Zwischen Angst und Vertrauen: orthodoxe Perspektiven auf Krisenzeiten

Erzpriester Dionisij Idavajn beantwortet im Format „Frag den Priester“ Fragen zu Angst und Vertrauen im Kontext aktueller Krisen. Foto: Screenshot YouTube

Die russisch-orthodoxe Gemeinde des Heiligen Johannes von Kronstadt in Hamburg hat am 25. Mai 2026 eine neue Ausgabe ihres Videoformats „Frag den Priester“ veröffentlicht. In der aktuellen Folge beantwortet Erzpriester Dionisij Idavajn auf dem YouTube-Kanal Fragen zum Thema Zukunftsangst, Krisenwahrnehmung und innerer Stabilität aus orthodoxer Sicht.

Im Gespräch wird deutlich, dass Ängste vor Krisen, Kriegen und gesellschaftlichen Umbrüchen kein neues Phänomen sind, sondern die Menschheit seit jeher begleiten. Erzpriester Dionisij Idavajn betont, dass auch frühere Generationen unter vergleichbaren Unsicherheiten lebten – und dennoch ihr Leben fortsetzten. Der christliche Glaube biete dabei eine Perspektive, die Angst relativiere: Trotz äußerer Bedrohungen solle der Mensch nicht in Hoffnungslosigkeit verfallen, sondern auf Gottes Gegenwart vertrauen.

Zugleich warnt der Geistliche in dem Video davor, sich ausschließlich von negativen Nachrichten bestimmen zu lassen. Die moderne Medienwelt verstärke häufig ein Gefühl permanenter Bedrohung. Gläubige seien daher aufgerufen, bewusst mit Informationen umzugehen und innere Distanz zu wahren, ohne sich vollständig von der Welt abzuschotten. Praktisch bedeute dies auch, Zeiten des „Abschaltens“ zu suchen und sich im Gebet neu auszurichten.

Ein zentraler Gedanke der Folge ist das Zusammenspiel von Vertrauen und eigenem Handeln. Der Glaube entbinde nicht von Verantwortung, sondern fordere dazu auf, das Mögliche zu tun und zugleich das Unkontrollierbare Gott anzuvertrauen. Angst könne dabei sowohl natürliche Schutzfunktion haben als auch – in übersteigerter Form – lähmend wirken. Entscheidend sei, sie durch Gebet, Demut und Vertrauen in Gottes Willen zu relativieren.

Abschließend wird auch die Frage nach gesellschaftlichen Entwicklungen aufgegriffen. Erzpriester Dionisij Idavajn sieht die zunehmende Säkularisierung als Herausforderung, betont jedoch die Verantwortung jedes Einzelnen: Wer den Glauben aktiv lebe, könne auch das gesellschaftliche Umfeld positiv prägen. Die Botschaft der Sendung richtet sich damit an Gläubige, die in unsicheren Zeiten Orientierung suchen – zwischen realistischer Wahrnehmung der Welt und geistlicher Zuversicht.

Die UOJ berichtete zuvor, dass in Ungarn die wundertätige Koviner Ikone der Gottesmutter feierlich geehrt wurde.

Lesen Sie auch

Metropolit Onufrij verurteilte Legalisierung von Sünde

Abtreibung, Euthanasie und Homo-Ehe seien ein selbstzerstörerischer Weg, warnte das Oberhaupt der UOK in der Kiewer Lawra.

Hiob-Kloster in Seyfriedsberg bat um Spenden für dringende Sanierungsarbeiten

Die Stützmauern des historischen Gebäudes wurden von jahrzehntelang gewachsenen Efeuwurzeln schwer beschädigt; benötigt werden 60.000 Euro.

Archäologen legten 1.600 Jahre alte frühchristliche Kirche in Italien frei

Unter dem ehemaligen Fischmarkt von Oderzo entdeckten Forscher eine dreischiffige Basilika mit bunten Mosaikböden und einer antiken Grabanlage.

Ugandischen Pastor nach christlich-muslimischer Debatte getötet

Der 25-jährige Geistliche wurde wenige Stunden nach der Diskussion, bei der sich zwei Musliminnen dem Christentum zuwandten, auf offener Straße von mehreren Männern auf Motorrädern angegriffen.

Orthodoxe Mission feierte erste Taufen in Diego Suarez im Norden Madagaskars

Bischof Nifon von Nordmadagaskar nahm die Neugetauften in die Kirche der Erzengel Michael und Gabriel auf und bewirtete sie anschließend mit einem traditionellen Festmahl.

Patriarch Porfirije segnete die 130 neu ernannten Offiziere der serbischen Armee

Bei der feierlichen Zeremonie in der Belgrader Kaserne Banjica rief das Kirchenoberhaupt die Absolventen der Militärakademie und der medizinischen Fakultät zu einem Dienst voller Ehre und Liebe zum eigenen Volk auf.