Vortrag beleuchtete die geistliche Lehre des heiligen Nikolaj Velimirović

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Tillmann Schmitz trug bei der Theologischen St.-Justin-Konferenz im serbisch-orthodoxen Kloster in Geilnau den von Marko Delić verfassten Vortrag über die geistliche Lehre des heiligen Nikolaj Velimirovićs vor. Foto: Screenshot YouTube Tillmann Schmitz trug bei der Theologischen St.-Justin-Konferenz im serbisch-orthodoxen Kloster in Geilnau den von Marko Delić verfassten Vortrag über die geistliche Lehre des heiligen Nikolaj Velimirovićs vor. Foto: Screenshot YouTube

Marko Delić stellte bei der Theologischen St.-Justin-Konferenz die spirituelle Theologie, das Gebetsleben und die Kulturkritik des serbischen Heiligen in den Mittelpunkt

Der Vortrag „Die geistliche Lehre des heiligen Nikolaj von Ohrid und Žiča (Nikolaj Velimirović)“ hat sich bei der Theologischen St.-Justin-Konferenz am 14. und 15. Juli 2026 im serbisch-orthodoxen Kloster in Geilnau an der Lahn vor allem der geistlichen Theologie eines der bedeutendsten orthodoxen Bischöfe des 20. Jahrhunderts gewidmet. Der von Marko Delić verfasste Vortrag wurde von Tillmann Schmitz vorgetragen. Das Kloster veröffentlichte den Vortrag nach der Konferenz auf seinem YouTube-Kanal.

Delić skizzierte zunächst den Lebensweg Nikolaj Velimirovićs vom international ausgebildeten Theologen zum asketischen Bischof von Ohrid. Entscheidend sei dabei die geistliche Wende gewesen, durch die sich sein Denken von einer religionsphilosophischen Orientierung hin zu einer Theologie entwickelte, die aus Liturgie, Gebet und der Erfahrung der Kirche schöpfe. Die Zeit als Bischof von Ohrid habe sein theologisches Werk nachhaltig geprägt.

Den Schwerpunkt des Vortrags bildete Nikolajs geistliche Lehre. Seine Schriften vereinten nach Delić Theologie, Philosophie, Dichtung und Mystik zu einer Einheit. Besonders die „Gebete am See“ seien Ausdruck einer Theologie, die nicht abstrakt argumentiere, sondern aus dem unaufhörlichen Gebet hervorgehe. Akademische Theologie verliere ihren eigentlichen Sinn, wenn sie sich von Liturgie und Gebetsleben löse; orthodoxe Theologie müsse stets in der geistlichen Erfahrung der Kirche verwurzelt bleiben. Als Beispiel zitierte der Referent das Gebet, in dem Nikolaj stellvertretend für die Sünden aller Menschen Buße tue und Gottes Gnade erflehe.

Ausführlich widmete sich der Vortrag auch Nikolajs Schrift „Worte an das serbische Volk durch das Fenster der Gefängniszelle“, die während seiner Haft entstand. Delić deutete sie als geistliche Diagnose einer europäischen Zivilisation, deren kultureller und wissenschaftlicher Fortschritt nicht verhindert habe, dass sie in die Barbarei der Konzentrationslager mündete. Dabei ordnete er Nikolajs Kulturkritik in einen weiteren europäischen Kontext ein und zog Parallelen zu Hannah Arendt, Thomas Mann, Dietrich Bonhoeffer und Theodor W. Adorno. Zugleich hob er hervor, dass Nikolajs Kritik nicht gegen Bildung oder Wissenschaft gerichtet gewesen sei, sondern gegen eine Kultur, die sich von Christus gelöst habe.

Ein weiterer Abschnitt befasste sich mit den gegen den Heiligen erhobenen Antisemitismusvorwürfen. Der Referent unterschied zwischen politischem Antisemitismus und dem traditionellen theologischen Antijudaismus und verwies darauf, dass der Bischof während des Zweiten Weltkriegs eine jüdische Mutter und ihre Tochter über viele Monate versteckte und ihnen so das Leben rettete. Dies spreche gegen eine antisemitische Haltung des serbischen Heiligen.

Zum Abschluss schilderte Delić mehrere Begebenheiten, die nach seiner Darstellung die geistliche Persönlichkeit Nikolajs verdeutlichen. Dazu gehörten dessen bewusst provokantes Auftreten, um die Gläubigen zur Umkehr aufzurufen, seine Berichte über eine mystische Gotteserfahrung während der Haft im Konzentrationslager Dachau sowie ein überliefertes Heilungswunder aus der Zeit des Kriegsendes. Der Vortrag schloss mit dem Tropar des heiligen Nikolaj, der ihn als „Lehrer der Reue und Buße“ und „Goldmund“ der serbischen Kirche preist.

Die UOJ berichtete zuvor, dass die Russische Auslandskirche ein theologisches Institut in Europa gründet und vorbereitende Russischkurse startet.

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