Kosovo: UÇK-Flaggen an serbisch-orthodoxen Kirchen in Lipljan angebracht
Die Eparchie Raška-Prizren sieht in der Aktion eine gezielte Einschüchterung der serbischen Bevölkerung und fordert Konsequenzen.
Die serbisch-orthodoxe Eparchie Raška-Prizren hat die Anbringung von UÇK- und albanischen Nationalflaggen am Zaun zweier historischer Kirchen in Lipljan, Kosovo und Metochien, als gezielte Provokation und Einschüchterung der verbliebenen serbischen Bevölkerung verurteilt. Die Eparchie kündigte Strafanzeigen an und appellierte an Polizei, Justiz sowie internationale Organisationen, den Vorfall konsequent aufzuklären. Darüber berichtete das Patriarchat am 11. August 2026 auf seiner Webseite.
Nach Angaben der Eparchie beobachtete eine Streife der kosovarischen Polizei am Abend des 10. August zwei Personen beim Anbringen der Flaggen am Kirchentor und am Zaun der mittelalterlichen Kirche der Darstellung der Allerheiligsten Gottesgebärerin aus dem 14. Jahrhundert sowie der Kirche der heiligen Märtyrerinnen Flora und Laura. Die Verdächtigen seien festgenommen und die Flaggen entfernt worden.
Die Eparchie erklärte jedoch, erst das weitere juristische Vorgehen werde zeigen, ob die Tat angemessen verfolgt werde. Sie kündigte an, nach offizieller Identifizierung der Festgenommenen Strafanzeige zu erstatten und eine Prüfung wegen möglicher Anstiftung zu ethnischem und religiösem Hass sowie der Schändung geschützter Kultur- und Religionsstätten zu verlangen.
Die UÇK (Ushtria Çlirimtare e Kosovës, Kosovo-Befreiungsarmee) war eine bewaffnete albanische Guerillaorganisation, die Ende der 1990er-Jahre im Kosovokrieg gegen serbische Sicherheitskräfte kämpfte. Während sie von vielen Kosovo-Albanern als Befreiungsbewegung betrachtet wird, verbindet die serbisch-orthodoxe Kirche ihre Symbole mit Vertreibungen, Entführungen, Morden und der Zerstörung orthodoxer Kirchen während und nach dem Konflikt. Vor diesem Hintergrund wertet die Eparchie das Anbringen der UÇK-Flagge an einer Kirche nicht als politische Meinungsäußerung, sondern als gezielte Einschüchterung und Machtdemonstration.
Besonders schwer wiege der Vorfall angesichts der Tatsache, dass heute nur noch wenige Hundert Serben in Lipljan lebten und die beiden Kirchen zu den letzten sichtbaren Zeugnissen der jahrhundertealten serbisch-orthodoxen Präsenz gehörten. Bereits 2023 und 2025 habe es ähnliche Angriffe auf denselben Kirchenkomplex gegeben, deren Täter nicht zur Verantwortung gezogen worden seien.
Die Eparchie ordnete den Vorfall in eine Reihe weiterer Entwicklungen ein, die nach ihrer Darstellung das Sicherheitsgefühl der serbischen Bevölkerung beeinträchtigen. Genannt werden unter anderem Festnahmen serbischer Teilnehmer einer Gedenkveranstaltung in Gazimestan, Beschwerden über das Vorgehen der kosovarischen Polizei bei kirchlichen Veranstaltungen, mögliche Einschränkungen für Pilgerreisen sowie Bauarbeiten in der Schutzzone des Klosters Visoki Dečani.
Zugleich äußerte die Eparchie Zweifel an der jüngsten Einschätzung der KFOR, wonach sich die Sicherheitslage verbessert habe. Sie warnte davor, die Verantwortung für den Schutz des Klosters Visoki Dečani schrittweise auf die Kosovo-Polizei zu übertragen, solange sich die Lage der serbischen Bevölkerung und der Kirche nicht nachweislich verbessert habe.
Die UOJ berichtete zuvor, dass die Orthodoxe Theologische Fernschule in Krefeld erstmals einen Ausbildungsgang für angehende Geistliche startet.