Die digitale Bedürfnisfalle
Noch nie waren wir so informiert und vernetzt wie heute, und gleichzeitig so zerstreut. Die digitalen Medien haben den Menschen eine Fülle von Möglichkeiten gegeben, die in früheren Zeiten, als die Massenmedien in der Hand einiger einflussreicher Individuen lagen, undenkbar gewesen wären. Auch die Orthodoxie erlebt in unseren Tagen eine beispiellose Verbreitung im virtuellen Raum, die in den vergangenen Jahren explosionsartig zugenommen hat. Das Internet, in den Worten des amerikanischen Priesters und Theologen Josiah Trenham, macht die Einheit der universalen Kirche sichtbar über regionale und nationale Grenzen hinweg, und gibt zugleich der Kirche vor Ort ein Gesicht.
Gleichzeitig verdrängt die digitale Welt in unserem Leben allzu oft die physische Wirklichkeit. Der Bildschirm ist wie ein schwarzes Loch, das unsere Aufmerksamkeit absorbiert. Jeder kennt die Momente, in denen man für eine scheinbare Kleinigkeit das Smartphone zur Hand nimmt – und ehe man sich versieht, wird aus einer kurzen Nachricht oder einer kleinen Recherche ein Strudel an Reizen, der uns mitreißt, bevor wir wieder zur Besinnung kommen. Ob es der exzessive Konsum reißerischer Nachrichten ist, die Betrachtung sensationeller und aufreizender Bilder oder die Beteiligung an empörenden Diskussionen. Man könnte diese virtuelle Realität in biblischen Worten beschreiben als eine Welt der Ungerechtigkeit [...], die den ganzen Leib befleckt und den Umkreis des Lebens in Brand setzt (s. Jak 3,6).
Wohl auch deshalb vergleicht Vater Josiah Trenham das Internet mit dem römischen Verkehrsnetz, auf dem die Botschaft des Evangeliums in kürzester Zeit in alle Gegenden der zivilisierten Welt gelangte. Dass diese Wege und Straßen von Räubern, von glaubensfeindlichen Autoritäten, von Götzenbildern und anderen Versuchungen gesäumt waren, hielt die Verkündiger nicht zurück. Im Gegenteil, ein heiliger Paulus rühmte sich der Gefahren, denen er sein leibliches und seelisches Wohl auf zahlreichen Reisen um Christi willen aussetzte.
Doch das Internet ist kein physisches Straßennetz, und seine Versuchungen und Gefahren sind subtiler als jene, mit denen sich die Apostel konfrontiert sahen. Diese Tatsache wird auch darin sichtbar, dass in der Kirche zwar viel über den Umgang mit digitalen und sozialen Medien gesprochen wird, aber nur wenig darüber, wie sie funktionieren und auf den menschlichen Geist einwirken, so wiederum Vater Josiah.
Einen Anhaltspunkt finden wir in einem kirchlichen Leitfaden für den Gebrauch sozialer Medien, der jüngst von der Orthodoxen Kirche in Amerika (OCA) veröffentlicht wurde. Dort heißt es:
„Es ist offensichtlich geworden, dass das Geschäftsmodell hinter diesen Plattformen oftmals Empörung und Spaltung begünstigt – und uns damit womöglich zu einem Reaktionsverhalten verleitet, das uns für den Moment Genugtuung verschafft, aber im Widerspruch zum Geist des Evangeliums steht.“
Der von der amerikanischen Bischofssynode approbierte Leitfaden macht hier eine Reihe wichtiger Feststellungen: Die psychologischen Mechanismen, die in diesen Medien wirken, sind kein Zufall, sondern ein Geschäftsmodell. Sie sind darauf ausgerichtet, ein bestimmtes Reaktionsverhalten bei den Konsumenten hervorzurufen, das in der Suche nach Genugtuung besteht. Diese Genugtuung oder Befriedigung währt aber nur für einen Moment und erweist sich damit als Illusion. Sie steht im Widerspruch zum Geist des Evangeliums, denn nach dem heiligen Paulus sind die Früchte des Heiligen Geistes: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung (Gal 5,22).
