Priester Matthias Fröse erklärte die orthodoxe Perspektive auf die Bibellektüre
Neuer Videobeitrag stellt weniger die Übersetzung als vielmehr die rechte Haltung beim Lesen der Heiligen Schrift in den Mittelpunkt
In seinem neuen thematischen Videobeitrag außerhalb der Predigten spricht Priester Matthias Fröse von der russisch-orthodoxen Gemeinde des Heiligen Christophorus Mainz in der Außenstelle Meisenheim über die Frage nach der richtigen Bibelübersetzung und den geistlichen Zugang zur Heiligen Schrift im orthodoxen Verständnis. Die Gemeinde veröffentlichte den Beitrag am 15. April 2026 auf ihrem YouTube-Kanal.
Ausgehend von der häufig gestellten Frage, welche Bibel orthodoxe Christen lesen sollten, relativiert Priester Matthias Fröse die Bedeutung einer bestimmten Übersetzung. Entscheidend sei nicht in erster Linie die Wahl der Ausgabe, sondern die Art und Weise, wie die Schrift gelesen werde. In der orthodoxen Tradition gelte die Bibel als lebendiges Wort Gottes im Leben der Kirche, das den Menschen nicht nur informiere, sondern innerlich verwandle.
Im deutschsprachigen Raum gebe es bislang keine einheitliche orthodoxe Standardübersetzung. Daher griffen Gläubige auf verschiedene Ausgaben zurück, darunter den byzantinischen Mehrheitstext in deutscher Übersetzung, die Elberfelder Bibel oder auch die Schlachterbibel. Für das Alte Testament hebt der Geistliche die Bedeutung der Septuaginta hervor, die in der frühen Kirche maßgeblich gewesen sei und bis heute eine zentrale Rolle in der orthodoxen Auslegung spiele.
Besonderes Gewicht legt der Priester in seinem Video auf die konkrete Praxis der Bibellektüre. Anfängern empfiehlt er, nicht einzelne Verse isoliert zu betrachten, sondern zusammenhängend zu lesen, etwa durch die tägliche Lektüre eines Kapitels aus dem Evangelium, beginnend mit dem Matthäusevangelium. Auf diese Weise erschließe sich nach und nach der Gesamtzusammenhang der biblischen Botschaft.
Vertieft werde das Verständnis anschließend durch die Auslegung im Geist der Kirchenväter. Kommentare wie jene des serbischen Theologen Justin Popović zum Matthäusevangelium könnten helfen, die Schrift nicht nur historisch, sondern geistlich zu erfassen. Ziel sei eine persönliche Aneignung der biblischen Worte im Gebet und im Alltag, sodass die Schrift zu einem dauerhaften Begleiter des Lebens werde.
Die UOJ berichtete zuvor, dass Bischof Meletius zu weniger Egozentrik im Blick auf die Auferstehung mahnte.