Priester Konstantin Anikin rief zur Umsetzung des Evangeliums im Alltag auf
Der Geistliche deutete das Gebot der Feindesliebe als Aufforderung, auch mit Menschen, die dem eigenen Glauben oder Lebensstil widersprechen, friedlich zu leben.
Am 18. Oktober 2026 predigte Priester Konstantin Anikin in der deutschsprachigen Berliner Gemeinde des Heiligen Isidor der Russischen Orthodoxen Kirche. Ausgehend vom Evangelium nach Lukas 6,31–36 betonte er, dass Christus die bekannte „Goldene Regel“ – anderen das zu tun, was man selbst von ihnen erwartet – durch das Gebot der Feindesliebe radikal erweitere. Christen seien aufgerufen, ihren Glauben nicht nur in der Kirche zu bekennen, sondern ihn im täglichen Umgang mit anderen Menschen durch Dankbarkeit, gute Werke und Nächstenliebe konkret zu verwirklichen. Die Gemeinde veröffentlichte das Video der Predigt auf ihrem YouTube-Kanal.
Priester Konstantin Anikin erinnerte zunächst daran, dass die sogenannte Goldene Regel bereits vor Christus bekannt gewesen sei und eine Grundlage menschlichen Zusammenlebens bilde. Christus gehe jedoch darüber hinaus: Mit der Aufforderung „Liebt eure Feinde“ stelle er das gewohnte Prinzip auf den Kopf. Als „Feinde“ seien dabei heute nicht nur Menschen im klassischen Sinn eines Gegners zu verstehen, sondern auch solche, die dem eigenen Glauben, den eigenen Überzeugungen oder dem persönlichen Lebensstil widersprechen oder einem nicht wohlgesinnt seien. Daraus erwachse für Christen die schwierige Aufgabe, auch mit solchen Menschen friedlich zu leben.
Ein weiterer Schwerpunkt der Predigt war die Dankbarkeit. Der Geistliche verwies auf alltägliche Gründe für Unzufriedenheit – etwa steigende Kosten – und stellte ihnen die vielen Dinge gegenüber, die Menschen als selbstverständlich betrachteten: Gesundheit, die Fähigkeit zu sehen und zu gehen, medizinische Versorgung und die Möglichkeit, Gottesdienste zu besuchen. Christen sollten innehalten und Gott für das Gute danken, das ihnen gegeben sei, anstatt sich ständig über Probleme und andere Menschen zu beklagen.
Der Priester erinnerte zudem daran, dass Christen von Anfang an mitten in einer nichtchristlichen Welt gelebt hätten. Sie hätten sich nicht grundsätzlich von anderen Menschen abgesondert, sondern für sie gebetet und ihnen Gutes getan. Auch heute könnten Christen auf diese Weise ihr Umfeld prägen. Entscheidend sei, dass das Evangelium nicht nur in der Kirche gehört werde, sondern im Alltag tatsächlich umgesetzt werde.
Priester Konstantin Anikin bezeichnete es als ein wesentliches Problem des heutigen Christentums, dass vieles, was in der Kirche gehört werde, nicht in die Tat umgesetzt werde. Dankbarkeit und Nächstenliebe könnten jedoch einen Anfang bilden. Wer für das eigene Leben und die Möglichkeit dankbar sei, die Gottesdienste zu besuchen und in der Gemeinde zu leben, könne lernen, auch andere Menschen zu lieben und ihnen das zu tun, was er selbst von ihnen erwarte.
Die UOJ berichtete zuvor, dass die Russische Orthodoxe Kirche im Ausland mit einer Konferenz des 50. Todestags von Erzbischof Nikodim gedachte.