Auch orthodoxe Christen sind oftmals nicht vor diesen Versuchungen gefeit. Und doch sind wir berufen, wie der Leitfaden der amerikanischen Synode betont, „jedes – auch digitale – Werkzeug in einer Weise zu nutzen, die Christus in uns Gestalt werden lässt statt den Geist der Spaltung (diabolos) hervorzubringen, der uns entzweit“. Es geht also nicht nur darum, so die Instruktion, „was wir online zu vermeiden haben, sondern wie wir ein lebendiges Zeugnis von Christi Liebe, Geduld und Wahrheit in der digitalen Welt sein können“.
Auch im digitalen Raum gilt der Anspruch, dass wir als Christen in der Welt, aber nicht von der Welt sind (vgl. Joh 15,19). Die Voraussetzung dafür ist, dass wir die Mechanismen durchschauen, mit denen die virtuelle wie die physische Welt der Ungerechtigkeit unsere Leidenschaften befeuert. Sie tut dies, indem sie unsere natürlichen Bedürfnisse adressiert und ihnen eine mühelose, aber nur kurzweilige Befriedigung anbietet. Es handelt sich um eine digitale Bedürfnisfalle, deren Mechanismus im Folgenden erklärt werden soll.
„Eine Schwachstelle in der menschlichen Psychologie“
Wie in dem zitierten Leitfaden der amerikanischen Bischöfe angedeutet, haben wir es nicht mit einem neutralen System zu tun, sondern mit einem sehr bewusst konzipierten Geschäftsmodell. Dass dem so ist, wurde mittlerweile auch von führenden Autoritäten der Branche bestätigt, darunter der ehemalige Präsident von Facebook Sean Parker im Interview mit dem Nachrichtenportal Axios:
„Der Gedankengang, der hinter der Entwicklung dieser Anwendungen stand, dreht sich ganz um die Frage: ‚Wie können wir so viel wie möglich von Ihrer Zeit und bewussten Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen?‘“
Wie schaffen es soziale Medien, derart unsere Aufmerksamkeit zu fesseln? Parker beschreibt es präzise: Ein ‚Like‘ oder Kommentar löst einen kurzen Dopaminschub aus. Dopamin ist der Botenstoff, der im Gehirn Verlangen und Belohnung steuert. Das veranlasst den Nutzer, mehr Inhalte zu konsumieren und zu produzieren, was wiederum mehr Reaktionen erzeugt. Parker nennt das einen „feedback-loop“, also eine „Rückkopplungsschleife sozialer Bestätigung“, die eine „Schwachstelle in der menschlichen Psychologie“ ausnutze.
Aber welche Schwachstelle genau? Die moderne Hirnforschung gibt darauf eine systematische Antwort. So hat sich der Neuromarketing-Experte Hans-Georg Häusel intensiv mit dem Zusammenhang von Psychologie, Marketing und Konsumverhalten beschäftigt. Er hat drei emotionale Grundmotive identifiziert, die menschliches Verhalten universell antreiben und bei denen soziale Medien ganz gezielt ansetzen: das Motiv der Stimulanz, das sich in der Suche nach Abwechslung und neuen Reizen äußert, das Motiv der Dominanz als Streben nach Durchsetzung des eigenen Willens, und das Motiv der Sicherheit, das sich etwa im Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Bestätigung äußert.
Stimulierend wirkt in sozialen Medien der endlose Scroll, in dem jeder Post einen neuen Reiz verspricht und der Algorithmus dafür sorgt, dass immer etwas Überraschendes folgt. Das Gehirn kann nicht aufhören, weil die Belohnung immer nur einen Wisch entfernt scheint. Denn das Gehirn unterscheidet nicht zwischen virtuellen und realen Reizen: Ein schockierendes Bild, eine reißerische Schlagzeile löst dieselbe Dopaminausschüttung aus wie ein realer Sinnesreiz. Der virtuelle Reiz wirkt jedoch aufgrund der Illusion nur kurz. Um den Dopaminrausch aufrecht zu erhalten und nicht in ein mentales Loch zu fallen, müssen immer neue Inhalte konsumiert werden.
