„Der getötete Mönch der Swjatohirsker Lawra ist ein wahrer Märtyrer“: Bischof Hiob von Stuttgart
Die UOJ Deutschland veröffentlicht eine Stellungnahme von Bischof Hiob von Stuttgart (ROKA) zum Angriff auf Mönche in der Ukraine.
Am 23. August wurde in der Swjatohirsker Lawra in der Region Donezk in der Ukraine Mönch Barsanuphius getötet. Zwei weitere Menschen wurden schwer verletzt.
Bischof Hiob von Stuttgart (Bandmann), Vikarbischof der Deutschen Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland (ROKA), äußerte sich in einer der UOJ Deutschland vorliegenden Stellungnahme zu dem Angriff auf die Mönche der Lawra.
In der Stellungnahme spricht Bischof Hiob nicht nur über die Tötung des Mönchs Barsanuphius und die schweren Verletzungen der weiteren Betroffenen, sondern auch über die geistliche Bedeutung des Geschehens.
Nach seinen Worten hängt das Schweigen in der Ukraine und weltweit – auch in Deutschland – damit zusammen, dass ein Mönch jener Kirche getötet wurde, die als „falsche“ Kirche gilt.
Bischof Hiob zieht dabei eine Parallele zur Zeit des frühen Christentums, als Vertreter einer verbotenen Religion „zum Wohl der Allgemeinheit“ getötet werden konnten, und betont: Wenn die Aussage eines der Betroffenen der Wahrheit entspricht, sei Mönch Barsanuphius ein Märtyrer – ein Zeuge der Wahrheit Christi.
Wir geben den vollständigen Wortlaut der Stellungnahme wieder:
Stellungnahme von Bischof Hiob von Stuttgart
Am 23. August 2026 gegen 11 Uhr, nach der Liturgie, wurde der Mönch Barsanuphius, ein Bewohner der Swjatogorsker Lawra, getötet. Zwei weitere Personen wurden schwer verletzt. Nach Aussage eines der Betroffenen ereignete sich Folgendes:
Bei einer Begegnung mit ukrainischen Soldaten forderten diese die Mönche auf, der Ukraine Ehre zu erweisen. Die Mönche weigerten sich. Die letzten Worte von Vater Barsanuphius waren seine Antwort: „Ich bin Mönch. Ehre sei unserem Herrn Jesus Christus!“ Daraufhin wurde ihm in den Kopf geschossen und er wurde mit einem Messer verletzt. Auf ähnliche Weise wurde auch der Mönch Gregor geschlagen, durch Messerstiche schwer verletzt und in einen Graben geworfen. Mit einer Verletzung der Lunge und einem enormen Blutverlust wurde er dennoch rechtzeitig entdeckt. Er erhielt Erste Hilfe und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Ähnliches widerfuhr auch dem Laien Andrej, einem Elektriker.
Die Deutsche Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland (ROKA) schickt seit vielen Jahren humanitäre Hilfsgüter in die Swjatogorsker Lawra, wo zahlreiche Flüchtlinge betreut werden. Diese neue Prüfung, die über die Bruderschaft der Lawra hereingebrochen ist, hat nicht nur sie und uns, sondern die gesamte orthodoxe Welt erschüttert. Wir sehen, wie viele Vertreter der orthodoxen Kirchen mit Schmerz auf das Geschehene reagiert haben.
Gleichzeitig beobachten wir ein anderes Bild: ein weitgehendes Schweigen der ukrainischen Medien und völliges Schweigen der deutschen Medien zu diesem Vorfall. Ich würde mich selbst belügen, wenn ich dieses Schweigen als überraschend bezeichnen würde. Wir leben in einer Zeit eines bislang nie dagewesenen Ausmaßes an Informationspropaganda und Informationskrieg. Getötet wurde ein Mönch derjenigen Kirche, die als „falsche“ Kirche gilt.
Die erbarmungslose und, so muss man vermuten, ungestrafte Abrechnung mit einem Vertreter jener Kirche, die in der Ukraine bereits seit vielen Jahren am Rande eines staatlichen Verbots steht, führt uns gedanklich zurück in die Zeit des frühen Christentums, als Vertreter einer religio illicita – einer verbotenen Religion – zum Wohle der Allgemeinheit getötet werden durften und sogar getötet werden sollten.
Die Heilige Kirche hat auf ein solches Phänomen längst ihre Antwort gegeben: Das Blut der Märtyrer ist der Same der Christen. Wenn die oben wiedergegebene Aussage eines der Betroffenen der Wahrheit entspricht, dann ist der Mönch Barsanuphius ein Märtyrer im eigentlichen und wahren Sinne dieses Wortes: Er ist ein Zeuge (martys) der Wahrheit Christi.
Und die Wahrheit Christi bleibt in Ewigkeit bestehen: Die Pforten der Hölle werden die Kirche niemals überwältigen! (Mt 16,18)
Bischof Hiob von Stuttgart
Zuvor berichtete orthodoxnews.de, dass der ROKA-Ersthierarch nach dem tödlichen Angriff auf die Swjatohirsker Lawra kondolierte.