„Heute realisieren wir, dass wir Adam sind – ausgeschlossen aus dem Paradies“
Priester Daniel Schärer rief in Zürich dazu auf, eigene Schuld anzuerkennen, Beziehungen zu heilen und den geistlichen Weg gemeinsam als Kirche zu beginnen
In seiner Predigt zum Sonntag der Vergebung am 22. Februar 2026 hat Priester Daniel Schärer in der russisch-orthodoxen Auferstehungskirche Zürich, Schweiz, über die geistliche Bedeutung der Fastenzeit, die Verantwortung des Menschen für seine Sünde und die heilende Kraft gegenseitiger Vergebung gesprochen. Die Gemeinde übertrug die Heilige Liturgie auf ihrem Facebook-Kanal.
Ausgehend von den Gottesdiensten der Vorfastenzeit stellte Priester Daniel Schärer den Menschen in die Rolle Adams, der nach dem Verlust des Paradieses seine Schuld erkennt. Jeder Mensch trage Anteil an dessen Fall, da er immer wieder zwischen Gott und der Welt wähle und sich von der göttlichen Gemeinschaft entferne. Zugleich eröffne der Sonntag der Vergebung die Möglichkeit zur Rückkehr.
Ein zentraler Gedanke der Predigt war die Verantwortung für eigenes Handeln. Anders als Adam, der seine Schuld auf Eva schob, seien die Gläubigen aufgerufen, ihre Fehler anzunehmen und Versöhnung zu suchen. Vergebung zu erbitten und selbst zu gewähren sei der erste Schritt, um den Weg der Großen Fastenzeit richtig zu beginnen.
Der Geistliche betonte zudem den kirchlichen Charakter des Fastens. Es gehe nicht um persönliche Leistung oder äußere Askese, sondern um die Heilung von Beziehungen innerhalb der Gemeinschaft. Christus selbst sei „die Tür“, durch die der Mensch zum Vater zurückkehre.
Die Fastenzeit verstehe sich daher als gemeinsamer Weg der Kirche, der in die Freude der Auferstehung münde. Ziel sei es, am Ende dieses geistlichen Weges die Freude über das von Gott geschenkte Heil neu zu erfahren.
Livestream aus der Auferstehungskirche vom 22. Februar 2026, Predigt von Priester Daniel Schärer ca. ab Minute 50:30:
Die UOJ berichtete zuvor über eine Neuerscheinung im orthodoxen Verlag Hagia Sophia: Sergej Fudel ruft in „Bin etwa ich es?“ zur persönlichen Gewissensprüfung in schwierigen Zeiten auf.