Auch die Ausübung von Dominanz scheint nur einen Klick entfernt. Likes, Followerzahlen, empörende Kommentare sind Statussignale und Mittel zur kurzfristigen Durchsetzung des eigenen Geltungsbedürfnisses. Der Algorithmus begünstigt Empörung, weil sie Reaktionen erzeugt und so den Dopaminrausch aufrecht erhält. Besonders bequem ist, dass die virtuelle Interaktion keinerlei Anstrengung kostet – und noch dazu gänzlich anonym oder hinter der Maske eines virtuellen Avatars geschehen kann. Das Motiv der Sicherheit spielt hier zusätzlich eine Rolle. Denn die oft genannte Filterblase des Algorithmus, der uns nur zeigt, was unsere Weltsicht bestätigt, stärkt dieses Motiv und erzeugt eine trügerische Geborgenheit.
Der ehemalige Facebook-Präsident Sean Parker beim Web Summit 2011 in San Francisco (J.D. Lasica/Wikimedia Commons)
Alle drei Grundmotive menschlichen Handelns werden somit in sozialen Medien angesprochen. Ihre Befriedigung erscheint mühelos erreichbar, erweist sich aber als bloß momentane Genugtuung und erzeugt die Sucht nach unaufhörlicher Interaktion.
Die biblisch-patristische Perspektive
Für eine biblisch-patristische Sicht auf den Menschen sind diese Erkenntnisse nicht überraschend. Die beschriebene dreifache Motivation menschlichen Handelns äußert sich bereits im Bericht des Sündenfalls:
Und die Frau sah, dass der Baum gut als Nahrung und dass er für die Augen gefällig anzusehen und prächtig ist für das Verstehen, und sie nahm und aß von seiner Frucht. Und sie gab auch ihrem Mann mit ihr und sie aßen (Gen 3,6).
So beschreibt die Schrift die Suche unserer Ureltern Adam und Eva nach sinnlicher Stimulanz. Zwar hat Gott sie gewarnt, der Genuss vom Baum dher Erkenntnis würde sie sterblich machen. Doch der Teufel wiegt sie in falscher Sicherheit, indem er der Frau einflüstert: Nicht werdet ihr des Todes sterben (Gen 3,4). Statt dessen appelliert er an ihre Dominanz und verspricht: Gott nämlich wusste, dass an dem Tag, da ihr von ihm esst, eure Augen geöffnet werden, und ihr werdet wie Götter sein, indem ihr Gut und Böse erkennt (ebd. V. 5).
Wir sehen dieselben Grundmotive in der Versuchung Christi, des Neuen Adam (Mt 4,1-11). Den fastenden Jesus will der Teufel zunächst verleiten, dass er Steine in Brot verwandle, und reizt damit das natürliche Bedürfnis nach Stimulanz in Form von Nahrung. Darauf stiftet er Christus an, sich von der Zinne des Tempels herabzustürzen: Denn es steht geschrieben: „Er wird seinen Engeln deinethalben befehlen“, und: „Sie werden dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stößt“ (ebd. V. 6). Ziel dieser zweiten Versuchung ist letztlich ein fahrlässiges Vertrauen in göttliche Sicherheit, das den Schöpfer auf die Probe stellt. Und wenn der Teufel den Herrn als drittes die ganze Welt vor Augen führt mit den Worten: Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mir huldigst (ebd. V. 9), so spricht er damit die ultimative Versuchung aus: die der Herrschsucht, die eine Perversion des Dominanzmotivs ist. Die Durchsetzung des eigenen Egos, in der Selbst- und Teufelsanbetung zusammenfallen.
