Diakon Igor Willimowski: Barmherzigkeit soll die Gerechtigkeit übersteigen
Christen sind aufgerufen, auch ihre Feinde zu lieben und ihnen Gutes zu tun. Die Kraft dazu finden sie im Gebet und durch Gottes Beistand.
Am 18. Oktober 2026 predigte Diakon Igor Willimowski in der russisch-orthodoxen St.-Barbara-Kirche zu Krefeld über Gerechtigkeit und Barmherzigkeit nach Lukas 6,31–36. Der Geistliche stellte heraus, dass Christen über das Prinzip der Gegenseitigkeit hinausgehen und auch denen mit Liebe und Barmherzigkeit begegnen sollen, die ihnen Unrecht getan haben. Wer selbst auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen sei, müsse diese auch anderen Menschen gegenüber zeigen – selbst den eigenen Feinden. Die Gemeinde veröffentlichte die Ansprache auf ihrem YouTube-Kanal.
Ausgangspunkt der Predigt war die Goldene Regel Jesu: „Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun, tut auch ihr ihnen gleicherweise.“ Dieses Gebot entspreche dem menschlichen Gerechtigkeitsempfinden, erklärte Diakon Igor Willimowski. Allerdings neigten Menschen dazu, für sich selbst mehr zu erwarten, als sie anderen zu geben bereit seien. Christus fordere seine Nachfolger deshalb zu einem weiteren Schritt auf: Sie sollten nicht nur diejenigen lieben, die sie ebenfalls lieben, und denen Gutes tun, von denen sie eine Gegenleistung erwarten.
Die Aufforderung, sogar die Feinde zu lieben und Gutes zu tun, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, stelle eine besondere Herausforderung dar. Der Diakon betonte, dass es dabei darum gehe, zwischen dem Sünder und seiner Sünde zu unterscheiden. Christen sollten den Menschen lieben, zugleich aber dessen falsches Handeln ablehnen. Das erfordere einen langen geistlichen Weg, denn auch eigene schlechte Gewohnheiten ließen sich oft nur schwer überwinden. Deshalb müsse man lernen, anderen zu vergeben, statt von ihnen etwas zu verlangen, das man selbst nicht immer verwirklichen könne.
Die Barmherzigkeit gegenüber anderen stehe zudem in unmittelbarem Zusammenhang mit der Beziehung zwischen Mensch und Gott. Würde Gott ausschließlich nach strenger Gerechtigkeit handeln und keine Barmherzigkeit walten lassen, wäre es angesichts der eigenen Verfehlungen schlecht um den Menschen bestellt. Als Vorbild verwies der Geistliche auf Jesus Christus, der am Kreuz für seine Peiniger betete: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Darin zeige sich die Größe der göttlichen Barmherzigkeit.
Abschließend erinnerte der Diakon an die Worte Christi, barmherzig zu sein, wie auch der himmlische Vater barmherzig sei. Wer selbst Gottes Erbarmen erhoffe, müsse bereit sein, es anderen zu gewähren. Die Überwindung des Prinzips „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ gelinge jedoch nicht allein aus eigener Kraft. Dazu seien das Gebet und der Beistand Gottes notwendig.
Zuvor hatte die UOJ berichtet, dass Patriarch Daniil dazu aufgerufen hatte, Meinungsverschiedenheiten in der Kirche durch Dialog zu überwinden.
