Weihnachten als Entscheidung – Raum für Christus schaffen

09. Januar, 07:00 Uhr
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Priester Matthias Fröse deutet die Geburt Christi als stilles Kommen Gottes, das den Menschen zur Öffnung seines Herzens herausfordert. Foto: Screenshot YouTube Priester Matthias Fröse deutet die Geburt Christi als stilles Kommen Gottes, das den Menschen zur Öffnung seines Herzens herausfordert. Foto: Screenshot YouTube

Priester Matthias Fröse deutet das Fest der Geburt Christi als Herausforderung an Herz und Lebensführung

In seiner Predigt zum Hochfest der Geburt Jesu am 7. Januar 2026 sprach Priester Matthias Fröse von der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus Mainz (ROK) in der Außenstelle Meisenheim über das Geheimnis der Menschwerdung Gottes und die Frage, ob der Mensch Christus wirklich Raum gibt. Weihnachten verstand er nicht als bloßes Erinnerungsfest, sondern als existenzielle Entscheidung des Einzelnen. Die Predigt wurde auf dem YouTube-Kanal der Gemeinde veröffentlicht.

Im Mittelpunkt der Predigt stand das Geheimnis der Menschwerdung Gottes: Der Ewige tritt in die Zeit ein und begegnet der Welt nicht mit Macht, sondern in äußerster Niedrigkeit. Priester Matthias Fröse machte deutlich, dass Gott aus freier Liebe handelt und nicht deshalb Mensch wird, weil die Welt oder der Mensch darauf vorbereitet gewesen wären. Damit griff er die paulinische Deutung der Menschwerdung auf, nach der Gott selbst den entscheidenden Schritt zur Erlösung setzt (vgl. Gal 4,4–5). Diese göttliche Initiative stoße jedoch zunächst auf verschlossene Türen – nicht aus Feindschaft, sondern aus Bequemlichkeit und dem Wunsch nach Sicherheit.

Anhand der Weihnachtsgeschichte zeigte der Prediger, dass diese Haltung zeitlos ist. Menschen wollten Licht, Nähe und Feierlichkeit, jedoch ohne Störung und ohne Veränderung. So könne es geschehen, dass Weihnachten gefeiert werde, Christus aber keinen Platz finde. Dennoch ziehe sich Gott nicht zurück: Er wähle bewusst den letzten Ort und verwandle Dunkelheit in einen Raum des Lichts. Die Krippe werde so zum Thron, die Stille der Nacht zur ersten Verkündigung des Heils.

Priester Matthias Fröse betonte weiter, dass die Geburt Christi eine neue Beziehung zwischen Gott und Mensch eröffnet. Gott werde Mensch, um den Menschen aus der Distanz und Knechtschaft herauszuführen und ihn in eine vertrauensvolle Kindschaft hineinzunehmen (vgl. Gal 4,6–7). Weihnachten sei daher nicht nur Erinnerung, sondern Berufung. Gott nehme die menschliche Freiheit ernst und trage zugleich die Folgen ihres Missbrauchs – Angst, Trennung, Leid und Tod – selbst mit. Er bleibe nicht außerhalb der menschlichen Wirklichkeit, sondern trete ganz in sie ein, verwundbar und ohne Zwang.

Zum Abschluss stellte der Prediger die unterschiedlichen Reaktionen auf das Kommen Christi vor, wie sie das Evangelium schildert: die Angst vor Machtverlust, das bloße Wissen ohne Bewegung und schließlich den aufbrechenden Glauben der Weisen aus dem Osten (vgl. Mt 2,1–12). Diese machten sich trotz Unsicherheit auf den Weg und fanden im Kniefall vor dem Kind ihren rechten Platz. Ihre Gaben deuteten bereits auf Königtum, Göttlichkeit und das kommende Leiden Christi hin. Weihnachten sei daher kein harmloses Fest, sondern ein Licht, das prüft und verwandelt. Wo Christus Raum finde, so der Geistliche, werde Bequemlichkeit zur Freiheit, Angst zur Freude und Dunkelheit zum Licht.



Die UOJ berichtete zuvor, dass der serbische Patriarch Porfirije die Familie als ersten Ort des Friedens würdigte.

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