Von 120 auf 12 Gläubige geschrumpft – Gemeinde im Libanon fast verschwunden
Krieg und Vertreibung treffen Christen im Südlibanon hart – Hilfswerk schlägt Alarm
Das dramatische Schrumpfen einer christlichen Gemeinde im südlibanesischen Al-Kfour steht exemplarisch für die anhaltende Vertreibung von Christen im Nahen Osten. Das internationale Hilfswerk „Kirche in Not“ berichtete am 16. Juni 2026 von wachsender Unsicherheit, zerstörtem Vertrauen und einer ungewissen Zukunft der verbliebenen Gläubigen.
Innerhalb weniger Monate ist die maronitische Gemeinde im Dorf Al-Kfour im Distrikt Nabatäa nahezu vollständig verschwunden. Von einst rund 120 Gläubigen leben heute nur noch etwa ein Dutzend dauerhaft vor Ort. Viele Familien sind vor den Kämpfen geflohen, andere sahen sich gezwungen, ihre Existenzgrundlage zurückzulassen.
Pfarrer Youssef Semaan beschreibt die Entwicklung als tiefgreifenden Bruch im jahrzehntelang gewachsenen Zusammenleben. Der Krieg zerstöre nicht nur Häuser, sondern auch Vertrauen und Gemeinschaft. Für den Geistlichen, dessen Vater im Bürgerkrieg entführt wurde und starb, ist dies ein besonders schmerzlicher Rückschlag seines Einsatzes für Versöhnung.
Seit der jüngsten Eskalation im Südlibanon durch Israel sind auch zivile Ziele zunehmend betroffen. Häuser von Gemeindemitgliedern wurden zerstört, die Sicherheitslage verschlechtert sich kontinuierlich. Viele Christen stehen vor der existenziellen Entscheidung, entweder zu bleiben und ihr Leben zu riskieren oder ihre Heimat dauerhaft zu verlassen.
Trotz der dramatischen Lage hält Pfarrer Youssef Semaan an der Hoffnung fest, betont jedoch, dass diese allein nicht ausreiche. Das Hilfswerk „Kirche in Not“ unterstützt weiterhin pastorale und humanitäre Maßnahmen, um den verbliebenen Christen ein Überleben und perspektivisch einen Wiederaufbau zu ermöglichen.
Die UOJ berichtete zuvor, dass an der Orthodoxen Theologischen Fernschule Krefeld erstmals seit ihrer Gründung Studierende das dreijährige Ausbildungsprogramm vollständig abgeschlossen haben.