Priester Dr. Dejan Ristić: Glaube zeigt sich in Liebe und Gerechtigkeit
Serbisch-orthodoxer Geistlicher sprach über das Gleichnis vom Sämann, die Wandlung des menschlichen Herzens und die Verantwortung der Christen gegenüber Unrecht.
Am 25. Oktober 2026, dem 21. Sonntag nach Pfingsten, predigte Priester Dr. Dejan Ristić in der serbisch-orthodoxen Gemeinde in München über das Gleichnis vom Sämann (Lk 8, 5–15). Im Mittelpunkt seiner Predigt stand die Frage, wie der Mensch das Wort Gottes aufnimmt und welche Früchte es in seinem Leben hervorbringt. Die Eparchie veröffentlichte die Predigt auf ihrer Webseite.
Ausgehend vom Bild des Sämanns, der seinen Samen auf unterschiedliche Böden ausstreut, erläuterte Priester Dejan Ristić, dass Gott sein Wort allen Menschen ohne Unterschied anbiete. Die verschiedenen Böden stünden für unterschiedliche Zustände des menschlichen Herzens: für Verschlossenheit gegenüber dem Evangelium, einen oberflächlichen Glauben ohne tiefe Wurzeln, die Ablenkung durch Sorgen und weltliche Bestrebungen sowie schließlich für ein offenes Herz, das Gottes Wort bewahrt und in Geduld Frucht bringt. Diese vier Zustände seien jedoch keine unveränderlichen Eigenschaften verschiedener Menschengruppen, sondern könnten sich im eigenen Leben abwechseln.
Der Geistliche betonte, dass die Wandlung des Herzens Zeit und Geduld erfordere. Der Glaube sei keine vorübergehende Begeisterung, sondern eine lebendige Beziehung zu Gott, die das gesamte Leben verändere. Dabei könne der Mensch Gottes Liebe nicht durch gute Werke verdienen, sondern sei aufgerufen, die bereits geschenkte Gnade anzunehmen und darauf zu antworten. Mit den Worten des Apostels Paulus „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20) beschrieb der Geistliche das Ziel des christlichen Lebens: dass die Liebe Christi zum Maßstab des eigenen Handelns werde.
Zugleich stellte der Prediger einen Zusammenhang zwischen dem persönlichen Glaubensleben und der gesellschaftlichen Verantwortung her. Christen könnten nicht von Glaube, Liebe und Gerechtigkeit sprechen und gleichzeitig eine Gesellschaft hinnehmen, in der Korruption, Ungerechtigkeit, die Zerstörung der Natur und die Missachtung der Menschenwürde zur Normalität würden. Besonders kritisch sei es, wenn Menschen, die sich auf Gott, Glauben und Tradition beriefen, solches Unrecht durch ihr Handeln oder Schweigen rechtfertigten. Abschließend rief er dazu auf, die eigenen Herzen immer wieder für Gottes Wort zu öffnen, Buße zu tun und durch ein Leben in Liebe Zeugnis von Gottes Gegenwart in der Welt abzulegen.
Die UOJ berichtete zuvor, dass der Verlag Hagia Sophia den Kommentar des heiligen Theophylakt zum Matthäusevangelium veröffentlicht hat.
