Ethikerin warnte vor Normalisierung der Suizidassistenz

07. Februar, 20:33 Uhr
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Ethikerin Kummer. Foto: Kathpress Ethikerin Kummer. Foto: Kathpress

Beim Hospiz-Neujahrsempfang in Berlin plädierte Susanne Kummer für eine Kultur der Sorge und den Ausbau der Palliativversorgung.

Bei einer Veranstaltung in Berlin hat die Wiener Bioethikerin Susanne Kummer davor gewarnt, dass assistierter Suizid in Europa zunehmend als normale Option am Lebensende betrachtet werden könnte. Sie sprach sich stattdessen dafür aus, die Hospiz- und Palliativversorgung stärker in den Mittelpunkt zu stellen und deren strukturelle sowie finanzielle Rahmenbedingungen gezielt auszubauen. Ziel müsse es sein, schwerkranken und sterbenden Menschen durch umfassende Betreuung, Begleitung und Schmerztherapie Alternativen zu einer Ausweitung der Suizidassistenz zu bieten. Darüber berichtete Kathpress.

Nach Einschätzung der Ethikerin hat sich die gesellschaftliche Haltung zum Lebensende spürbar verschoben. Ein großer Teil der Bevölkerung in der Europäischen Union lebt heute in Staaten, in denen assistierter Suizid rechtlich möglich ist. Untersuchungen deuteten darauf hin, dass entsprechende Wünsche häufig nicht in erster Linie auf körperliche Schmerzen zurückzuführen sind, sondern auf Ängste vor dem Verlust von Selbstständigkeit, Würde oder vor der eigenen Pflegebedürftigkeit. Als besonders verletzlich gelten dabei ältere Menschen sowie Frauen. Die Möglichkeit der Suizidbeihilfe könne zudem dazu beitragen, innere Hemmungen abzubauen und als scheinbar unkomplizierte Lösung wahrgenommen zu werden.

Kummer machte deutlich, dass Entscheidungen am Lebensende nicht nur persönliche Angelegenheiten sind, sondern auch von sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Faktoren beeinflusst werden. Als Gegenmodell hob sie eine Kultur der Fürsorge hervor, die auf menschliche Nähe, verlässliche Begleitung und solidarische Gemeinschaft setzt. Vertreter der Hospizbewegung äußerten ebenfalls die Sorge, dass Suizidassistenz zunehmend als selbstverständliche Option wahrgenommen werden könnte, und sprachen sich für eine stärkere Verankerung der Suizidprävention sowie für den weiteren Ausbau von Hospiz- und Unterstützungsangeboten aus.

Zuvor hat die UOJ berichtet, dass in Paris eine Großdemo gegen geplante Legalisierung der Sterbehilfe stattfand.

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