Christliche Orientierung im Informationsüberfluss – Interview mit CRISIS

Gregor Fernbach. Screenshot aus dem YouTube-Video „Edition Hagia Sophia stellt sich vor“.

Gregor Fernbach ist Kulturwissenschaftler, Verleger und Redakteur – ein ausgewiesener Kenner der orthodoxen Kultur im deutschsprachigen Raum. Seit 2009 leitet er den Verlag Edition Hagia Sophia, der theologische, patristische, philosophische und kulturbezogene Werke publiziert. Darüber hinaus engagiert sich Fernbach intensiv für die Vermittlung orthodoxer Tradition im kulturellen Kontext Deutschlands – durch Vorträge, Übersetzungen und gesellschaftliche Beiträge.

Seit 2022 leitet er zudem die Redaktion der Zeitschrift CRISIS – Journal für christliche Kultur, einem einzigartigen Projekt in der orthodoxen Medienlandschaft im deutschsprachigen Raum. Wir sprachen mit ihm über die Ziele, Inhalte und Perspektiven dieser Initiative.

Erzählen Sie bitte etwas über Ihre Redaktion und warum Sie beschlossen haben, eine orthodoxe Zeitschrift auf Deutsch zu gründen.

Die Idee für die Zeitschrift „CRISIS – Journal für christliche Kultur“ entstand während der schwierigen Corona-Zeit, als einige Mitglieder der DOM-Gesellschaft (Deutschsprachige Orthodoxie in Mitteleuropa – Gesellschaft zu Ehren des Erzengels Michael) beschlossen, als Reaktion auf die offensichtlichen antichristlichen Entwicklungstendenzen der letzten Jahre dem orthodoxen Standpunkt zu aktuellen Themen eine publizistische Stimme zu geben.

Im Frühjahr 2022 fand sich eine kleine Redaktion zusammen, die seither quartalsweise zentrale Fragen und Probleme unserer Zeit aus orthodoxer Perspektive aufgreift.

Themen bisheriger Ausgaben waren:

In Vorbereitung befinden sich:

Wir bemühen uns, neben orthodoxen Geistlichen auch Wissenschaftler, Künstler und Christen anderer Konfessionen als Autoren zu gewinnen, um ein möglichst breites Spektrum an Perspektiven und Inhalten anzubieten.


Ist die Zeitschrift CRISIS die einzige ihrer Art in Deutschland? Wer gehört zu Ihrer Zielgruppe?

Neben Gemeinde-Organen (vertreten meist über Internet-Webseiten) existiert die deutschsprachige Ausgabe der Zeitschrift "Der Bote" des Kloster des hl. Hiob von Pocaev, sodann "Der Schmale Pfad - Orthodoxe Quellen und Zeugnisse" mit inzwischen über 90 Bändchen von Johannes Alfred Wolf. Diese Publikationen verbleiben sehr nahe mit ihren Themen im kirchlich-orthodoxen bzw. patristischen Umfeld.


Eine vergleichbare deutschsprachige Zeitschrift wie die "CRISIS", welche als Zielpublikum über die Konfessionellen hinaus auch die Nicht-Orthodoxen zu aktuellen Themen der heutigen Zeit ansprechen möchte, gibt es unseres Wissens so nicht.

Halten Sie es für aktuell und wichtig, missionarische Arbeit über orthodoxe Medien zu leisten?

Orthodox-missionarische Arbeit über Medien zu leisten, wird in der Zeit des Informationsüberflusses immer wichtiger.

Davon zeugt u.a. auch die kürzliche Konferenz von orthodoxen Verlegern in der LMU/München.

Dabei ist stets der Grundsatz zu beachten, dass bei all dem die Selbst-Mission über kirchliche Zugehörigkeit vorangeht.
Konferenz orthodoxer Verleger und Publizisten deutschsprachiger orthodoxer Medien an der Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie der LMU München am 6. Februar 2025. Foto: Edition Hagia Sophia

Wie sehen Sie die Zukunft der Orthodoxie in Deutschland?

Im Gegensatz etwa zur USA geht die Ausbreitung der Orthodoxie in Deutschland nicht stürmisch, sondern recht gemächlich voran. Die Jurisdiktionen der traditionell orthodoxen Länder sammeln deren Migranten in hier ansässigen Diözesen. doch eine deutschsprachige Orthodoxie steckt noch in den Kinderschuhen.

Darum bemüht sich eigens seit ca. 6 Jahren die o.g. DOM-Gesellschaft. In jüngster Zeit ist mit der Gründung orthodoxer Jugend-Organisationen, mit Publikationen sowie diversen Kanälen in den Sozialen Medien ein gewisser Aufbruch zu spüren.

Doch wird es noch lange Zeit dauern, bis die Orthodoxie als dritte Kraft den beiden großen Konfessionen in Deutschland ebenbürtig wird. Aber Rom wurde ja auch nicht an einem Tag erbaut und so bleiben wir optimistisch.

In der letzten Ausgabe haben Sie das Thema der Verfolgung orthodoxer Christen in der Ukraine aufgegriffen. Warum halten Sie es für wichtig, darüber zu berichten?

Die weltweite Verfolgung orthodoxer Christen ist generell in den Medien unterbelichtet. 

Dass speziell in der Ukraine, einem traditionell orthodoxen Land, die Christenverfolgung mit Schließung, Beschlagnahmung und Umwidmung von Klöstern und Kirchen, mit der Vertreibung von Priestern und Gemeinden ein beängstigendes Ausmaß angenommen hat, lässt Erinnerungen an die gottlosen Regime der Sowjetzeit wachwerden und lässt auch uns in Deutschland eine Zukunft erahnen, wo das Leben des christlichen Glaubens nicht mehr eine Selbstverständlichkeit ist.

 

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