Schüsse auf Kirche in Hanau: Kritik an fehlender Einstufung als christenfeindlich
Beobachtungsstelle OIDAC bemängelte enge Kriterien und forderte Anpassung der Erfassungspraxis
Nach Schüssen auf die Kirche Heilig Geist in Hanau während einer Sonntagsmesse hat die Nichtberücksichtigung des Vorfalls als christenfeindliche Straftat Kritik ausgelöst. Die Beobachtungsstelle für Intoleranz gegenüber und Diskriminierung von Christen in Europa (OIDAC) wirft den Behörden eine zu enge Auslegung der Kriterien vor. Darüber berichtete das christliche Onlinemagazin Corrigenda am 28. Mai 2026.
Unbekannte hatten während des Gottesdienstes am 17. Mai mit rund 200 Teilnehmern auf das römisch-katholische Kirchengebäude geschossen. Dabei wurden mehrere Einschüsse festgestellt, Glassplitter flogen in den Innenraum. Die Polizei geht davon aus, dass Softair-Waffen oder Zwillen mit Stahlkugeln verwendet wurden. Eine Person wurde leicht verletzt, der Sachschaden liegt bei etwa 5.000 Euro. Die Tat wird bislang von der Polizei als einfache Sachbeschädigung eingestuft.
Nach Angaben der zuständigen Behörden fehlt es an Hinweisen auf ein politisches oder ideologisches Motiv – eine Voraussetzung dafür, dass ein Vorfall in der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität als christenfeindlich erfasst wird. Auch eine Zuordnung zur Kategorie „Angriffsziel Kirche“ erfolge unter diesen Umständen nicht.
Die OIDAC kritisiert diese Bewertung scharf. Ihre Leiterin Anja Tang bezeichnet es als „abwegig“, bei einem Angriff auf eine Kirche während eines Gottesdienstes kein christenfeindliches Motiv zu erkennen. Die derzeitige Praxis des Bundeskriminalamts blende zahlreiche einschüchternde Angriffe aus, da sie zu stark auf politische Motive fokussiere. Im Vergleich zu internationalen Standards, etwa der OSZE, werde der Symbolcharakter solcher Taten unzureichend berücksichtigt.
Nach OIDAC-Angaben bleibt dadurch ein erheblicher Teil entsprechender Vorfälle statistisch unsichtbar. Während das Bundeskriminalamt für 2024 insgesamt 337 christenfeindliche Straftaten ausweist, dokumentierte die Organisation zusätzlich 134 Fälle, die nicht erfasst wurden. Die Beobachtungsstelle fordert daher eine grundlegende Überarbeitung der Erfassungsmethodik.
Die UOJ berichtete zuvor über einen neuen Videobeitrag von Erzpriester Martinos Petzolt zum Thema Krieg, Wehrdienst, Friedensgebot und die Ambivalenz in der kirchlichen Lehre.