„Wenn Gott da ist, dann ist gute Zeit, egal, was draußen für eine Zeit ist“
Abt Johannes vom Kloster Buchhagen deutet das Evangelium vom Fischfang als Einladung, das eigene Leben auf Gott zu gründen und in schwierigen Zeiten nicht zu verzagen.
In seiner Predigt zum 1. Sonntag nach dem Festabschluss der Kreuzerhöhung stellte Abt Johannes vom bulgarisch-orthodoxen Kloster Buchhagen den Fischzug des Petrus nach (Lk 5,1–11) in einen größeren Zusammenhang mit der paulinischen Lesung des Tages (2. Kor 6,16–7,1). Entscheidend sei nicht, ob die äußeren Lebensumstände angenehm oder schwierig seien, sondern die Beziehung des Menschen zu Gott: „Wenn Gott da ist, dann ist gute Zeit, egal, was draußen für eine Zeit ist.“ Das Kloster veröffentlichte die Predigt am 26. September 2026 auf seinem YouTube-Kanal.
Abt Johannes griff in seiner Predigt zunächst das Bild des Fischerkönigs aus der mittelalterlichen Mythologie auf und verband es mit der Gestalt des Petrus. Der wahre König gründe in Gott und verstehe seine Stellung nicht als persönliche Auszeichnung, sondern als Dienst vor Gott. Ähnlich beschreibt der Abt die christliche Existenz: Der Mensch solle nicht das Eigene suchen, sondern sich in den Dienst Gottes stellen. Gerade darin liege die Voraussetzung dafür, auch in Verfolgung, Leid, Krankheit, Misserfolg oder anderen Krisen nicht zu verzweifeln.
Von dort aus deutete er den Fischzug des Petrus. Das Boot, in dem Christus das Volk lehrt und anschließend mit den Jüngern hinausfährt, steht für Abt Johannes für die Kirche; das Wasser verweist auf die fließende Zeit, während das Land das irdische und weltliche Dasein symbolisiert. Der Schritt, sich vom Ufer abzustoßen, wird damit zum Bild für die christliche Askese: Der Mensch soll sich nicht von der Welt bestimmen lassen, sondern sein Leben auf Gott und die Ewigkeit gründen.
Der anschließende Fischfang wird als Frucht dieser Hinwendung zu Gott verstanden. Petrus hatte nach einer erfolglosen Nacht zunächst Zweifel, folgt aber dennoch der Aufforderung Christi. Der überreiche Fang wird so zum Bild dafür, was geschehen kann, wenn der Mensch „nicht das eigene sucht, sondern Gott sucht in Liebe und Wahrhaftigkeit“. Der eigentliche Kern der Evangeliumsdeutung liegt für Abt Johannes deshalb nicht in der Menge der gefangenen Fische, sondern in der Haltung des Menschen: Entscheidend sei, ob sein Sinnen und Trachten mit dem Willen Gottes übereinstimme.
Das Dreifaltigkeitskloster Buchhagen ist das einzige Kloster der Bulgarisch-Orthodoxen Metropolie von West- und Mitteleuropa in Deutschland.
Die UOJ berichtete zuvor, dass die DOM-Gesellschaft sich bei ihrer Sommertagung im Kloster Unterufhausen dem Thema der Beichte widmete.
