„Suchet zuerst das Reich Gottes“ – Predigt über Vertrauen statt Sorge
Priester Matthias Fröse gab eine christliche Perspektive auf Sicherheit und innere Unruhe im Alltag
Am dritten Sonntag nach Pfingsten (21. Juni 2026) sprach Priester Matthias Fröse von der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus in Mainz in der Außenstelle Meisenheim über die rechte Ausrichtung des Herzens zwischen Sorge und Gottvertrauen. Die Predigt wurde auf dem YouTube-Kanal der Gemeinde veröffentlicht.
Ausgehend vom Evangelium des Sonntags aus der Bergpredigt betonte Priester Matthias Fröse die zentrale Frage nach dem inneren Blick des Menschen: Nicht äußere Umstände allein bestimmten die Unruhe des Lebens, sondern die Art und Weise, wie der Mensch auf sie schaue. Christus spreche vom „Auge“ als Leuchte des Leibes und meine damit die geistliche Ausrichtung des Herzens. Ein klarer Blick auf Gott bringe Licht ins Leben, während eine falsche Fixierung auf Sorgen zur inneren Verdunkelung führe.
Unter Bezug auf den Heiligen Johannes Chrysostomus führte der Geistliche aus, dass Menschen oft mehr unter ihren Gedanken über Probleme litten als unter den Umständen selbst. Zwei Menschen könnten dieselbe Schwierigkeit erleben, aber unterschiedlich reagieren – je nachdem, worauf ihr Blick gerichtet sei. Der Apostel Paulus erinnere daran, dass Christus die Menschen nicht wegen ihrer Vollkommenheit liebe, sondern um sie zur Umkehr zu führen.
Sorge an sich sei nicht verwerflich, etwa in der Verantwortung für Familie. Christus warne jedoch vor einer Sorge, die Gott aus dem Zentrum verdränge. In diesem Zusammenhang zitierte der Priester sinngemäß den Heiligen Paisios vom Athos: Je mehr der Mensch sich Gott anvertraue, desto mehr sorge Gott für ihn. Christliches Leben bedeute daher nicht Passivität, sondern tätiges Vertrauen statt angstgetriebener Kontrolle.
Als Vorbilder nannte Priester Matthias Fröse die Heiligen der Region, insbesondere den heiligen Disibod, der trotz Unsicherheit und Prüfungen seinen Blick auf Christus gerichtet hielt. Das Leben der Heiligen zeige, dass nicht Sicherheit oder Erfolg an erster Stelle stehen sollten, sondern das Reich Gottes. Schwierigkeiten verschwänden dadurch nicht, erhielten jedoch ihren rechten Platz im Leben des Glaubenden.
Die UOJ berichtete zuvor, dass in Bosnien-Herzegowina ein digitales Archiv zerstörter orthodoxer Kirchen gestartet wurde.