Die drei Versuchungen Christi nach Mt 4,1-11, Basilika San Marco Venedig (Anonym/Wikimedia Commons)
Wir sehen hier und im Schöpfungsbericht, dass die drei von Häusel benannten Grundmotive nicht in sich schlecht sind: Gott umgab den Menschen im Paradies mit einem ganzen Garten von fruchttragenden Bäumen zum Genuss. Er schuf ihm einen sicheren Lebensraum, solange er sich an seine Gebote hielt. Und er gab ihm die Herrschaft über die Tiere, Pflanzen und die Erde, dass er sie pflege und bewahre. Das Verhängnis beginnt in dem Moment, in dem der Mensch sich von Gott und seinen Geboten lossagt und seine Bedürfnisse in einer Art und Weise zu erfüllen sucht, die den Schöpfer außen vor lässt.
Ähnlich formuliert es bereits der heilige Dorotheos von Gaza, der im 4. Jahrhundert nach Christus wirkte und dessen Geistliche Unterweisungen zu den Grundwerken der orthodoxen Spiritualität zählen. Dorotheos sieht in dem Moment der Selbstüberhebung, das heißt in der Übersteigerung der menschlichen Dominanz, den Ursprung des Sündenfalls – und damit aller übrigen Sünden und Leidenschaften:
Hört, was der Herr selbst sagt: Lernt von mir, denn ich bin sanft und demütig von Herzen, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen (Mt 11,29). Sieh, hier hat er uns, in einem Wort zusammengefaßt, die Wurzel und Ursache aller Übel gezeigt und die Heilung davon, die Ursache alles Guten. Er hat gezeigt, daß die Überhebung uns zu Fall gebracht hat und daß es unmöglich ist, anders Erbarmen zu finden als durch das Entgegengesetzte, nämlich durch die Demut. […] Wer nun wahre Ruhe für seine Seele finden will, lerne die Demut und erkenne, daß in ihr alle Freude, alle Herrlichkeit und Ruhe ist, so wie im Hochmut von allem das Gegenteil.
Wie andere orthodoxe Väter vertritt Dorotheos die Auffassung, dass Sünde und Leidenschaft nichts anderes sind als die Pervertierung natürlicher Neigungen, die der Heilung und Ausrichtung auf Gott bedürfen. Demut bedeutet also nicht, dass das Dominanzstreben aufhört zu existieren und der Mensch zum willenlosen Werkzeug Gottes wird. Es bedeutet, den eigenen Willen gänzlich den Geboten und der Vorsehung Gottes zu unterwerfen und mit ihm statt gegen ihn zu wirken. Damit trifft Dorotheos den Kern von Häusels Beobachtungen, denn das Streben nach Stimulanz, Sicherheit und Dominanz ist auch nach seiner Auffassung dem Menschen angeboren.
Der Mensch ist jedoch frei darin, wie er seinen Grundmotiven nachgeht: Er kann seine Bedürfnisse auf gesunde Weise erfüllen, im Einklang mit Gott und seinen Geboten. Oder er kann ihnen auf eine Art und Weise nachgehen, die ihm selbst und seinen Mitmenschen schadet – und damit letztlich ihren Zweck verfehlt. Das griechische Wort für Sünde bedeutet denn auch nichts anderes als „Verfehlung“ (hamartía). Denn Gottes Gebote sind kein Moralismus, sie sind eine Gebrauchsanweisung für die menschliche Natur.
Diese Gebrauchsanweisung gilt auch für soziale Medien. Denn der Mechanismus, der dort wirkt, ist im Wesentlichen derselbe, der für die Sünde überhaupt kennzeichnend ist: Ein müheloser Weg zur Befriedigung tut sich auf, der einen Belohnungseffekt zur Folge hat und sich durch Wiederholung verstetigt. Die Sünde wird dann zur Gewohnheit – und von der Gewohnheit zur Leidenschaft, wie Dorotheos es nennt. So macht sich der Mensch derart abhängig von der Sünde, dass er sie auch dann noch zwanghaft wiederholt, wenn er erkannt hat, dass er sich damit schadet.
