Der Einzug des Herrn in Jerusalem: Ein Triumph, den das Reich nicht bemerkte

07:15
26
Der Einzug des Herrn in Jerusalem. Foto: UOJ Der Einzug des Herrn in Jerusalem. Foto: UOJ

Ein wahrer kaiserlicher Triumph – das ist das Klirren der Waffen, Gold und der Duft der Macht. Was am Sonntag vor Ostern in Jerusalem geschah, hatte damit nichts zu tun.

Geschmiedete Räder, die schwer auf das Basaltpflaster schlagen – so klang die Macht Roms stets. Der klassische Triumph des Siegers ist eine Quadriga mit schneeweißen Hengsten und ein Feldherr in purpurner Toga, dessen Gesicht dick mit Rötel bestrichen ist – in der Farbe der alten Bronzegötter. Vor der Prozession schreiten in schweren Ketten die besiegten Anführer fremder Völker, und dahinter marschieren die Legionen, die das erbeutete Gold tragen. Dichter Rauch von Opfergaben und kostbare Räucherwerke. Das war die unmissverständliche, direkte Sprache des Imperiums. Eine Sprache, in der es mit dem Rest der Welt sprach und seine unbestreitbare Herrschaft bekräftigte.

Und nun schauen wir uns die staubige Eleon-Straße an. Hier gibt es weder Gold noch Ordnung. Nur weißen Kalksteinstaub, den Geruch von Schweiß, Schafswolle und einer aufgeheizten Menge. Und Rufe, die dem wohlklingenden Gruß an einen römischen Triumphator überhaupt nicht gleichen. Über diesen Frühlingstag werden alle vier Evangelisten berichten – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Die Menschen ringsum rufen: „Hosanna!“ Traditionell übersetzen Ausleger dieses Wort aus dem Altjüdischen mit „Rette uns“, gestützt auf den Text des 117. Psalms. In jenem Moment war es weniger ein feierlicher politischer Slogan als vielmehr eine verzweifelte Bitte einfacher Menschen, die von der Last des Lebens und der fremden Besatzung bis zum Äußersten erschöpft waren. Sie warteten auf einen Erlöser.

Blick von der Turmspitze

Die römischen Wachen konnten diese Straße von den Mauern der düsteren Festung des Antonius aus beobachten, die schwer über den Höfen des Tempels thronte. Die Quellen haben uns keine Informationen über die Reaktion der Garnison überliefert, aber man kann mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, dass das Gesehene sie in Alarmbereitschaft versetzte.

In den Händen der Pilger schwankten abgeschnittene Palmzweige.

Im historischen Gedächtnis der Juden war dies keineswegs ein harmloses floristisches Attribut. Es war ein potenziell mächtiges nationales Symbol der Unabhängigkeit.

Historischen Chroniken zufolge hatte das Volk einst, vor langer Zeit, auf genau dieselbe Weise – mit Palmzweigen in den Händen und Lobgesängen – Simon Makkabäus begeistert empfangen, nachdem die syrischen Eroberer aus Jerusalem vertrieben worden waren.

Eine riesige Menschenmenge, ein offensichtlicher religiöser Ausbruch, Rufe nach dem Kommen des Königs – die Legionäre waren darauf trainiert, solche Dinge zu erkennen. Für Rom roch jede Menschenansammlung mit nationalen Symbolen nach Aufstand. Doch die Unruhe führte offenbar nicht zu militärischen Aktionen. Im Zentrum dieses spontanen Volkszuges gab es nichts von dem, was das Imperium als bewaffneten Aufstand gewohnt und verstanden hätte.

Eine andere Herrschaft

Mitten in der jubelnden Prozession ritt ein Mann auf einem jungen Esel.

In der antiken und altorientalischen Tradition stand ein Kriegspferd stets für eines: Krieg. Ein Eroberer, der auf einem Kriegspferd in eine unterworfene Stadt einzog, verkündete damit seine unbesiegbare Macht und sein Recht auf Gewalt. Ein Herrscher hingegen, der auf einem friedlichen Tier zu den Menschen ritt, verkündete den Frieden. Genau das hatte der Prophet Sacharja fünf Jahrhunderte vor den beschriebenen Ereignissen vorausgesagt: „Dein König kommt zu dir, gerecht und rettend, sanftmütig, auf einer Eselin und einem jungen Esel reitend“ (Sach 9,9).

Es war eine völlig andere Art der Herrschaft. Der Erlöser zeigte, dass sein Reich nicht auf Furcht, sondern auf der Kraft der Sanftmut gründet, die sich direkt an das menschliche Herz wendet.

Der Evangelist Matthäus weist auf ein entscheidendes Detail hin: Die Jünger brachten nicht nur das Fohlen, sondern auch die nebenhergehende Eselin (Mt 21,2). Für die Heiligen Väter der Kirche war dies niemals nur eine alltägliche Begebenheit. In diesem Tierpaar sahen sie eine globale Prophezeiung über das Schicksal der Menschheit.

