus jemanden stört, wissen Sie, was die Alternative ist? Der Islam. Genauso, wie heute viele Orthodox werden, werden auch viele muslimisch. Und ich denke, dass es nicht wegen der besonderen inhaltlichen Fülle ist, die der Islam bietet, sondern wegen seiner Bestimmtheit. Im Gegensatz zu vielen westlichen Christen sind die meisten Muslime von ihrem Glauben überzeugt. Außerdem bietet der Islam simple Antworten auf Fragen und gibt konkrete Vorschriften für das Leben. Ich bin natürlich nicht der Meinung, dass der Islam der richtige Weg ist. Aber Menschen, die einen klaren religiösen Weg suchen und im Christentum nicht fündig werden, finden im Islam ein konsequentes und klar strukturiertes religiöses Angebot.
In sozialen Netzwerken und in den Gottesdiensten verschiedener orthodoxer Kirchen in Deutschland sieht man immer häufiger junge Menschen. Wie kann man verhindern, dass sie nach einer anfänglichen Begeisterung (Neophytenphase) wieder weggehen – wegen Alltag, Familie oder anderer Umstände? Und wie können sie nicht nur „anwesend“ sein, sondern wirklich in der Kirche wachsen und ihren Platz finden?
In den letzten Jahren gibt es hier tatsächlich eine Entwicklung, von der fast alle orthodoxen Priester in Deutschland und Österreich berichten. Sehr viele junge Menschen, vor allem im Alter von 14 bis 25 Jahren, kommen in die Gemeinden. Bei uns in Krefeld haben wir gefühlt jede Woche jemanden aus der Altersgruppe, der neu dazu kommt.
Aber das von Ihnen angesprochene Problem ist tatsächlich gegeben, denn es reicht nicht, jemanden in die Kirche einzuladen, es reicht nicht einmal, eine Katechese anzubieten und zu taufen. Christus hat nicht eine abstrakte Weltanschauungslehre gegründet, sondern eine Kirche. Und zur Kirche gehört nicht nur Gott, die Sakramente und der Gottesdienst, sondern auch die Gemeinde.
Schon im Buch Genesis heißt es: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“ (Gen 2,18). Und dieses Prinzip bezieht sich nicht nur auf die Ehe. Insofern – eine Gemeinde muss für ihre Mitglieder auch soziale Aspekte bieten.
Bei uns in Krefeld gibt es jeden Sonntag nach dem Gottesdienst eine Sonntagschule für Kinder und Jugendliche, eine deutschsprachige Katechesegruppe mit unserem Diakon Igor Willimowski, Gemeindefeste usw. Es ist wichtig, dass es in der Gemeinde jemanden gibt, der die deutschsprachigen Mitglieder vereint – angefangen vom aktiven Begrüßen und Einführen ins Gemeindeleben bis hin zu Treffen und Veranstaltungen, bei denen man sich kennenlernt und austauscht. Und dazu braucht es nicht viele Ressourcen. Ich kenne Gemeinden, die außer der Kirche keine Räumlichkeiten haben. Dann spricht man am Ende des Gottesdienstes eben die Leute an und bietet ihnen an, sich in einen Stuhlkreis in der Kirche zu setzen und zu reden. Oder man stellt sich vor der Kirche mit einer Thermokanne Kaffee und ein paar Keksen und spricht. Oder man ruft die Leute auf einen Kaffee ins nächste Café. Natürlich gibt es viele andere Möglichkeiten, aber selbst ein solches Angebot macht schon viel aus.
Dazu muss ich jedoch sagen, dass ich auch die jungen Leute selbst bzw. die deutschen Konvertiten in der Pflicht sehe. Es gibt ein russisches Sprichwort: „Die Rettung der Sinkenden ist eine Sache der Sinkenden“. Ohne die Geistlichen der Gemeinden aus der Pflicht nehmen zu wollen, bin ich der Meinung, dass man nicht darauf warten sollte, bis ein ausländischer Priester kommt und für mich alles erledigt. Heute sind es gerade junge Menschen gewohnt, dass es für sie „Angebote“ gibt, dass man sich um sie kümmert, „abholt“ usw. Aber dafür fehlen der orthodoxen Kirche in Deutschland sowohl die personellen wie auch die materiellen Ressourcen.
