Metropolit Antonij: „Jeder Christ trägt sein Kreuz entsprechend seiner Stärke“
Orthodoxer Geistlicher betonte in einem Interview die Bedeutung von Leid, Hoffnung und Verantwortung – auch mit Blick auf die Gegenwart
In einem Interview zur Großen Fastenzeit erklärt der bulgarisch-orthodoxe Metropolit Antonij von West- und Mitteleuropa die spirituelle Bedeutung des Kreuzes. Seine Aussagen lassen sich auch als Deutung aktueller Krisen und persönlicher Belastungen lesen. Das Interview wurde am 13. März 2026 auf der Webseite des Patriarchats veröffentlicht.
Metropolit Antonij beschreibt das Kreuz als zentrales Symbol des christlichen Lebens, das weit über den religiösen Raum hinauswirkt. Jeder Mensch trage sein eigenes „Kreuz“, also persönliche Prüfungen, die seiner geistlichen Stärke entsprächen. Gerade in einer Zeit globaler Unsicherheiten und individueller Belastungen sieht er darin eine Quelle von Orientierung und Halt.
Leiden und Opfer seien im Christentum nicht sinnlos, sondern erhielten durch den Glauben eine bleibende Bedeutung. Das Kreuz verwandle Vergängliches in etwas Ewiges und gebe dem Leid einen Sinn. Diese Deutung kann auch als Antwort auf heutige Krisenerfahrungen verstanden werden, in denen viele Menschen nach Sinn und Hoffnung suchen.
Zugleich warnt der Geistliche, der als Bischof auch für die bulgarischen Gemeinden in Deutschland zuständig ist, vor Verzweiflung: Wer auf Gottes Vorsehung vertraue, könne auch schwierige Lebensphasen bewältigen. Prüfungen dienten dazu, den Glauben zu stärken und die eigene Begrenztheit zu erkennen. Unterstützung komme dabei nicht nur von Gott, sondern auch durch Mitmenschen – ein Hinweis auf die gesellschaftliche Bedeutung von Solidarität.
Konkret verweist der Metropolit auf die Praxis der Fastenzeit: Gebet, Buße und die Teilnahme an der Eucharistie sollen Gläubigen helfen, neue Kraft zu schöpfen und Belastungen bewusster anzunehmen. Gerade im Alltag – etwa in familiären Konflikten, beruflichem Druck oder gesundheitlichen Sorgen – könne dieser spirituelle Rahmen Orientierung geben und innere Stabilität fördern.
Abschließend betont der Metropolit die untrennbare Verbindung von Kreuz und Auferstehung. Ohne Leid gebe es keine Erneuerung. Gerade darin liege die zentrale Botschaft für die Gegenwart: Hoffnung entstehe nicht trotz, sondern durch das Durchstehen von Krisen.
Die UOJ veröffentlichte zuvor eine Videoreportage über die serbisch-orthodoxe Gemeinde in Kassel.