Der heilige Dorotheos von Gaza, 4. Jh. (Abbildung: johnsanidopulos.com)
Was Parker als Rückkopplungsschleife des Dopamins beschreibt, kennt also die asketische Tradition seit Jahrhunderten als die „Tyrannei der Leidenschaften“. Dorotheos beschreibt eindrücklich die Geschichte eines Mönchs, der zwanghaft Essen stahl: zunächst aus Naschsucht, dann jedoch in solchem Ausmaß, dass er es selbst nicht mehr essen konnte und statt dessen die Tiere damit fütterte. Die Leidenschaft war zum Selbstzweck geworden.
Viele Menschen befinden sich in einer ähnlichen Situation, was den Umgang mit sozialen Medien und virtuellen Inhalten angeht. Wie aber können wir diesen Kreislauf der Leidenschaften durchbrechen? Wie können wir soziale Medien weise nutzen, sodass sie unserem Wohl und der Verkündigung des Evangeliums dienlich sind?
Praktische Schlussfolgerungen
Die digitale Bedürfnisfalle funktioniert, weil sie unsere natürlichsten Antriebe anspricht. Es ist deshalb wichtig, dass wir unser Streben nach Stimulanz, Dominanz und Sicherheit anerkennen und reflektieren, wie wir ihm nachgehen. Ist der Impuls, einen empörten Kommentar zu verfassen, vielleicht nur ein Ausdruck dafür, dass mein Dominanzstreben woanders nicht erfüllt ist, zum Beispiel in der Bewältigung einer wichtigen Aufgabe? Rührt die Suche nach visuellen Reizen vielleicht daher, dass wir uns zu viel in unseren vier Wänden aufhalten, anstatt in der freien Natur Gottes Schöpfung zu bewundern? Suchen wir Sicherheit und Bestätigung in einer virtuellen Filterblase, weil wir den echten Austausch mit Menschen scheuen, die anders denken als wir?
Wenn wir so die Motive unseres Handelns reflektiert haben, können wir daran arbeiten, getreu dem Motto: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem (Röm 12,21). In der patristischen Tradition haben hier die Tugenden ihren Platz – als positiver Gegenbegriff zu den Leidenschaften. Denn Tugenden sind nichts anderes als gute Taten, die durch regelmäßige Ausübung zur Gewohnheit werden. Dabei geht es nicht um Heldenleistungen, sondern um die gesunde Erfüllung unserer Grundmotive in Gott, die „in regelmäßigen, kleinen Schritten“ geschieht, wie der heilige Dorotheos von Gaza wiederholt betont.
Das Dominanzstreben findet seine gesunde Erfüllung in der Beherrschung der Leidenschaften, in echter Verantwortung und der Verfolgung positiver, gottgefälliger Ziele. Das betrifft sowohl das geistliche als auch das weltliche Leben in der Familie, in der Gemeinde, im Beruf. Die Suche nach Stimulanz wird gestillt durch Gottesdienst und lebendige Interaktion mit Gottes Schöpfung. Nicht umsonst spricht die orthodoxe Liturgie mit ihren Ikonen, dem Weihrauch, dem Gesang und anderen Komponenten alle Sinne des Menschen an. Es kann auch sinnvoll sein, statt des Handys ab und zu ein Stück Holz zum Schnitzen oder eine Stickerei in die Hand zu nehmen. Oder einen Spaziergang zu machen. Das Bedürfnis nach Sicherheit schließlich findet seinen wahren Anker nicht in virtuellen Gruppen und Likes, sondern in realen Beziehungen und in der Gemeinschaft der Kirche.
Beim Gebrauch sozialer Medien kann daher die Frage helfen: Habe ich einen konkreten Zweck im Visier, wenn ich zum Handy greife? Oder suche ich nur nach Möglichkeiten, mein eigenes Geltungsbedürfnis zu befriedigen? Nach neuen Reizen, um meine Langeweile zu betäuben? Nach Bestätigung, weil ich mich allein fühle?
All diese Gedanken können nicht mehr als Anhaltspunkte sein. Aber sie weisen auf eines hin: Die Tradition und Gemeinschaft der Kirche hält auch auf die alltäglichen Fragen des heutigen Lebens Antworten bereit. Nicht zuletzt deshalb lohnt es, sich in das Studium und die Praxis des geistlichen Lebens zu vertiefen.
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