Vom Suchenden zum Getauften: Daniel findet zur Orthodoxie
Ein 26-Jähriger wurde bei Karlsruhe in einem Baggersee orthodox getauft: Daniel hatte zuvor kaum Berührung mit dem christlichen Glauben.
In der orthodoxen Gemeinde zu Ehren der Heiligen Apostel Petrus und Paulus in Karlsruhe, die zur Erzdiözese der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa gehört, wurde ein 26-Jähriger in einem Baggersee bei Karlsruhe orthodox getauft. Priester Oleg Kuchta spendete Daniel am 21. August 2026 das Sakrament. Der 26-Jährige wurde durch vollständiges Untertauchen in den Tod und die Auferstehung Jesu Christi hineingenommen und damit in die orthodoxe Kirche aufgenommen, wie die Gemeinde berichtete.
Daniel stammt aus Landau in der Pfalz. In seiner Familie habe er viel Liebe und Wärme erfahren, der Glaube an Gott habe jedoch keine Rolle gespielt. Erst vor etwas mehr als einem Jahr begann seine intensive Suche nach Gott. Dabei beschäftigte er sich zunehmend mit Fragen nach Gott, dem ewigen Leben und dem Bösen.
Diese Suche führte ihn zeitweise in eine tiefe Niedergeschlagenheit, in der auch Suizidgedanken auftraten. Bei einem Spaziergang kam es nach seiner Schilderung zu einem entscheidenden Moment. Mitten in seinen dunklen Gedanken habe er plötzlich erkannt: „Wenn es all diese bösen und negativen Dinge gibt, die ich so stark in mir verspüre, dann muss es auch Gott geben.“
Er betete erstmals bewusst zu Gott und bat ihn, sich ihm zu zeigen. Daraufhin habe er „eine unglaubliche Ruhe und Stille“ empfunden. „Ich hatte keine Angst mehr“, berichtet Daniel. Sein Leben habe sich angefühlt, als liege es „in der Hand eines anderen“.
Auf der weiteren Suche stieß Daniel im Internet auf die Orthodoxie. Er begann, die Bibel intensiver zu lesen, und fragte sich, welche Kirche die Sakramente und die apostolische Überlieferung bewahrt. Schließlich fand er die Karlsruher Gemeinde und besuchte deren Gottesdienste.
Die Liturgie habe ihn von Anfang an tief angesprochen, obwohl er zunächst kaum etwas verstand. „Bei den ersten Gottesdiensten verstand ich kein Wort“, sagt Daniel. Dennoch sei er sofort sicher gewesen: „Das ist genau das, was ich gesucht habe.“ Die Gottesdienste und Gesänge seien für ihn gewesen, „als wäre ein fehlendes Puzzleteil genau an seinen Platz gerückt“.
Zur Taufe trug Daniel ein weißes Taufhemd mit einem Kreuz auf dem Rücken. Für ihn ist es ein Symbol seines neuen Lebens: „Dass mein ganzes Leben – vom heutigen Augenblick bis zum Tod – in Christus sein soll, ist für mich ein wunderbares Symbol.“
Daniel sieht die Taufe als Beginn eines langen Weges. „Ich bin noch auf einem langen Weg zu Gott“, sagt er. Er müsse noch viel über Gottesdienst, Heilige und orthodoxe Bräuche lernen. Zugleich blickt er zuversichtlich nach vorn: „Aber ich habe ja mein ganzes Leben lang Zeit.“
Besonders freut er sich darauf, die Klosterwelt kennenzulernen und am Fest der Taufe des Herrn an den See zurückzukehren, in dem er selbst getauft wurde. Dann werde dieser Ort für ihn „geistig zum Jordan“. Seinen Weg zur Orthodoxie fasst Daniel rückblickend so zusammen: „Es war, als hätte Gott mich durch alles geführt.“
Die UOJ berichtete zuvor über den russisch-orthodoxen Bischof Aleksij von Wien, der über das orthodoxe Leben in der Diaspora, die Entwicklung seiner Diözese und den 2024 verstorbenen deutschen Abt Paisios sprach.