Jesidischer Jugendlicher in Kassel mit Messer angegriffen

Die Polizei untersucht einen Vorfall in Kassel, bei dem ein 16-Jähriger Jeside mit einem Messer verletzt wurde. Symbolfoto: Kamran Aydinov/freepik.com Die Polizei untersucht einen Vorfall in Kassel, bei dem ein 16-Jähriger Jeside mit einem Messer verletzt wurde. Symbolfoto: Kamran Aydinov/freepik.com

16-Jähriger vermutet religiöses Motiv – Familie berichtet von jahrelanger Diskriminierung und erwägt Umzug.

Ein 16-jähriger Jeside ist am 18. Juni 2026 in Kassel von einem Mitschüler mit einem Messer verletzt worden. Der Jugendliche und seine Familie vermuten einen religiösen Hintergrund. Nach Angaben des Betroffenen sei er zuvor wiederholt wegen seines jesidischen Glaubens beleidigt und diskriminiert worden. Die Polizei bestätigte wechselseitige Strafanzeigen und verwies auf die laufenden Ermittlungen. darüber berichtete die Hessisch Nidersächsische Allgemeine (HNA) am 30. September 2026 auf ihrer Webseite.

Der Jugendliche erlitt bei dem Angriff eine etwa 15 Zentimeter lange und zwei Zentimeter tiefe Wunde am Nacken und Rücken, die im Krankenhaus genäht werden musste. Nach seiner Darstellung habe der 17-jährige Mitschüler ihn gezielt angegriffen und zuvor wiederholt als „Kafir“ (Ungläubiger) beleidigt. Nach der Attacke habe der Angreifer gedroht, ihn wiederzufinden. Besonders erschütternd sei für die Familie, dass der Verletzte selbst den Rettungswagen habe rufen müssen, obwohl andere Personen vor Ort gewesen seien.

Die Familie war 2015 vor der Verfolgung durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) aus dem Irak nach Deutschland geflüchtet. Die Schwester des Jugendlichen berichtet von Angst vor weiteren Angriffen und von eigenen Diskriminierungserfahrungen. Sie sieht in der Messerattacke eine Eskalation jahrelanger Ausgrenzung und fordert mehr Aufmerksamkeit für antijesidischen Hass und religiös motivierte Gewalt unter Jugendlichen.

Die Polizei bestätigte, dass im Zusammenhang mit dem Vorfall wechselseitige Strafanzeigen wegen Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung erstattet wurden. Zu den Hintergründen äußerte sie sich mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen und das Alter der Beteiligten nicht. Die Familie kann sich nach dem Vorfall nicht vorstellen, in Kassel zu bleiben, und erwägt einen Umzug in eine Stadt mit einer größeren jesidischen Gemeinde.

Die UOJ berichtete zuvor, dass eine Reliquie des Heiligen Nikolaus in vier rumänisch-orthodoxe Gemeinden in Deutschland empfangen wurde.

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