Kirchenverkauf per Kleinanzeige löste Empörung aus
Barocke Cruciskirche in Erfurt für symbolischen Preis inseriert – Kritik an „Vermarktung“ sakraler Räume wächst
Mit einer ungewöhnlichen Verkaufsstrategie sorgt die römisch-katholische Pfarrei St. Laurentius in Erfurt für Aufsehen und teils heftige Kritik: Die barocke Cruciskirche wird über eine Kleinanzeigen-Plattform angeboten – ein Schritt, der vielerorts Empörung auslöst. Darüber berichtete der MDR am 10. April 2026.
Die Entscheidung, die sogenannte Neuwerkkirche öffentlich im Portal kleinanzeigen.de anzubieten, stößt bei Gläubigen und Beobachtern auf Unverständnis. Eine Kirche als Inserat – für viele wirkt das wie eine profane „Vermarktung“ eines heiligen Ortes. Der angegebene Preis von rund 98.000 Euro gilt zwar als symbolisch, doch genau diese Darstellung befeuert die Kritik zusätzlich.
Die Gemeinde verteidigt ihr Vorgehen: Es gehe ausdrücklich nicht ums Geld, sondern um die Zukunft des denkmalgeschützten Gebäudes. Man habe bewusst einen ungewöhnlichen Weg gewählt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und neue Nutzungsideen zu gewinnen. Gesucht werden Partner, die Verantwortung übernehmen und den sakralen Charakter respektieren.
Dennoch bleibt die Maßnahme umstritten. Die prachtvolle barocke Ausstattung der 1735 geweihten Kirche, darunter eine historische Volckland-Orgel, erschwert eine Umnutzung erheblich. Kritiker sehen gerade darin ein Argument gegen eine „Öffnung für den Markt“, während Befürworter auf kulturelle oder soziale Nachnutzungen verweisen.
Hintergrund der Entscheidung ist ein tiefgreifender Strukturwandel: Sinkende Mitgliederzahlen und steigende Kosten zwingen die Pfarrei zum Rückzug aus mehreren Standorten. Neben der Cruciskirche sollen bis Ende 2026 weitere Kirchen in Erfurt geschlossen werden. Für viele Gemeindemitglieder bedeutet dies einen schmerzhaften Verlust – und verstärkt die emotionale Debatte um den Umgang mit kirchlichem Erbe.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Patriarch Porfirije im Kloster Peć zu universeller Nächstenliebe aufrief.