„Alles wird der Mensch vergeben, wenn Freude in seiner Seele ist“
Erzpriester Slobodan Tijanić zelebrierte in der serbisch-orthodoxen Gemeinde in Frankfurt und predigte über das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht.
Am Sonntag, dem 16. August 2026, versammelten sich die Gläubigen der serbisch-orthodoxen Gemeinde in Frankfurt zur Göttlichen Liturgie. Im Mittelpunkt der Predigt von Erzpriester-Stavrofor Slobodan Tijanić stand das Evangelium vom unbarmherzigen Knecht aus Matthäus 18,23–35. Der Geistliche erinnerte daran, dass die Bereitschaft zur Vergebung ein wesentlicher Ausdruck christlichen Lebens sei. Die Gemeinde berichtete darüber auf ihrer Facebook-Seite.
In seiner Predigt stellte Erzpriester Slobodan Tijanić das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht in den Mittelpunkt. Einem Knecht, der seinem Herrn zehntausend Talente schuldet, wird die gesamte Schuld aus Mitleid erlassen. Kurz darauf begegnet derselbe Knecht einem Mitknecht, der ihm eine weitaus geringere Summe schuldet. Statt ihm ebenfalls Barmherzigkeit zu erweisen, lässt er ihn ins Gefängnis werfen. Für den Geistlichen liegt darin die zentrale Tragik des Gleichnisses: Der Knecht habe zwar Vergebung empfangen, diese sei aber nicht in sein Herz eingedrungen.
Die Predigt betonte, dass der Mensch selbst vor Gott eine unermessliche Schuld trage und dennoch immer wieder Vergebung erfahre. Deshalb müsse er auch seinen Mitmenschen vergeben. Dabei gehe es nicht nur um ein äußerlich ausgesprochenes „Ich vergebe dir“, während Groll und Bitterkeit im Herzen fortbestünden. Wahre Vergebung entstehe dort, wo der Mensch Mitgefühl entwickle und den anderen nicht länger als Schuldner betrachte. „Wie wir vergeben, so wird auch der Herr uns vergeben“, erinnerte der Geistliche unter Verweis auf das Evangelium und das Vaterunser.
Zum Abschluss rief Erzpriester Slobodan Tijanić die Gläubigen dazu auf, darüber nachzudenken, wen sie noch „im Gefängnis ihres Unmuts“ festhielten und welche Schuld sie anderen nachtrügen. Die Liturgie und die empfangene Vergebung sollten nicht nur äußerlich bleiben, sondern Freude und geistliche Kraft im Menschen hervorbringen. „Wer wirklich weiß, was ihm vergeben wurde, kann nicht anders, als selbst zu vergeben“, lautete die abschließende Botschaft der Predigt.
Die UOJ berichtete zuvor, dass die russisch-orthodoxe Gemeinde in Mainz mit Priester Matthias Fröse ihr 35-jähriges Jubiläum feierte.