Der Heilige Johannes Chrysostomos und der Selige Theophylakt von Bulgarien schrieben, dass die alte, gezähmte Eselin das alttestamentarische Israel darstelle, das seit langem daran gewöhnt sei, das schwere Joch des Gesetzes zu tragen. Und der junge, noch nicht gezähmte Eseljunge stehe für die heidnischen Völker. Christus steigt gerade auf das junge Fohlen. Die wilde, widerspenstige heidnische Welt nimmt den Erlöser plötzlich freudig auf und tritt als erste in Scharen in die von ihm gegründete frühe Kirche ein. Die alte Eselin hingegen folgt einfach gehorsam hinterher. So wird sich auch das jüdische Volk nach Ansicht christlicher Ausleger bereits am Ende der Weltgeschichte Christus zuwenden und in die Fußstapfen der gläubig gewordenen Heiden treten.

Die Evangelisten fügen noch ein wichtiges Detail hinzu: Das Fohlen war jung, und, wie Lukas präzisiert, „hatte noch nie ein Mensch auf ihm gesessen“.

Nach nahöstlicher Tradition war ein Tier, das noch nie unter dem Joch gestanden hatte, entweder für sakrale Zwecke oder ausschließlich für den König bestimmt.

Hier lässt uns der Text des Evangeliums Raum für eine vorsichtige Vorstellung. Stellen wir uns die sichtbare Seite dieser Szene vor. Ein junges, völlig ungezähmtes Tier spürt zum ersten Mal das Gewicht eines Menschen auf seinem Rücken. Um es herum brüllt eine riesige Menschenmenge, unter seinen Hufen fliegen abgeschnittene Äste und Kleidungsstücke. Die normale Reaktion jedes Tieres, das nicht an den Sattel gewöhnt ist, wäre in einer solchen Situation Panik, heftige Bewegungen, der Versuch, den unbekannten Reiter abzuwerfen. Doch wir können uns vorstellen, wie der Esel diese ganze lärmende und beängstigende Strecke erstaunlich gleichmäßig und ruhig zurücklegt, als würde er sich einer unsichtbaren Kraft dessen unterwerfen, der auf ihm sitzt.

Ein Weg aus fremder Armut

Die Menschen legten ihre Himathien direkt unterwegs ab und warfen sie unter die Hufe. Keine prächtigen persischen Teppiche und keine teuren Stoffe von den reichen Basaren.

Ein Himathion ist ein schweres, grob gestricktes Obergewand eines gewöhnlichen Bauern oder Fischers. Tagsüber auf dem Weg schützte er vor dem erstickenden weißen Staub und der sengenden Sonne, und nachts diente er dem Pilger als einzige warme Decke auf dem harten Boden. Für den armen Galiläer, der von weit her zum Fest gekommen war, war dies das notwendigste, unersetzliche Stück Kleidung. Ohne ihn war er der nächtlichen Kälte schutzlos ausgeliefert.

Ohne zu zögern warfen die Menschen ihren Schutz direkt in den Straßenschlamm.

Purpurne Stoffe und Weihrauch des römischen Triumphs wurden stets aus der unerschöpflichen Staatskasse bezahlt. Der „Teppich“ für Christus war aus den Kleidern der Armen gewebt. Es war genau diese Armut, die bereit war, Gott das Letzte zu geben, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten.

Eine stille Sinnwende

Als sich diese Prozession den Stadttoren näherte, geschah das, wovon der Evangelist Matthäus direkt berichtet: „Und als er in Jerusalem einzog, kam die ganze Stadt in Bewegung und fragte: Wer ist das?“ (Mt 21,10–11).

Die Atmosphäre war bis zum Äußersten aufgeladen. Jerusalem schwoll während der Festtage des Pessach unglaublich an. Eine riesige Menge von Pilgern übernachtete unter freiem Himmel, die Straßen verwandelten sich in ein einziges, summendes Menschenlager. Die Stadt war in Aufruhr und verbreitete von Mund zu Mund die Nachricht von der Auferweckung des Lazarus.

Was sahen schließlich diejenigen von ihren hohen Wachtürmen aus, die dazu berufen waren, die kaiserliche Ordnung zu wahren? Schmutzige Bauernmäntel im Staub. Weinende und freudig jubelnde einfache Menschen. Keine militärischen Abzeichen, keine Formation, kein einziges gezogenes Schwert. Nur eine erschöpfte Menschenmenge und einen sanftmütigen Mann auf einem Esel.

Diese Krieger ahnten nicht einmal, dass ein König in Jerusalem einzog, dessen wahre Macht sich nicht an der Zahl der Legionen maß, sondern an der freiwilligen Bereitschaft, ans Kreuz zu gehen.

Und dieser stille Umsturz, der das Schicksal der Welt für immer veränderte, blieb für diejenigen völlig unverständlich, die es gewohnt waren, die Realität durch die metallenen Schlitze ihres Helms zu betrachten.

Wenn Sie einen Fehler entdeckt haben, wählen Sie den Text aus und drücken Sie Strg + Eingabetaste oder Fehler ausbessern, um ihn der Redaktion zu melden
Wenn Sie einen Fehler im Text finden, markieren Sie ihn mit der Maus und drücken Sie Strg+Enter oder diese Schaltfläche Wenn Sie einen Fehler im Text finden, markieren Sie ihn mit der Maus und klicken Sie auf diese Schaltfläche Der ausgewählte Text ist zu lang!
Weiterlesen