Ich sehe unter jungen Leuten und unter vielen Konvertiten zu wenig Initiative. Du bist vom orthodoxen Glauben überzeugt, wurdest in die Kirche aufgenommen? Dann los, mache etwas. Biete dem Priester an, im Gottesdienst auf Deutsch zu lesen. Gründe einen deutschsprachigen Chor, der Teile des Gottesdienstes singt. Sprich Neuankömmlinge nach dem Gottesdienst an und lade sie auf ein Gespräch ein.
Studiere an der Theologischen Fernschule und werde zum Katecheten oder Lehrer der Sonntagschule in deiner Gemeinde. Erstelle eine deutschsprachige Webseite deiner Gemeinde. Organisiere ein Treffen der deutschsprachigen Gemeindemitglieder mit dem Priester oder einem anderen theologisch Kundigen aus der Gemeinde. Oder – werde sogar selbst Priester oder Diakon. Ich denke, dass die Orthodoxie nur dann eine Zukunft in Deutschland haben wird, wenn es mehr deutsche Orthodoxe gibt, die selbst aktiv werden und Gott und den Menschen dienen wollen.
Wie sehen Sie die Zukunft der Orthodoxie in Deutschland in den nächsten zehn Jahren? Wird sie weiterhin aus verschiedenen nationalen Jurisdiktionen bestehen oder sehen Sie eine mögliche Annäherung oder sogar strukturelle Einheit?
Ich denke, das spielt keine Rolle. Viele Menschen haben die Idee: Wir brauchen eine deutsche orthodoxe Kirche! Aber – eine institutionelle Veränderung wird nichts an der Realität verändern. Wie oft kommt es vor, dass es eine gute Idee gibt und dazu ein Verein gegründet wird. Man schreibt eine Satzung, meldet den Verein an, macht eine schöne Webseite. Doch ob die Idee, für die der Verein gegründet wurde, lebt oder nicht, kommt nicht auf die schöne Satzung an. Es kommt darauf an, ob es Menschen gibt, die sich für diese Idee begeistern und sich für diese engagieren.
Und ob das eintritt werden wir mit den Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten sehen. Sollte es passieren, werden sich die strukturellen Veränderungen selbst ergeben. Nicht aus einer künstlich erzwungenen Umstrukturierung, sondern aus der neuen Realität heraus.
Wenn Sie auf die letzten zehn Jahre zurückblicken – welche Entwicklungen waren entscheidend?
Natürlich kann man hier die Migration aus orthodoxen Ländern erwähnen – ohne diese würde man in Deutschland wahrscheinlich kaum etwas vom orthodoxen Glauben wissen. Aber ansonsten sehe ich da keine schicksalsträchtigen Ereignisse. Die Orthodoxie in Deutschland ist spontan und kaum koordiniert. Es gibt keine geplante Mission oder koordinierte Entwicklung. Das meiste ergibt sich, weil es sich ergibt.
Irgendwo in Rumänien beschließt ein Priester mit seiner Familie aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland zu migrieren. In irgendeiner deutschen Mittelstadt findet er Arbeit als Handwerker, siedelt sich dort an und macht nebenbei eine Kirchengemeinde auf. Das kann natürlich auch ein ukrainischer Geflüchteter oder ähnliches sein – aber die Gemeindegründungen passieren meist nicht, weil ein Bischof diese strategisch plant, sondern weil es sich ergibt. Genauso ist es mit deutschsprachigen Gemeinden – ein junger Mann interessiert sich für den orthodoxen Glauben, wird in einer orthodoxen Gemeinde aufgenommen und entschließt sich, Priester zu werden. Und gründet eine deutschsprachige Gemeinde – halt in der Region, in der er gerade wohnhaft ist.
Irgendwo konvertiert zufällig ein Kirchenmusiker und gründet einen deutschsprachigen orthodoxen Chor. Irgendwo gibt es jemanden, der sich entscheidet, sich in der Jugendarbeit zu engagieren. Selbst solche Initiativen wie unsere Orthodoxe Theologische Fernschule. Sie wurde nicht eröffnet, weil irgendein Gremium sich das ausgedacht und initiiert hat. Es hat sich ein Priester irgendwo in einer Gemeinde gefunden, der die Idee hatte und diese Idee umsetzen konnte.
Wenn man die Orthodoxie in Deutschland beurteilt, halte ich es für wichtig, diesen Aspekt zu berücksichtigen. Wobei man dazu sagen muss, dass das nicht etwa ein Versäumnis der Bischöfe oder von sonst jemandem ist. Der Orthodoxie in Deutschland fehlen, wie ich schon sagte, menschliche und materielle Ressourcen. Insofern wird viel vom Enthusiasmus getragen. Es gibt viele tolle Ideen, was man machen könnte, um das Kirchenleben zu entwickeln, aber ich sage immer zu solchen Ideen: Die Frage ist nicht, was wir machen wollen, sondern was wir mit unseren eingeschränkten Ressourcen machen können.
Und welche Rolle sehen Sie persönlich für sich selbst in der Zukunft der Orthodoxie in Deutschland?
Bis jetzt habe ich immer versucht, Lücken zu schließen. Die Orthodoxie war kaum im deutschsprachigen Web vertreten, also habe ich vor knapp 20 Jahren die Enzyklopädie orthpedia.de gemacht. Mit der Zeit sind weitere Internetwebseiten dazugekommen. So wurde ich z. B. oft angeschrieben und gefragt, wie eine orthodoxe Hochzeit abläuft, wie und wer heiraten kann usw. Also habe ich die Seite orthodoxe-heirat.de gemacht, um einmal auf alle Fragen zu antworten und später darauf zu verweisen.
Als YouTube zum Standard wurde, es aber noch nichts über die Orthodoxie auf Deutsch im Videoformat gab, habe ich Videoaufnahmen mit Priestern und Theologen gedreht und veröffentlicht. Später habe ich auch selbst eine Videoreihe mit Fragen und Antworten zum orthodoxen Glauben gedreht.
Irgendwann ist mir aufgefallen, dass deutschsprachige liturgische Texte nur über verstaubte Fachbibliotheken zugänglich sind, es aber eine große Nachfrage für die Nutzung in den Gemeinden gab. Also habe ich die Texte digitalisiert und ein Programm geschrieben, welches die Texte zu einem Gottesdienst kompiliert und über eine Webseite online anzeigt. Selbst das neueste Projekt, die Fernschule, ist aus der erwähnten Lücke an Bildungsangeboten entstanden.
Ich denke, man könnte meine Tätigkeit so beurteilen, dass ich versuche, alle Informationen und Instrumente bereitzustellen, die für eine deutschsprachige Orthodoxie notwendig sind. Ob sich Menschen finden, die diese Instrumente nutzen und welche Früchte die Arbeit in der Perspektive von 30 bis 50 Jahren bringen wird, wird sich zeigen.
Vor Kurzem haben wir das lichte Fest der Auferstehung Christi, das Osterfest, gefeiert. Worüber sollten orthodoxe Christen in diesen österlichen Tagen besonders nachdenken?
Christus ist leibhaftig von den Toten auferstanden! Das ist wahr, das ist die Realität. Die Auferstehung Christi gibt uns Hoffnung, erfüllt uns mit Freude. Sie ist das Licht, das über die Welt erstrahlt. Aber sie ist auch eine Verpflichtung für uns, denn man kann nicht die Wahrheit erfahren und sein Leben so weiterführen wie früher. Sie lehrt uns auch Opferbereitschaft, denn ohne DAS Opfer würde es keine Auferstehung geben. Ich könnte zum Nachdenken zwei Fragen vorschlagen: Lebe ich im Bewusstsein der Auferstehung Christi? Folge ich Christus tatkräftig?
Ich denke, man sollte seinen Glauben immer wieder aktualisieren, um sein Leben jeden Tag aufs Neue auf den Weg der Errettung auszurichten.